Projekt Ganztagesschule liegt vorerst auf Eis

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Die Grundschule Denkingen wird vorerst nicht zur Ganztagsschule. Damit wird es auch keinen Schulhausanbau geben.
Die Grundschule Denkingen wird vorerst nicht zur Ganztagsschule. Damit wird es auch keinen Schulhausanbau geben. (Foto: Groß)
Herlinde Groß

Vorerst wird es in Denkingen keine Ganztagsschule und damit auch kein Schulhausanbau geben. Es werden auch keine weiteren finanziellen Mittel in den Haushalt für einen Anbau eingestellt, teilte Bürgermeister Rudolf Wuhrer dem Gemeinderat mit. Seitens der Elternschaft bestehe kein Interesse an der Einführung einer Ganztagsschule, so Wuhrer.

Dies werde zwar bedauert, zumal Schule und Gemeinde sehr zeit- und kostenintensiv dieses Projekt vorbereitet haben und sich auf die Umfrage vom 14. Februar 2019 verlassen hätten. Bürgermeister Wuhrer, selbst sehr enttäuscht, gab einen umfangreichen Abriss über die im Vorfeld getätigten Einsätze, Verhandlungen und Sitzungen.

Bereits am 26. September 2017 gab der Gemeinderat den Startschuss für die Ganztagesschule Denkingen. Eine Arbeitsgruppe entwarf ein Raumprogramm zur Weiterentwicklung der Schule, die mit 124 Grundschülern fast aus allen Nähten platzte. Neben der Raumplanung und den entsprechenden Genehmigungsschritten hatte sich die Schulleitung umfangreiche Gedanken über das pädagogische Betreuungskonzept für eine Ganztagsschule gemacht, das sie dem Gemeinderat vorstellte, und das von diesem so auch beschlossen wurde, auch was die Kosten anbelangte.

Der entscheidende Meilenstein auf dem Weg zur Ganztagsschule war der am 7. Februar 2019 stattgefundene Elternabend mit der anschließenden gesetzlich vorgeschriebenen Abfrage über das Interesse an der Einführung einer Ganztagsschule. Das positive Ergebnis mit 45 Zusagen war dann überraschend. 19 weitere wollten sich noch überlegen, ob sie das Angebot in Anspruch nehmen wollten.

Das war dann der klare, von den Eltern gegebene Auftrag, den Antrag auf Genehmigung einer Ganztagsschule mit Beginn des Schuljahres 2020/21 zu stellen und die notwendigen Maßnahmen anzugehen.

Die Ganztagsschule wurde genehmigt und der Förderantrag bewilligt, das für den Betrieb erforderliche Personal (eine Erzieherin und FSJ) eingestellt sowie der Mensabetrieb für den vorläufigen provisorischen Betrieb organisiert. Wegen der Corona-Pandemie mussten die Gespräche mit den Vereinen jedoch abgesagt werden.

Der Beginn der Bauarbeiten des Anbaus verzögerte sich, weil die Ausschreibung aufgehoben werden musste. Im Herbst 2020 sollte erneut ausgeschrieben werden und ab dem Frühjahr 2021 mit dem Bau begonnen werden.

Bevor der Ganztagesbetrieb jedoch starten konnte, waren für eine Gruppe 25 verbindliche Anmeldungen notwendig. Tatsächlich haben sich, auch nach telefonischen Nachfragen, nur 20 und im Nachgang 22 Kinder angemeldet. Damit war klar, dass ein Ganztagesbetrieb zum Schuljahresbeginn nicht aufgenommen werden kann. Über die Gründe des Sinneswandels der Eltern könne nur spekuliert werden, so Wuhrer.

Am 30. Juni wurde dem Gemeinderat ein kommunales Betreuungskonzept für die 22 angemeldeten Schüler vorgestellt, da sich die Schulleitung in der Pflicht sah, diesen 22 Kindern ein Betreuungsangebot anzubieten. Die Verwaltung hat weiterhin die Fortführung der „Verlässlichen Grundschule“ organisiert.

Die Eltern wurden sowohl vom Angebot der „Verlässlichen Grundschule“ als auch von dem kommunalen Ganztagsangebot informiert. Die Ernüchterung war groß, von den vormals 22 Anmeldungen blieben gerade noch fünf Anmeldungen übrig.

Der Bürgermeister hat daraufhin über ein persönliches Anschreiben, im Mitteilungsblatt, auf der Homepage sowie der App „Kinderburg“ alle Eltern zu einer Versammlung am 27. Juli eingeladen. Doch zusammen mit drei Gemeinderäten besuchten nur 20 Eltern die Veranstaltung, bei der Schulleiterin Christina Hermann für Fragen zur Verfügung stand. Der Bürgermeister machte in dieser Versammlung sehr deutlich, was es heißt, wenn das Projekt Ganztagsschule gestorben ist. Insgesamt blieb es bei wenigen Nachfragen und einer gewissen Sprachlosigkeit. Gründe für den Sinneswandel konnten auch an diesem Abend nicht ergründet werden.

In der Sitzung am 15. September teilte Gemeinderat Anton Schnee dann mit, dass nach Rückfrage bei den Eltern diese bei der verbindlichen Anmeldung von ganz anderen Voraussetzungen ausgingen und sie über die Zeiten nie richtig informiert worden seien, alles sei etwas zu „schwammig“ dargestellt worden.

Man könnte nunmehr 2021 eine erneute verbindliche Abfrage/Anmeldung für das Schuljahr 2021/22 durchführen. Wenn hier die notwendige Zahl 25 zustande kommt, könnte die Baumaßnahme erneut ausgeschrieben werden, räumte Bürgermeister Wuhrer ein.

Für die Umsetzung der Ganztagsschule zum Schuljahr 2021/22 wäre ein erneuter vereinfachter Antrag zu stellen. Dabei sei davon auszugehen, dass dieser bewilligt wird.

Die bereits baurechtlich genehmigte Nottreppe im bisherigen Schulgebäude wird nun 2021 eingebaut. Des weiteren wird sich der Gemeinderat im Laufe des Jahres 2021 zusammen mit der Schule Gedanken über eine Lösung zur Beseitigung des durch den Bau der Nottreppe entstehenden Raumbedarfs machen, wobei eventuell auch an Container gedacht werden könnte. Ausdrücklich bedankte sich das Gremium bei der Schulleitung Christina Hermann, der Verwaltung, Schulamt und allen die sich für das Projekt Ganztagsschule engagiert haben.

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