Genau zum 250-jährigen Jubiläum dieses Fronleichnamsalatrs fällt das Fest aus

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250 Jahre ist dieser prächtige Altar alt.
250 Jahre ist dieser prächtige Altar alt. (Foto: Cäcilia Fiedler)

Wenn diese Woche an Fronleichnam, einem Hochfest der Katholiken, die Prozessionen Corona-bedingt ausfallen, ist in Frittlingen Jürgen Betting besonders traurig. Er schmückt mit seiner Familie seit vielen Jahren einen Fronleichnamsaltar und dieser wird dieses Jahr 250 Jahre alt. Messen werden mancherorts, so in Spaichingen, unter Coronaregeln trotzdem gehalten. Wenn keine Prozessionen stattfinden könne, wird es auch keine Blumenteppiche geben. Seit dem Krieg ein noch nie dagewesener Umstand.

Bitter auch für Jürgen Betting: Das Jubiläum kann nicht gefeiert werden. Von den vier ehemaligen Fronleichnamsaltären in Frittlingen werden noch zwei jedes Jahr aufgebaut. Von den anderen beiden schmückt einer inzwischen die Friedhofskapelle und der vierte wurde von der Besitzerfamilie verkauft. Als Ersatz dafür werden jetzt zwei Stationen immer vor Feldkreuzen aufgebaut.

Der Altar von Jürgen Betting ist wohl der älteste. Er stammt aus dem Jahr 1770. Die bemalte Altartafel zeigt das Abendmahl und ist von einem Maler Johann Hauser signiert. Als Stifter werden eine Franziska Mayer und ein Johannes Kromer genannt. Nachforschungen in der umfangreichen Ahnenforschungsdatei des Geschichts- und Heimatvereins bringen interessante Details über diese beiden Personen zu Tage.

Mit Franziska Mayer findet man ein typisches Schicksal einer Frau aus dieser Zeit. 1726 in Frittlingen geboren, heiratet sie mit 20 Jahren und wird mit 38 Jahren Witwe. In dieser 18-jährigen Ehe hat sie neun Kinder geboren, von denen nur drei groß wurden.

Sie heiratet 1765 den neun Jahre jüngeren Johannes Kromer und bekommt nochmal vier Kinder, von denen drei überleben. Bei der letzten Geburt ist sie bereits 48 Jahre alt und mit 53 Jahren stirbt sie 1779. Auch Johannes Kromer heiratet im folgenden Jahr erneut. Er stirbt 1815 mit 80 Jahren an Auszehrung.

In den Hungerjahren 1816-1817, die durch den Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien bedingt waren, sterben auch die beiden Söhne von Franziska aus erster Ehe an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Interessant ist auch die sehr zahlreiche Nachkommenschaft dieser beiden, die heute noch in Frittlingen lebt.

Sämtliche alten Frittlinger Familiennamen von Allgaier bis Zepf sind darunter vertreten. Der Altar wurde wohl innerhalb der Familie immer weitergegeben, bis das kinderlose Ehepaar Josef Zepf und Franziska Geiger ihr Haus mit Inventar an Thea Betting, Jürgens Mutter, die sie an Kindes statt angenommen hatten, vererbten.

Der Altar stand aber nicht immer in der Hauptstraße, denn ein Foto von 1925 zeigt ihn vor einem Haus in der Lehrstraße. Auch die anderen Altäre wechselten immer wieder den Standort.

Anders als heute wurden im 18. Jahrhundert die Prozessionsteilnehmer mit Funktionen wie Musikanten, Sänger, Kreuz- und Fahnenträger, Himmelträger, Schützen und Laternenträger von der Kirche entlohnt, wie Rechnungen von 1707 oder 1787 beweisen.

In einer Prozessionsordnung von 1859 heißt es „Der Himmel wird von vier Gemeinderäten getragen, Schultheiß und Stiftungspfleger tragen die Schleppe und Kerzen.“ Die kirchliche und bürgerliche Gemeinde waren also noch eng verbunden.

An der Prozessionsordnung hat sich über die Jahrhunderte hinweg wenig geändert. Die Frauen bilden immer noch den Schluss.

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