Ulla Braun wird 80: Ein Leben für die Kirchenmusik

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Jubilarin Ursula Braun an ihrer geliebten Kirchenorgel.
Jubilarin Ursula Braun an ihrer geliebten Kirchenorgel. (Foto: Herlinde Groß)
Herlinde Groß

Am Sonntag, 22. November, kann Ursula Braun ihren 80. Geburtstag feiern. Und wie es ein fast schon symbolisch zu nennender Zufall will: Der Tag ist auch das Fest der Heiligen Cäcilia von Rom, Patronin der Kirchenchöre und Kirchenmusik. Diesen hat sich Ulla Braun ihr ganzes Leben mit Leib und Seele verschrieben.

Im Anschluss an den Sonntagsgottesdienst in Denkingen wird die katholische Kirchengemeinde zusammen mit dem Kirchenchor die Glückwünsche an die Kirchenmusikdirektorin zu ihrem runden Geburtstag aussprechen.

Die private Feier wird allerdings in Zeiten von Corona dreigeteilt durchgezogen, teilt die Jubilarin mit. An drei Sonntagen wird jeweils eine Familie ihrer drei Kinder sich einfinden und mit der Mutter und Oma feiern. Einen Vorgeschmack gab es bereits am vergangenen Sonntag, wo die erste Familie mit ihr gefeiert hat. Jeder Tag ist ihr jedoch gleich wichtig, freut sie sich doch über ihre drei ebenfalls musikalischen Kinder Martin, Markus und Michaela. Dazu gratulieren ihrer Oma neun Enkelkinder.

Wie Ulla, wie sie vom Denkinger Kirchenchor liebevoll genannt wird, schließlich zur Musik und hauptsächlich zur Kirchenmusik kam und was daraus wurde, weisen viele Stationen ihres Lebens auf. Am 22. November 1940 wurde Ursula Braun in die sehr musikalische Familie Schlachter hineingeboren. Die Mutter spielte sehr gut Klavier und der Vater war fast ein professioneller Tenor im Kirchenchor Ulm, der öfters auch Soloauftritte bei anderweitigen Veranstaltungen hatte. Dann wohnte in dem fünfstöckigen Mietshaus direkt unter der Familie Schlachter eine Musiklehrerin, die Klavier, Geige und Cello unterrichtete. Schon im frühen Kindesalter faszinierte diese Musik das damals sechsjährige Mädchen.

Eines Tages kam der Wunsch auf, unbedingt Klavierstunden zu bekommen. Bereits zu dieser Zeit entwickelte die junge Ulla einen Ehrgeiz, der ihr bis zum heutigen Tag anhaftet. Nachdem ihre „Stimme“ im Gymnasium der Internatsschule St. Hildegard von den Bonlandener Schwestern entdeckt wurde, landete sie über den Schulchor mit 14 Jahren beim Kirchenchor Ulm. Noch heute schwärmt Ulla von den schönen Stunden während der Proben, die sie gerne besuchte.

Inzwischen spielte sie bereits bei ihrer Musiklehrerin deren Klaviertrios mit, und nachdem sie endlich die heißersehnte Geige und auch Geigenstunden bekommen hatte, musizierte sie im Schulorchester und im Orchester der Musiklehrerin mit. „Eine sogenannte Musikschule, wie jetzt vorhanden, gab es in den 1950er-Jahren noch nicht“ meinte sie lächelnd.

Ihr größter Wunsch, Musik zu studieren, wurde mit „Das ist eine brotlose Kunst“ leider abgetan. So ging sie nach dem Abitur 1960 nach Weingarten in das damalige „Pädagogische Institut“ und wurde Grund- und Hauptschullehrerin. Während der Ausbildung spielte auch hier die Musik eine wichtige Rolle. Zum Wahlfach wurde natürlich Musik auserwählt, das Orgelspiel erlernt und in kurzer Zeit die C-Prüfung abgelegt. Neben dem Spielen im Orchester sang sie im „Singkreis“ mit, wo sie ihren Ehemann Tilmann Braun kennen lernte und 1963 heiratete. Im benachbarten Wehingen erhielt sie 1962/63 ihre erste Anstellung.

1963 wurde das Ehepaar dann nach Oberschmeien bei Sigmaringen versetzt. Sieben Jahre leitete sie dann als junge Mutter den dortigen Kirchenchor und übte das Amt des Organisten aus, bevor beide Pädagogen vom Rektor der Freien Katholischen Schule in Spaichingen (RMS) 1970 abgeworben wurden.

So landete die inzwischen fünfköpfige Familie in Spaichingen bzw. bezog Wohnung in Denkingen. Zunächst war die junge Pädagogin Fachlehrerin für Religion und Musik an der RMS, war dann sechs Jahre lang Klassenlehrerin, bevor sie endgültig Fachlehrerin für Musik wurde. Insbesondere war Ulla Braun Leiterin verschiedenster musikalischer Arbeitsgemeinschaften wie Schulchor, Schulorchester, Gitarre, Orffsche Instrumente und Streichpsalter im Rahmen des erweiterten Bildungsangebotes. Nach kurzer Prüfung erfolgte die Anstellung als erste Organistin in der Kirchengemeinde Spaichingen. Dass das Ehepaar Braun Mitglied im Spaichinger Kirchenchor wurde, war dann selbst verständlich. Hier übernahm die Jubilarin wieder ohne Einschränkung viele Aufgaben wie Orgeldienst, Ersatzdirigentin und einiges mehr.

Nach dem Tod des verdienten Ehrenbürgers, Kirchenmusikers und Chorleiters Alfons Debler musste der Denkinger Kirchenchor nach einem Ersatz suchen. Im Mai 1985 übernahm erstmals in der 250jährigen Geschichte des katholischen Kirchenchors eine Frau in Ulla Braun die Chorleitung. Noch lange war sie und ist zum Teil auch heute noch durch viele Aufgaben an Spaichingen gebunden, sodass oft eine Doppelfunktion bestand. In den jährlichen Chorwochen mit Fortbildung in der „Wies“ in Reute holte sie Kraft und neues Wissen für die Kirchenmusik.

Das Höchste als Chorleiterin sieht Ulla Braun im Einüben von mehrstimmigen Orchestermessen zu den kirchlichen Hochfesten und fast alle fünf Jahre ein Kirchenkonzert. Doch die besondere Eigenart, die der Leib- und Seelmusikerin bis zum heutigen Tag zu Eigen ist, sie kann „nie Nein sagen“ führt sie hauptsächlich seit ihrer Pensionierung auch in dem weiten Umkreis an die Orgel als Aushilfe und Dirigentin.

Hauptsächlich seit ihrer Pensionierung hat sie ihre Flügel noch weiter ausgebreitet. Seit über 15 Jahren singt sie monatlich mit Senioren in der großen Stube im Bürgerhaus.

Nach dem Eigenbau einer Fiedel in einem speziellen Kurs, spielt Ulla Braun in einem Gambenensemble unter Leitung von Johannes Linnartz.

Seit die Kirchen während der Corona-Pandemie wieder offen sind, begleitet die Jubilarin mit ihrer schönen Stimme alle Gesänge im Gottesdienst und solo an der Orgel.

Inzwischen erhielt Ursula Braun vom Deutschen Cäcilienverband für ihre langjährigen Verdienste und aufopferndes Engagement verschiedene Ehrungen ausgesprochen. Unter anderem erhielt sie die Martinusanstecknadel. Ihr musikalisches Können wird durch eine hohe menschliche Führungskompetenz ergänzt. Die Diözese würdigte diesen großen Einsatz. Bischof Gebhard Fürst verlieh ihr am 20. Mai 2018 den Ehrentitel „Kirchenmusikdirektorin DVC“.

Ihr größter Wunsch an ihrem 80. Geburtstag ist allerdings, dass ihre Familien und hauptsächlich alle Kirchenchormitglieder gesund bleiben und dass recht bald wieder mit den Proben begonnen werden kann, die zum mehrstimmigen Singen bei den Gottesdiensten führen und weitere Auftritte getätigt werden können.

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