Wackelt der Rottweiler Testturm bei Verkauf?

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 Ein möglicher Verkauf der Thyssenkrupp-Aufzugssparte wirft Fragen rund um den Testturm auf.
Ein möglicher Verkauf der Thyssenkrupp-Aufzugssparte wirft Fragen rund um den Testturm auf. (Foto: Archiv- Thyssenkrupp)
sbo und Patrick Nädele

Für Kritiker des Rottweiler Testturms von Thyssenkrupp ist es schon im Kampf gegen das Vorhaben ein Argument gewesen: Was passiert, wenn das Aufzugsunternehmen einmal keinen Bedarf mehr an der Testeinrichtung hat? Steht dann die Stadt mit dem brach liegenden Gebäude da?

Nun geistert seit Monaten die Nachricht durch die Medien, Thyssenkrupp wolle seine Aufzugssparte verkaufen. Jüngst wurde vermeldet, Mitbewerber Kone habe dafür 17 Milliarden Euro geboten. Anfragen in der Konzernzentrale in Essen werden seit September mit dem immer gleichen Wortlaut beantwortet: „Wir haben klar gesagt, dass wir – neben der Vorbereitung des Börsengangs – die vorliegenden Interessensbekundungen potenzieller Interessenten prüfen. Das tun wir gewissenhaft. Deshalb haben wir einen strukturierten Prozess für die Bewertung von Angeboten von strategischen Investoren und Finanzinvestoren eingeleitet, mit dem wir sicherstellen, dass unsere Entscheidung für Thyssenkrupp und seine Stakeholder nachhaltig und die beste ist. Das gilt auch für den Testturm.“

Auch in Rottweil wird das aufmerksam beäugt. „Wir beobachten aus der Ferne, was sich in Essen in Bezug auf die Aufzugssparte tut“, sagt Oberbürgermeister Ralf Broß. Man sei regelmäßig in Kontakt mit dem Vorstandszimmer. Die Verbindung zwischen Essen und Rottweil aufrecht zu erhalten, habe sich bewährt.

Für Broß ist nachvollziehbar, dass sich der Konzern Gedanken macht, ob ein Börsengang oder ein Verkauf eine Option sind. Bis Ende März soll das wohl abgeschlossen sein. Die verschiedenen Berichte über Interessenten sind Broß deshalb bekannt. Und für ihn zeige sich darin, dass die Aufzugssparte am Markt attraktiv ist.

Gleichwohl ist sich der Rottweiler sicher, dass der Testturm mit der Entwicklungsabteilung für Aufzugstechnik hier bleiben wird – egal wie die Abwägung in Essen ausfällt. Aber klar, auch die Stadtverwaltung mache sich Gedanken über die möglichen Auswirkungen eines Börsengangs oder eines Verkaufs für Rottweil und die Region.

Dabei geht es zum einen um die Arbeitsplätze und die Bedeutung der Forschungseinrichtung, zum anderen aber auch um die Aussichtsplattform. Broß verweist auf den städtebaulichen Vertrag zwischen der Stadt und dem Unternehmen. Darin seien die Themen wie die Silhouette, die Beleuchtung und Urheberrechte geregelt, aber etwa auch die Zugänglichkeit der Plattform. Und auch zur Rechtsnachfolge finde sich darin ein Abschnitt – nicht weil es bereits entsprechende Befürchtungen gegeben habe, sondern weil dies Standard in städtebaulichen Verträgen sei, wie der OB betont. Das Unternehmen sei also verpflichtet, die Rechte und Pflichten auf einen Nachfolger zu übertragen. „Ich sehe da keine Probleme auf uns zukommen“, meint Broß. Und dann gibt es in der wiederholten Stellungnahme der Thyssenkrupp-Pressestelle ja noch einen Satz, der die Einschätzung von Broß bestätigt: „Forschungs- und Testeinrichtungen wie diese (der Testturm, Anm. d. Red.) sind unverzichtbar, um auch in Zukunft mit führenden Innovationen erfolgreich zu sein.“

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