Hengstler-Urenkel wandelt auf Spuren der Vergangenheit

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Diese alte Werkstatt-Türe könnte viele Geschichten aus der Geschichte der Firma Hengstler erzählen. Museumsleiter Roland Heinisc
Diese alte Werkstatt-Türe könnte viele Geschichten aus der Geschichte der Firma Hengstler erzählen. Museumsleiter Roland Heinisc (Foto: Bianka Roith)
Schwäbische Zeitung
Bianka Roith

Von Australien nach Aldingen und zurück in die Vergangenheit: Dieses Abenteuer unternahm kürzlich Jörg Vollmer, der Urenkel von Johannes Hengstler, dem Jüngeren. Zusammen mit seinen Großeltern besichtigte er deren Elternhaus, das heutige Museum in Aldingen.

Manchmal gibt es witzige Zufälle: Ganz unverhofft begegnet man Menschen, mit denen man niemals gerechnet hätte. Beim Gang durch das Gebäude mit Museumsleiter Roland Heinisch steht man urplötzlich den früheren Bewohnern des Hauses gegenüber. Helmut Müller, seine Schwester Elisabeth Vollmer, geborene Müller, Helmut Müllers Frau Irmgard Müller, sein jüngerer Bruder Joachim Müller und Erich Vosseler, der beim Aufbau des Museums mitgewirkt hat, besuchten das alte Wohnhaus der Familie Hengstler, um es Jörg Vollmer zu zeigen.

Bekanntlich war das Gebäude in Besitz des Familienbetriebs Hengstler. Die Nachfahren des Firmengründers, Familie Müller, schenkten das Gebäude und den Garten der Gemeinde Aldingen. Seit 2007 gehört auch die alte Fabrik-Hengstler zum Museumsareal. Nun wollten sie ihr altes Heim Jörg Vollmer präsentieren. „Ich bin extra aus Australien angereist, um das Museum zu sehen“, erklärte Jörg Vollmer. Von dem, was im ehemaligen Wohnhaus Hengstler und Müller geschaffen wurde, zeigte er sich bei seinem Ausflug in die Vergangenheit schwer beeindruckt. Denn in dem Gebäude gelangt der Besucher auch in die Werkstatt des Firmengründers und Tonfedernmachers Johannes Hengstler und kann eine Sammlung von Hengstler-Zählern bestaunen.

Das Gründungsjahr der Firma J. Hengstler in Aldingen ist das Jahr 1846. Der Sohn des Schusters, Johannes Hengstler (der Ältere, 1818-1893) lernte in Aldingen das Schlosserhandwerk und ging dann zunächst auf die Wanderschaft. Unterwegs lernte er das „Federnmachen“ von einem Schramberger Uhrmacher. Schlosserwerkstatt gebaut

Doch es waren keine Uhrenfedern als Antriebselement, sondern Tonfedern, genannt Gong, die den Ton in Wand- und Standuhren erzeugen. Mit 28 Jahren kam Johannes Hengstler zurück. Sein Vater baute ihm 1845 hinter seinem Haus in der Hauptstraße 59 eine Schlosserwerkstatt. Im Jahr 1846 begann die Geschichte eines Betriebs, der längst auf dem Weltmarkt agiert. Johannes Hengstler (der Ältere) meldete die Fabrikation von Uhrenfendern an und gründete damit den ersten Aldinger Industriebetrieb.

Im Museum ist auch die alte Werkstatt-Tür aufgestellt, auf der die Abdrücke von Brennstempeln noch heute zu entziffern sind. Der älteste Stempel stammt aus dem Gründungsjahr 1846.

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