Sexuelle Gewalt: Klinik kann anonym Spuren sichern

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 Birgit Harder vom Verein „FhF+Auswege e.V., Chefarzt Dr. Jan Kaufhold und Oberärztin Valentina Kern (von links).
Birgit Harder vom Verein „FhF+Auswege e.V., Chefarzt Dr. Jan Kaufhold und Oberärztin Valentina Kern (von links). (Foto: Helios Klinik)
Schwäbische Zeitung

Nur ein geringer Teil der Frauen, denen sexuelle Gewalt angetan wird, erstattet Anzeige. Zu groß ist die Angst vor den Folgen. Was die wenigsten wissen: DNA-Spuren kann man auch sichern lassen, ohne Anzeige zu erstatten. Zum Beispiel in der Helios-Klinik Rottweil.

„Nur wenige Betroffene von sexueller Gewalt sind direkt nach der Tat emotional in der Lage und bereit, bei der Polizei eine Anzeige zu erstatten“, sagt Birgit Harder, die sich im Vorstand des Vereins „FhF + Auswege e.V.“ engagiert. Oft stammen die Täter aus dem direkten Umfeld des Opfers, die Dunkelziffer ist entsprechend hoch. „Die Betroffenen schämen sich, sie wollen schnell vergessen, was ihnen zugestoßen ist.“

Im Schock führt der erste Gang die missbrauchten Frauen deshalb nicht auf eine Polizeiwache, sondern meist unter die Dusche – und damit gehen alle Spuren verloren, mit denen sich die Straftat beweisen ließe. Möchten die Frauen später doch Anzeige erstatten, ist ihnen der Nachweis der Tat erschwert. Es steht dann häufig Aussage gegen Aussage, objektive Tatspuren als wertvolle Beweismittel gibt es nicht mehr.

Polizei muss ermitteln

Gehen die Frauen zur Polizei, um Spuren sichern zu lassen, besteht die Verpflichtung, Ermittlungen aufzunehmen. Denn sexuelle Nötigung und Vergewaltigung sind Offizialdelikte, die Frau hat es dann nicht mehr in der Hand, das Verfahren beispielsweise durch eine Rücknahme der Anzeige zu beenden.

„Ein Dilemma für die betroffenen Frauen – sie müssen sich sehr schnell nach der Tat, oft im Zustand starker emotionaler Belastung, entscheiden. Um das zu vermeiden und Ruhe für Überlegungen zu schaffen, engagieren wir uns für die Möglichkeit der vorsorglichen, auf Wunsch auch anonymen Spurensicherung“ berichtet Birgit Harder. Und so gibt es aufgrund der Kooperation zwischen dem Rottweiler Verein „Frauen helfen Frauen + Auswege e. V.“, der Kriminalpolizei und der Helios Klinik Rottweil seit 2012 ein Spurensicherungsset, das in der gynäkologischen Ambulanz aufbewahrt wird.

Damit besteht die Möglichkeit, Spuren sichern zu lassen und möglicherweise erst später eine Anzeige zu erstatten. „Wir Ärzte können hier in der Klinik bei Opfern sexueller Gewalt DNA-Proben sicherstellen und Verletzungen dokumentieren“ sagt Dr. Jan Kaufhold, Chefarzt der Frauenklinik in der Helios Klinik Rottweil. Das Besondere daran: diese Art der Spurensicherung ist rechtssicher, gilt also vor Gericht als Beweis.

Medizinische Untersuchung ist wichtig

Kaufhold: „Gewaltopfer sollten keine Angst haben, zu uns zu kommen, ich empfehle es sogar dringend. Denn neben der Spurensicherung ist auch eine medizinische Untersuchung wichtig, um mögliche Verletzungen zu behandeln.“ Alle in der Klinik Beschäftigten unterliegen der Schweigepflicht, Vertraulichkeit ist also zu jeder Zeit gewährleistet.

„Die Erfahrung zeigt, dass einige Opfer zu einem späteren Zeitpunkt sehr wohl bereit sind, den Täter anzuzeigen“, sagt Birgit Harder. Dann kann auf die archivierten Spuren zurückgegriffen werden.

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