Kunst zum Sehen und Schmunzeln

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 Familienfoto mit dem Künstler Tilmann Waldvogel (zweiter von links) und dem Laudator Rolf Waldvogel (links).
Familienfoto mit dem Künstler Tilmann Waldvogel (zweiter von links) und dem Laudator Rolf Waldvogel (links). (Foto: Siegrid Bruch)
Siegrid Bruch

„Es gibt viel zu sehen und zu schmunzeln“, meinte Heide Streitberger, die am Samstagnachmittag in der Galerie im Altbau die zahlreichen Gäste der Vernissage von Tilmann Waldvogel begrüßte. „Quermut“ heißt die neue Ausstellung des Illustrators, der unter anderem auch Wurzeln in Aldingen hat: Seine Großeltern wohnen hier.

Der Vater des Künstlers, Rolf Waldvogel, ehemaliger Kulturchef der Schwäbischen Zeitung und bekannt durch seine Sprachplaudereien, hatte die Rolle des Laudators übernommen. Wenn er als Vater hier „in die Bütt gehe“, dann sei das eine Notlösung, betonte er, weil berufene Leute verhindert waren. Er wolle hier keine Lobeshymne singen, allenfalls ein paar Hinweise geben auf das, was sein Sohn so treibt, Erklärungen zu den Arbeiten geben. Natürlich auch erzählen, wie es dazu kam. Waldvogel hält aus Spaß das Bild „Tante Frieda“ vor, Tilmanns erste „Auftragsarbeit“ für seine Lehrerin in der ersten Klasse. „Tilmann hat immer gezeichnet und gemalt. Auf jeden Fall war immer etwas los auf seinen Bildern – und wenn Sie sich umschauen: Er ist sich treu geblieben“, konstatiert Rolf Waldvogel.

Künstlerische Fantasie hat sich Tilmann früh verschrieben, und deswegen wollte er auch in Richtung Kunst gehen. Nach Abitur und Zivildienst machte er zunächst eine Schreinerlehre, danach ein PH-Studium. Heute arbeitet er als freier Illustrator und Kunsterzieher in Freiburg, unter anderem in dem von ihm mitgegründeten Designstudio Flimmern. Der Ausstellungstitel „Quermut“ habe nichts mit Schwermut zu tun, betont Rolf Waldvogel, sondern beziehe sich auf einen Querschnitt durch Tilmanns Arbeit, bei der es querbeet durch die verschiedenen Themen und Techniken gehe, ob Malerei, Zeichnung oder Druck. Und ein gewisser Mut gehöre dazu, sich nicht nur auf einer Schiene zu bewegen.

Einige der ausgestellten Arbeiten sind in herkömmlichen Techniken der Zeichnung und der Malerei gehalten: sehr detailverliebt, nicht abstrahierend, akribisch genau. In Freiburg, wo Tilman Waldvogel lebt, fallen grüne Themen automatisch an: Insekten oder Gartenhäuschen aus der Schrebergartenkolonie. Viele seiner Arbeiten erzählen eine Geschichte: Sie sind aus Spaß an skurrilen, grotesken Bildideen entstanden, am Lustgewinn beim Vermenschlichen von Tieren. Dafür steht ein Großformat wie „Last Supper“, ein vor Fantasie überschäumendes „Abendmahl der Tiere“. Viele Arbeiten sind auch stark von der Sprayer-Szene beeinflusst, von Graffiti-Kunst, American Underground, von absurden Wortspielereien.

Illustration ist laut dem Vater ein breitgefächertes Geschäft, immer in Balance zwischen Auftrag und eigenem Anspruch. In letzter Zeit hat der 37-Jährige großflächige Illustrationen gemacht – unter anderem für Hoteltapeten und Restaurantwände. Und er hat viel für Verlage gearbeitet, vor allem Buch-Covers entworfen. Darunter sind auch die Illustrationen für das Buch „Des Pudels Kern“ mit den Sprachplaudereien seines Vaters. Wobei er bei der Technik – wie der Vater erklärte – oft auf Mixed-Media setzt, also herkömmliche Zeichnung mit digitaler Technik kombiniert, vor allem bei der Farbgebung.

Nach der Vernissage konnten sich die Besucher im Café Waltraud noch mit dem Künstler und den Gästen austauschen. Die Ausstellung „Quermut“ in der Galerie im Altbau ist bis 20. April, donnerstags bis sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr, geöffnet.

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