Wenn es in Denkingen keine Würmer mehr gibt ...

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Aufmerksam lauschten die vielen Besucher dem Vortrag der Geoökologin Christina Kraus über das hoch aktuelle Thema.
Aufmerksam lauschten die vielen Besucher dem Vortrag der Geoökologin Christina Kraus über das hoch aktuelle Thema. (Foto: Herlinde Groß)

Die fünf Gemeinden der N!-Region haben zu einer Vortragsveranstaltung mit Christina Kraus, Geoökologin in die Scheune des Bürgerhauses eingeladen. Zum Vortrag „Wenn der frühe Vogel keinen Wurm mehr fängt – wie die Erd-erwärmung die Rhythmen der Natur verändert“ konnte Bürgermeister Rudolf Wuhrer eine große Anzahl Besucher aus Nah und Fern begrüßen.

Jedem sei der Begriff Klimawandel bekannt mit seiner globalen Erwärmung, was Jahr für Jahr große Veränderungen mit sich bringe. So seien vielfach jetzt die Schäden vom letztjährigen trockenen Sommer zu beobachten, so Wuhrer.

Dies war für die Referentin das Stichwort für ihre Ausführungen. Seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen vor 237 Jahren in Deutschland war das Jahr 2018 das wärmste Jahr und lag mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 10,4 Grad, also starke 2,2 Grad über dem langjährigen Mittel. Natürlich würden die Temperaturverläufe von Jahr zu Jahr schwanken, aber der Trend ist eindeutig und klar: „Es wird wärmer.“ In anschaulichen Diagrammen zeigte die Referentin den Wandel des Klimas von der Eiszeit bis in die Gegenwart auf. Klimawandel ist nichts Besonderes, er gehöre zur Natur. Das Problem sei nur die Geschwindigkeit. Denn der Anstieg der Konzentration verschiedener Treibhausgase, insbesondere von Kohlenstoffdioxid (CO2) verstärke den Treibhauseffekt und führe zur globalen Erwärmung.

Im Alltagsleben teilen wir das Jahr in vier Jahreszeiten ein. Es gibt jedoch auch noch eine feinere Einteilung in zehn biologisch begründete Jahreszeiten, die Jahreseinteilung nach Erscheinungen in der Pflanzenwelt, schnitt Kraus ein interessantes Thema an. Die Phänologie „Ich erscheine“ befasst sich mit dem Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur und die Phänometrie mit der Erfassung dieser Erscheinungen, die in einem phänologischen Kalender festgehalten werden.

Jeder dieser Jahreszeit sind bestimmte Zeigerpflanzen zugeordnet. Bei Langzeitstudien dieser Pflanzen konnte man den Klimawechsel genau beobachten durch Verschieben der Vegationsperioden.

Der globale Trend der Frühlingsblüher wie Schneeglöckchen, Krokusse liege zwei bis drei Tage früher pro ein Grad/Jahrzehnt. Durch diese Verschiebungen trete eine Veränderung der Nahrungskette ein. Auch das Verhalten der Tiere verändere sich hauptsächlich bei der Eiablage, wobei eine frühere Rückkehr der Zugvögel zu beobachten sei. Raupen regierten auf den Klimawandel stärker und seien 7,5 Tage früher dran.

17,5 Prozent der Bestäuberarten sind durch den gestörten Rhythmus betroffen, wobei die Bienen stark auf die Klimaveränderung reagieren.

Im eigenen Garten beginnen

Es gelte nun, die Natur als hoch komplexes System in seiner Funktionalität und dem Ökosystem zu erhalten und den rasanten Klimawandel aufzuhalten, wenn nicht gar zu stoppen. „Machen Sie die Augen auf und beobachten Sie die Natur“, richtete die Geoökologin den Appell an die Zuhörerschaft. Bei allen Entscheidungen sollte die Klimawirksamkeit berücksichtigt werden. Das Bewusstsein sollte in den Menschen gestärkt werden. „Jeder kann mit kleinen Schritten viel dazu beitragen, dass unsere Natur erhalten bleibt. Beginnen Sie in Ihrem Garten!“, sagte Kraus

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