Landmarkt Dürbheim braucht einen Jahresendspurt

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 Die ungewisse Zukunft des Landmarkts beschäftigt nach wie vor viele Dürbheimer. Zu wenige Einheimische kaufen dort ein.
Die ungewisse Zukunft des Landmarkts beschäftigt nach wie vor viele Dürbheimer. Zu wenige Einheimische kaufen dort ein. (Foto: Archiv: Michael Hochheuser)
Redaktionsleiterin

39 ehrenamtliche Helfer, jede Menge Einsparungen, neue Ideen, Warenrevisionen, Sondierungen – und trotzdem kämpft der Dürbheimer Landmarkt weiter ums Überleben. Rund 70 Genossen waren am Dienstagabend in die „Rose“ zur Mitgliederversammlung für 2017 gekommen. Norbert Meder fasste zum Schluss griffig zusammen: Wenn nur 50 Dürbheimer mehr als jetzt jeweils für 100 Euro im Monat einkaufen würden, käme der Landmarkt in die Gewinnzone.

Zwei Punkte waren in der Versammlung spürbar: Der Vorstand, Aufsichtsrat und die Ehrenamtlichen sind durch die Erfahrung der Insolvenz ziemlich geprägt. Vorstandsvorsitzender Winfried Kapp fasste die Zeit trocken als „nicht vergnügungssteuerpflichtig“ zusammen. Und zweitens: So knapp vor einer soliden Basis des Marktes zu stehen und trotz enormen Engagements und Idealismus’ wegen einer vergleichsweise geringen Summe doch zu scheitern zu drohen, weil die Dürbheimer selbst ihren eigenen Markt nicht genügend frequentieren, hat für eine gewisse Ernüchterung gesorgt.

Und zu klaren Ansagen: „Mit mir und meinen drei Mitstreitern wird es keine zweite Insolvenz geben“, so Kapp. „Entweder es funktioniert, oder es funktioniert nicht, und dann haben die Dürbheimer keinen Laden mehr.“ Eine Nachschusspflicht wird aus der Satzung gestrichen, das eingelegte Genossenschaftskapital könnte im Falle eines Scheiterns aber auch nicht vollständig ausbezahlt werden.

Andrea Mattes stellte die Zahlen für die beiden Phasen in 2016/17 vor; die in der Insolvenz und die für die Zeit danach. Durch das Insolvenzverfahren wurden von 208 000 Euro 20 Prozent, also 42668 Euro, an die Gläubiger bezahlt. Danach war der Landmarkt schuldenfrei. Um „flüssig“ zu bleiben, legte die Gemeinde 10 000 Euro an. Von 2017 übertrug der Landmarkt 5000 Euro Minus auf 2018. Die Genossen billigten die Zahlen und entlasteten Vorstand und Aufsichtsrat. Aufsichtsratsvorsitzender Lothar Dreher hatte von zahlreichen Informationen, der regelmäßigen Beobachtung und Kontrolle der Finanzen, Gesprächen, Vorstandssitzungen, Weichenstellungen im Zusatzgeschäft berichtet.

Vor allem Personalkosten werden eingespart durch ehrenamtliche Helfer, entweder im Markt selber im Verkauf und bei der Regalpflege. Außerdem gibt es Getränkelieferservice, Geschenkkorbservice und die verschiedenen Aktionen wie der Ferienhock. Für Buchhaltung und Steuern gibt es gleich mehrere Fachleute, die Nudelhausprodukte, die Fische von der Reichenau, die Beuroner Produkte werden von Ehrenamtlichen geholt und geliefert. Im Vorstand arbeiten mit Kapp seit 12. Juli 2017 wieder drei aktive Mitstreiter: Anton Keller, Norbert Meder und Christian Märtens. Und neun Ehrenamtliche engagieren sich im Aufsichtsrat. Hier gab es turnusmäßige Wahlen: Der Vorsitzende Lothar Dreher, Margit Mauderer und Bertram Mattes wurden für drei Jahre wieder gewählt. Für den ausscheidenden Alfons Zepf wurde Lena Keller für zwei Jahre gewählt.

Die neueren Zahlen jedoch sind alles andere als befriedigend, wie Alfons Keller erläuterte: Momentan liege der Umsatz niedriger als im Vorjahr. Das Umsatzziel von 540 000 oder noch besser 570 000 Euro, um mehr flüssige Mittel zur Verfügung zu haben, erfülle sich nicht. Im Gegenteil: Der Umsatz ist geringer als im Vorjahr und hochgerechnet aufs ganze Jahr rechnet der Vorstand mit 494 000 Euro Umsatz. „Aber ein Umsatz von 500 000 Euro ist das absolute Minimum.“

Die Dürbheimer müssten in ihrem Markt einkaufen und der Markt müsse für sich selber stehen, so Bürgermeister Andreas Häse. Norbert Meder stellte zahlreiche Maßnahmen vor wie die „Renner-Penner-Liste“, also die Erhebung der Waren, die gut laufen, und jenen, die vor allem in den Regalen liegen oder dem Newsletter über günstige Angebote. Rat habe man sich bei Fachleuten gesucht, die Metzgereiprodukte sollen künftig von Okle kommen, der auch regionale Produkte anbiete, Veranstaltungen sollten mehr Leute für den Landmarkt gewinnen, neue Lieferanten beim Obst brächten Vorteile, aber: Noch mehr einsparen gehe nicht.

„Es ist unser aller Laden“, sagte Dreher und dankte unter großem Beifall vor allem Winfried Kapp für seinen Einsatz und dafür, dass er sich trotz gegenteiliger Absichten noch einmal für zwei Jahre in die vorderste Verantwortung stellt.

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