Eine staubige Angelegenheit

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 Im närrischen Einsatz: die Aixheimer Abstauber.
Im närrischen Einsatz: die Aixheimer Abstauber. (Foto: Moni Marcel)
Moni Marcel

Mit dem Abstauben der Narrenkleider am Dreikönigstag beginnt auch in Aixheim traditionell die fünfte Jahreszeit. Dann ist auf den Straßen ganz schön was los, denn neben den schwarzbefrackten, zylindertragenden Abstaubern sind auch die Sternsinger unterwegs und ziehen von Haus zu Haus. In die Quere kommt man sich dabei aber nicht, im Gegenteil: Die Leute freuen sich über beiderlei Besuch.

Die 14 Herren in frisch gebügelten Zunfthemden mit schwarzer Fliege und weißen Handschuhen treffen sich vor dem Rathaus, um noch eine letzte Lagebesprechung vorzunehmen und sich zum Gruppenfoto vor die große Tanne gegenüber zu stellen. Dann wird der Abstauberspruch 2020 aufgesagt, teils noch abgelesen vom im Zylinder versteckten Spickzettel. Im Lauf des Tages wird der Blick in den Hut überflüssig, denn irgendwann haben ihn alle drauf. Ein „dreifach kräftiges Hans Woust!“ zum Schluss, danach ziehen sie los, in Zweiergruppen, um die insgesamt etwa 150 Häuser und Wohnungen zu besuchen.

Zunächst die, in denen Familien mit Kindern wohnen, damit die auch was vom Besuch haben und nicht schon ins Bett müssen, wenn die Abstauber kommen. Und ja, vielleicht ist es auch besser, früh aufzutauchen, weil die Herren dann noch nüchtern sind. Denn das Abstauben ist halt eine staubige Angelegenheit, und das macht durstig.

So geht es auch bei Zunftmeister Michael Bader, der sich am Dreikönigstag im Team mit Andi Grathwohl auf die Socken gemacht hat. Bei Familie Efinger sind die Narrenkleider schon anprobiert und aufgebügelt worden, die Masken liegen im Wohnzimmer parat, alles wartet auf die Herren im Frack. Der Christbaum wurde entsorgt, dafür steht nun die Zunftfahne im Eck des Wohnzimmers, ein kleines Christbäumle wurde mit roten, grünen, gelben und blauen Krepppapierstreifen ins Narrenbäumle verwandelt. Dann kommen sie endlich, mit ihren gefiederten Staubwedeln, und es kann losgehen.

Das Sprüchle wird aufgesagt, ein dreifaches gemeinsames „Hans Woust“ ertönt, jetzt geht´s zur Sache. Die Kinder Nele und Luis dürfen mithelfen, selbst den Wedel in die Hand nehmen, um die Staubkörner wegzuwischen – viele sind es nicht, da hat Mama Daniela schon vorgesorgt. Doch Andi Grathwohl findet noch was zu beanstanden: Eines der Schleifchen im Haar sollte noch mal nachgebügelt werden, da ist doch tatsächlich ein Knick drin! Endlich ist wirklich alles sauber, die Fasnet kann kommen.

Auf die sich Nele und Luis riesig freuen, Nele am meisten auf die Süßigkeiten. „Am liebsten isst die ihren Narrenkorb selber leer!“, erzählt ihre Mama. Nele ist auch in der Junggarde, die Mama trainiert eine der Gruppen, die ganze Familie ist im Narrenfieber. Die Junggarde gibt es seit fünf Jahren, erzählt Zunftmeister Michael Bader beim ersten Glas Sekt, und schon sind über 30 Kinder dabei – ein Erfolg für so einen kleinen Ort. Und die Garde tanzt nicht nur in Aixheim, sie ist viel unterwegs, nächstens beim Ringtreffen in Nendingen werden sie vor hunderten von Zuschauern ihr Können zeigen.

Das Größte an der Aixheimer Fasnet ist aber, da sind sich alle einig, der eigene Umzug am Fasnetssonntag. Die Umzugsstrecke ist zwar nur 800 Meter lang, aber dennoch kann es sein, dass man als Narr hier eine Stunde lang unterwegs ist. Denn die Interaktion mit den Zuschauern ist den Aixheimern wichtig, ob es nun was zu Trinken oder zu Essen gibt oder die Zuschauer irgendwie durchgenudelt werden. „Da geht jeder gesättigt nach Hause“, erzählt Michael Bader, und weiß von Leuten, die aus Schura nach Aixheim wandern, um die kulinarischen Geschenke der Narren - Bandbreite Pizza bis Würstle - zu genießen. Mit dem Auto zum Umzug nach Aixheim zu fahren sei nicht so empfehlenswert, so der Zunftmeister, denn natürlich bieten die Narren den Umzugsgästen auch jede Menge Trinkbares an.

Und dann müssen die Herren im Frack auch schon weiter, sie haben ja noch eine Menge anderer Besuche zu machen und Staub zu wischen. Drum zückt nun Andi Grathwohl den weißen Sparstrumpf, Nele darf die Spende der Efingers reinstecken, dann gibt´s ein abschließendes Selfie mit den Kindern – und weiter geht´s. Bis abends um achte müssen nämlich alle wieder zurück sein, zumindest ist das die Vorgabe von Zunftmeister Bader selbst: „Wer zuerst da ist, kriegt eine Überraschung“, lockt er seine Kollegen. Die sich nun, wie all die anderen närrischen Aixheimer, auf eine tolle und besonders saubere Fasnet 2020 freuen.

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