„Mut auf einen guten Ausgang“

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Geschlossen: Die Denkinger Grundschule.
Geschlossen: Die Denkinger Grundschule. (Foto: Groß)
Herlinde Groß

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier - und wenn man etwas nicht mehr darf oder hat, schätzt man alles wieder mehr, wie die Denkinger dieser Tage erfahren. Der Coronavirus hat das öffentliche Leben in der Gemeinde stillgelegt.

In den vergangenen Tagen waren in Denkingen noch viele Menschen auf täglichen Runden in der Natur spazieren, teilweise in Gruppen, seit der Corona-Verordnung vom Samstag, dass Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen mit mehr als drei Personen nicht mehr erlaubt sind, oft allein oder mit Hund. War bei dem schönen Frühlingswetter am vergangenen Sonntag der Ort fast wie ausgestorben, konnte man bei den Wanderparkplätzen keinen freien Platz mehr entdecken. Zum Beispiel war auf dem Parkplatz auf dem Klippeneck kein freier Quadratmeter vorhanden.

Viele waren in den vergangenen Tagen auch mit dem Rad unterwegs, beispielsweise Markus und Natascha. „Solange man uns die Natur nicht wegnimmt, haben wir keinerlei Probleme“, sagen sie über die Verordnungen. Sie hätten auch in der Vergangenheit sehr zurückgezogen gelebt und jede Minute in der Natur beim Wandern oder Radfahren verbracht. „So schauen wir auch zuversichtlich in die Zukunft“, sagt das Paar.

Bei Ludwig Ruf ist oberstes Gebot, wenig Kontakt zu Mitmenschen zu haben, obwohl er selbstständiger Immobilienmakler ist. Für ihn sind Handy und Telefon sehr wichtig. Auch wirtschaftliche Einbußen müssten in Kauf genommen werden, findet er. Die Zeit sei bestimmt sehr ernst und jeden Tag kämen Änderungen in den Verordnungen, aber man dürfe auch nichts übertreiben. Jeder müsse sich schützen und auch Solidarität gegenüber den Mitmenschen walten lassen. Von Hamsterkäufen halte er allerdings nichts. Im Gegenteil, durch solche Einkäufe komme mancher sogar in unbeabsichtigte Not, wenn er tagelang einen bestimmten Artikel nicht kaufen könne.

Die angeordneten Maßnahmen akzeptieren und befolgen, auf Hygiene und Händewaschen achten und so wenig Kontakt wie möglich zu anderen Menschen haben: Das helfe bestimmt, die schlimme Zeit einigermaßen zu überbrücken, lautet die Meinung von Josef Steidle. Hamsterkäufe, sagt er, sollte man unterlassen: „ Das bringt nichts.“

Auch Amtsbotin Theresia Frank ging in der vergangenen Woche nach wie vor ihrem Job nach. Mit dem Fahrrad trug sie die Gemeinde-post aus. „Hier habe ich keinen Kontakt zu Menschen, nur mit dem Briefkasten“, lacht sie.

Auch im PhysioAktiv-Zentrum herrscht gähnende Leere. Fitness, Sportbetrieb und Kurse sind vorerst gestrichen. „Noch darf jeder mit ärztlicher Verordnung zu uns kommen. Doch sagen viele Patienten zurzeit die Termine ab“, sagte Inhaberin Melanie Steppacher vergangene Woche. Bald müsse sie Stundenkürzungen bei ihren Angestellten vornehmen. Sie hofft darauf, dass die Regierung auch die kleinen Betriebe unterstütze. Als „positiv denkender Mensch“ hoffe sie, dass trotz zum Teil großer finanzieller Einbuße die Corona-Krise bald vorbei gehe.

Mit anderen Schwierigkeiten hat der Holz- und Baufachmarkt Fischinger zu tun. In den vergangenen beiden Wochen kamen noch viele Kunden. „Doch können wir das Material nicht mehr so schnell besorgen oder zum Teil gar nicht mehr, denn viele Lieferanten haben ebenfalls geschlossen“, so das Unternehmen.

Therese Klavji steht der Situation mit ganz anderen Augen gegenüber. Sie pflegt ihre Schwiegermutter und versorgt ihren Garten. Von 1975 bis 1990 erlebte sie den Krieg in ihrer Heimat Libanon. „Wenn man 15 Jahre Krieg mit Hunger und sonstigen Entbehrungen sowie mit ständiger Angst überlebt hat, kann man nur Mut auf einen guten Ausgang haben“, sagte sie.

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