Wortwitz, Gags und Merkel-Double

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 Auch mit Singen brachte Marianne Schätzle ihre Beobachtungen ihrer Mitmenschen auf die Bühne. Vorweg widmete sie sich dem moder
Auch mit Singen brachte Marianne Schätzle ihre Beobachtungen ihrer Mitmenschen auf die Bühne. Vorweg widmete sie sich dem modernen Zeitgeist und dem alltäglichen Wahnsinn. (Foto: Herlinde Groß)
Herlinde Groß

Mit ihrem neuen Kabarett-Programm „Früher war nix to go“ hat Marianne Schätzle in der Scheune des Denkinger Bürgerhauses mit Wortwitz, Gags, aber auch mit ein wenig politischer Satire begeistert. Als Merkel-Double sorgte sie zudem für viele Lacher.

Von der ersten Minute an hatte die Kabarettistin aus Hilzingen die Zuhörer in der Scheune im Griff, denn Pointe reihte sich an diesem Abend an Pointe, das Publikum kam aus dem Lachen teilweise gar nicht mehr heraus.

„Die Angela könne im Moment nicht kommen, sie hoffe jedoch, dass sie später noch vorbei schaue“, begrüßte Marianne Schätzle, auch Double und Mitregierende von Angela Merkel, das Publikum in der Scheune. Nicht umsonst wurde sie mit einem Kabarettpreis ausgezeichnet. Gleich zu Anfang stellte sie fest, dass früher „nix to go“ war, man war schließlich sparsam im Ländle. Ihr Onkel hatte im Pfandhaus 500 Euro geliehen und gab sein Auto als Pfand. Nach drei Wochen löste er seinen Wagen wieder für 25 Euro aus. „Soviel Geld für nichts, sagte ich ihm. Doch über seine Antwort war ich tatsächlich verblüfft. ,Ich war drei Wochen im Urlaub und für diesen Betrag hätte ich nirgends parken können’“.

Obwohl der schweizerische Dialekt einige Male richtig durchkam und ein paar Gäste zweimal hinhören mussten, um die Kabarettistin zu verstehen - gelacht haben die Kulturfreunde in dem alten Gebäude trotzdem.

Denn die Besucher hätten Glück, dass sie heute Abend nicht fernsehen müssten - da laufe nämlich „Bauer sucht Frau“. Das seien nämlich keine echte Bauern, und Marianne muss es schließlich wissen, da sie auf einem Bauernhopf im Klettgau groß geworden ist. Es war früher alles anders, sagte sie, da suchte man die Bauern noch in der Bauernzeitung oder beim Tanzen, jetzt sucht man Männer mit Niveau per „parshippe“. Sicher sei der Sohn der Nachbarin jedoch der Richtige. Er sei aufgestiegen und jetzt ganz oben. „Als Kranfahrer ist das okay“ meinte Schätzle.

Auch mit dem Essen sei es früher anders gewesen. Eine Freundin habe gesagt, sie esse jetzt Paleo. Sie habe immer gedacht, das sei ein Stadtteil von Palermo. Mit dem aktuellen Kabarettprogramm „Früher war nix to go“ traf Schätzle oft den Nagel auf dem Kopf. In den heutigen Backöfen könne man ja einen ganzen Ochsen am Spieß braten. Aber gegessen werde trotzdem „to go“. Mit der nächsten Erkenntnis setzte sie noch eins drauf: Früher gab’s eine Schüssel Eintopf auf dem Tisch für alle. Heute isst der eine kein Fleisch, der andere nur Fleisch. Ein Zigeunerschnitzel oder einen Mohrenkopf dürfte man heute schon gar nicht mehr bestellen. Das heiße jetzt Balkanschnitzel und Schaumkuss. Dagegen dürfe man „Gelber Sack“ noch sagen, aber nur, wenn man dabei nicht an einen Chinesen denke. Als Alternative zur Mohrrübe empfahl die Spaßmacherin Rübe mit afroamerikanischem Migrationshintergrund. Nach dem Essen räume ihr Mann die Spülmaschine nach einem Spülmaschinenflächennutzungsplan ein, das gab es früher auch nicht.

Nach der Pause kam die Kabarettistin noch als Kanzlerin unter dem Summen der Landeshymne durch die Besucher.

Mit Mimik und Gesten zeigte sie sich als das perfekte Double der zurzeit mächtigsten Frau Deutschlands. „Schließlich regieren wir auch zusammen, indem wir jede Woche abwechseln. Die Kanzlerin versprach indessen nichts, aber das halte sie dann auch. Ich regiere nach meinen Möglichkeiten und manchmal auch darüber hinaus“, so Schätzle als Kanzlerin. „Ich liebe die Macht immer mehr und finde regieren ist gar nicht so schön.“

Mit einem furiosen Kabarettprogramm beendete das Kanzlerinnen-Double Marianne Schätzle ihren Auftritt in der Scheune.

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