Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Lesedauer: 5 Min

 Daniel Luderer demonstriert es: Die Typisierung ist für den potentiellen Spender ganz einfach und schmerzlos.
Daniel Luderer demonstriert es: Die Typisierung ist für den potentiellen Spender ganz einfach und schmerzlos. (Foto: Bianka Roith)
Bianka Roith

Das DRK Hausen hat im Rahmen seines Herbstfestes in der Verenahalle zur Stammzellenspende gegen Blutkrebs, Leukämie, aufgerufen und damit aufs richtige Pferd gesetzt. Denn viele Besucher sind vor allem gekommen, um Stammzellenspender zu werden.

Es ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen und extrem schwierig, eine passende Person zu finden. Leukämie lässt sich nur bei einem Teil mit Medikamenten behandeln, so Gruppenleiter Maximilian Kaiser. Für viele Patienten sei der einzige Weg die Übertragung von Stammzellen. Jedes Jahr erkranken in Deutschland 12 000 Menschen an bösartigen Bluterkrankungen, darunter 600 Kinder. Und jeder zehnte Blutkrebserkrankte finde keinen passenden Spender.

Die größte Chance, schnell einen geeigneten Spender zu finden, verspricht die Suche innerhalb der Familie. Doch der Großteil benötigt einen nichtverwandten Spender. Und hier sei die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Lebensretter zu finden, extrem gering. Obwohl inzwischen über 32 500 000 registrierte Spender weltweit vorhanden sind, hat das DRK Hausen beschlossen, eine großangelegte Typisierung durchzuführen. „Mit den so gewonnenen Daten wird die Chance für die Heilung der Erkrankten wiederum schneller möglich“, so Ausschussmitglied Ute Runge.

Marion Franke ist jetzt frischgebackene Stammzellenspenderin. Der stellvertretende Gruppenleiter, Michael Runge, erläuterte ihr das Prozedere. Nachdem alle Daten erfasst sind, wird mit einem Wattestäbchen in der Mundhöhle für 30 Sekunden Haut abgerieben, möglichst ohne Spucke. Das Stäbchen kommt dann in ein kleines Röhrchen, das verschlossen wird. Dann ist alles erledigt und Marion Franke ist jetzt auch stolze Besitzerin eines entsprechenden Ausweises.

Daniel Luderer hatte in der Zeitung von der Typisierungsaktion gelesen und ist hauptsächlich gekommen, um eine Spende abzugeben. Ute Haller-Göggelmann kennt Maximilian Kaiser. Deshalb wagte sie jetzt diesen komplett schmerzfreien Schritt. Daniela Martin ist zur Stammzellenspende gerne in ihre alte Heimat Hausen gekommen, obwohl sie jetzt in Österreich wohnt. Ebenfalls gespendet haben Evangelos Alexogiannis und Niki Spega aus Hausen.

Als kleine Belohnung erhalten die Spender einen Kugelschreiber. „Es geht ja darum, Gutes zu tun“, so Michael Runge. Insgesamt 250 Wattestäbchen liegen in den Röhrchen bereit. „Wir hoffen, wir kriegen alle voll“, so Luis Enrique Vargas Schmid.

Die Röhrchen werden weitergeleitet an die Stammzellenspenderdatei. Im Labor werden die HLA-Merkmale A, B und C bestimmt und anonym an das ZKRD (Zentrales Knochenmarkregister) übermittelt. Der Spender erhält eine Benachrichtigung über die Registrierung.

Spender wird gut vorbereitet

Stimmen die HLA-Merkmale des Spenders mit einem Patienten überein, ist also ein möglicher „Zwilling“ gefunden worden, informiert das ZKRD die entsprechende Stelle, die den Spender kontaktiert. In einem Gespräch wird der Spender dann genau über den Ablauf der Spende informiert. Erst wenn er ganz gesund ist und nochmals seine Bereitschaft zur Spende signalisiert, außerdem alle Ergebnisse zufriedenstellend sind, dann kann es zur Spende kommen. Beim Patienten gibt der Arzt die benötigten Merkmale des Patienten weiter. Stimmen die Stammzellen dann mit einem Spender überein, kann der Patient aller Voraussicht nach den Rest seines Lebens krebsfrei verbringen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dies eintrifft, ist sehr hoch. Bei Kindern ist die Heilungschance um ein Vielfaches höher. Wenn allerdings eine personifizierte Typisierungsaktion benötigt wird, kostet dies wertvolle Zeit und es kann auch sehr teuer werden.

Maximilian Kaiser: „Deshalb versuchen wir im Vorfeld mit unserer Aktion möglichst viele Spender zu typisieren, denn alle gesunden Menschen zwischen 17 und 55 Jahren können Hoffnungsträger für Blutkrebspatienten werden.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen