Mutmaßlicher Brandstifter war bis vor kurzem selbst Feuerwehrmann

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Schwäbische Zeitung
Chefreporter Ulm und Alb-Donau

Der 21-jährige Mann, der am Sonntag in einem Wohnhaus in Dürbheim im Landkreis Tuttlingen Feuer gelegt haben soll und deswegen seit Dienstag wegen des Verdachts auf neunfachen versuchten Mord durch Brandstiftung in Untersuchungshaft sitzt, hat bis vor vier Wochen der Freiwilligen Feuerwehr Dürbheim angehört.

Im Juni war er an Löscharbeiten bei einem Brand beteiligt, den er möglicherweise selbst gelegt hatte. Dabei wurde er verletzt. Mittlerweile ist er aus der Feuerwehr ausgetreten und kam damit einem Ausschluss zuvor.

Polizei und Staatsanwaltschaft prüfen außerdem, ob der Mann für insgesamt 19 weitere, bisher ungeklärte Brände in Spaichingen und Dürbheim seit 2008 verantwortlich sein könnte. Damit wird wegen insgesamt 21 Delikten gegen ihn ermittelt.

Denn: Der Inhaftierte stand bereits 2009 in drei Fällen von Brandstiftung und Sachbeschädigung durch Brandstiftung unter Verdacht. Die Verfahren wurden aus Mangel an Beweisen eingestellt und werden nun eventuell wieder aufgerollt.

16 weitere Verfahren stehen an: „In Spaichingen sind zehn Fälle ungeklärt, in Dürbheim haben wir sechs Brände, die vorsätzlich an Müllcontainern oder Schuppen gelegt wurden“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Schoch.

Die massivsten Vorwürfe aber ergeben sich aus zwei Fällen, in denen es um versuchten Mord geht: Wie berichtet, soll der Beschuldigte im Juni dieses Jahres und am vergangenen Sonntag Häuser in Dürbheim angezündet haben, in denen jeweils die gleiche Familie – drei Erwachsene und sechs Kinder – lebte.

Im Juni brannte das Haus aus, fünf Personen wurden verletzt. Beim Feuerwehreinsatz zeichnete sich der jetzt Inhaftierte durch besonderen Eifer aus: Beim Löscheinsatz im Gebäude wurde er durch einen herabstürzenden Balken am Kopf getroffen und leicht verletzt. Er musste kurzzeitig im Krankenhaus behandelt werden.

Schon damals geriet der 21-Jährige ins Visier der Polizei, denn die Brandopfer gaben eine auf ihn passende Beschreibung ab. Doch im Sommer ließ sich der Tatvorwurf nicht erhärten.

Der Dürbheimer Bürgermeister Alfred Pradel bestätigte am Donnerstag auf Nachfrage, dass der Verdächtige mehrere Jahre zunächst als Mitglied der Jugendfeuerwehr und dann bei der Feuerwehr Dürbheim aktiv war: „Er ist im vergangenen Monat aus eigenen Stücken ausgetreten“, sagte Pradel. Zu den Gründen könne er sich nicht äußern.

Aus Sicht der Feuerwehr stellt sich der Sachverhalt anders dar: Mit dem Austritt ist der jetzt Inhaftierte seinem Rauswurf zuvorgekommen. Denn nach Informationen unserer Zeitung hatten der 21-Jährige und ein weiterer Feuerwehrmann beim Dorffest in Dürbheim Anfang September Bier aus dem Stand der Feuerwehr gestohlen. Dabei wurden sie erwischt.

Kreisbrandmeister Martin Hagen bestätigt: „Es gab danach ein Ausschlussverfahren gegen zwei Mitglieder der Dürbheimer Feuerwehr, in dem die Männer angehört wurden.“ Ihnen sei angeboten worden, freiwillig auszutreten. Hagen: „Und das haben sie dann auch getan.“

Beim jüngsten Vorfall hatten, wie berichtet, zwei Bewohner am Sonntagmorgen einen Mann dabei erwischt, der sich am Haus zu schaffen machte. Sie entdeckten einen Brand an einem Holzschuppen hinter dem Gebäude. Der Mann konnte unerkannt fliehen, die Bewohner aber lieferten eine Personenbeschreibung ab.

Dadurch ertappte die Polizei den Verdächtigen noch in der Nacht, als er wenige Minuten nach dem Anschlag Spuren vernichten wollte: „Er säuberte seine Kleidung, als die Polizei ihn aufsuchte“, erläutert Frank Grundke, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Rottweil. Am Dienstag wurde Haftbefehl erlassen.

Der Beschuldigte will sich bisher zu den Tatvorwürfen nicht äußern.

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