Kunst zum Schauen, Denken und Entdecken

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 Besucher beim Betrachten der ausgestellten Bilder in der Ausstellung von Georg Nowoisky. Ob die drei erkennen, was der Künstler
Besucher beim Betrachten der ausgestellten Bilder in der Ausstellung von Georg Nowoisky. Ob die drei erkennen, was der Künstler mit der Darstellung sagen will? (Foto: Alois Groß)
Herlinde Groß

Einen Querschnitt aus ihrer Kunstsammlung zeigt Familie Nowoisky, Trossingen, derzeit im Denkinger Rathaus. Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Rathauses noch bis zum 31. Dezember zu sehen.

Bei der Vernissage am 2. November konnte Bürgermeister Rudolf Wuhrer eine große Anzahl Kunstinteressierter, Freunde des Sammlerehepaars und auch einige Fans aus der Denkinger Bürgerschaft begrüßen. Mikolaj Pochiecha von der Musikschule Trossingen übernahm die musikalische Umrahmung und eröffnete die Feier mit den Stücken „Sueno“ und „Adelito“ auf der Gitarre.

Claudia Jansen, Kunsthistorikerin aus Paris führte die Besucher auf eine Weltreise durch die Kunstgeschichte zwischen 1892 und 2017 und dies auf Museumsniveau. Eingangs skizzierte die Kunsthistorikerin, wie sie durch die gemeinsame Leidenschaft für Kunst aus der DDR Familie Nowoisky kennen lernte. Es lag ihr Herzen zu erläutern, wie eine solche Sammlung entstehen kann durch Menschen wie „Du und ich“, das heißt nicht über die Rockefellers mit immens viel Geld.

Bereits 1973 begann für das Ehepaar Nowoisky eine rege Sammelleidenschaft von Werken der DDR-Künstler. „Wenn einen einmal eine Leidenschaft gepackt hat, lässt sie nicht mehr so schnell los, und das Ehepaar erwarb über Jahrzehnte zahlreiche Arbeiten der unterschiedlichsten Künstler und Stilrichtungen“, sagte Jansen. Doch was anfangen mit solch einem Schatz? Kunst will gesehen werden, das wissen auch die Nowoiskys und so wurden immer wieder Ausstellungen präsentiert – auch im Denkinger Rathaus.

Die heutige internationale Ausstellung zeigt Werke aus Spanien, Frankreich, Italien, Brasilien, Südkorea, den USA, Österreich, der Schweiz, der DDR und BRD und – ganz wichtig – aus der Region mit Wendelin Matt, Trossingen, Jürgen Knubben oder Josef Bücheler, Rottweil.

„Kunst, die man erklären muss, ist langweilig“

Otmar Alt, hier mit einer Arbeit vertreten, werde oft zitiert mit dem Satz: „Kunst, die man erklären muss, ist langweilig.“ – „Wörtlich genommen, wäre mein Job Sie in die Ausstellung einzuführen, an dieser Stelle bereits erledigt. Doch, was Alt meint, ist: Es ist wichtig, sich auf ein Bild einzulassen, sich Zeit zu nehmen, es zu betrachten, zu entdecken“, so Claudia Jansen. Dann gab sie ein paar Hinweise, die auf dieser Entdeckungsreise für die Besucher nützlich waren.

Anlässlich des Allerheiligentags sprach sie vier Werke zum Thema Religion besonders an. Der in Brasilien geborene und in der DDR tätige Theo Balden hat als Gedenken an die Verstorbenen seine 1986 entstandene Arbeit mit „Requiem“ betitelt. In expressiver Malweise, umzäunt von nur leicht angedeutetem Stacheldraht, sieht man eine nackte Frau an den Füßen aufgehängt, das Auge Gottes über ihr, blutunterlaufen, aus dem vielleicht eine Träne tropft. Vielleicht ist hier den Frauen gedacht, die doch unter Kriegen ganz anders leiden als Männern.

Gegenüber befindet sich die 1971 vom Spanier Jorge Castillo erschaffene Grafik „Purgatoire“, zu Deutsch „Fegefeuer“. Vom Stil her ist sie dem Surrealismus zuzurechnen. Leitgedanke des Surrealismus ist es unter anderem, den Gegensatz von Traum und Wirklichkeit aufzulösen. Unterbewusstsein und Psyche sollen das Denken bestimmen und eine neue Realität erschaffen.

Der Ostdeutsche Bildhauer Jo Jastram zeigt in plastisch-figurativem Stil seine Variante der biblischen Figur Hiob. Der Dominikaner-Pater Kim En Joong behandelt in seinem abstrakt gehaltenen Werk ebenfalls das Thema Religion. Wie er selbst bezeugt, will er damit den Dingen auf den Grund gehen und das Unsichtbare sichtbar machen. Er lässt jede Aussage offen, dem Betrachter allen möglichen Spielraum und nur durch seine eigenen Bekundungen wissen wir, dass es um die Suche nach Gott geht.

„So, und all die anderen Kunstwerke, die lasse ich Sie nun selbst entdecken“, schloss Claudia Jansen ihre Einführung.

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