Der Drill erzeugte Kreativität

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Cäcilia Fiedler

Mit mehr als 400 Gästen hat das Konvikt in Rottweil am Samstag das neunte Stiftungsfest der Marchtaler Internate der Diözese Rottenburg gefeiert. Darunter waren viele ehemalige Schüler des Konvikts aller Altersstufen, die damit ihre Verbundenheit mit ihrer ehemaligen Wirkungsstätte bezeugten. Auch aus dem Kreis Tuttlingen lebten immer zahlreiche Schüler im Konvikt. Wir haben einige von ihnen befragt.

Der Spaichinger Fritz Mattes (82), ehemaliger Studiendirektor am Spaichinger Gymnasium, der in Deilingen aufwuchs, betont, dass es früher aufgrund der schlechten Verkehrsanbindungen für begabte Jugendliche vom Land fast unmöglich gewesen sei, zu höherer Bildung zu kommen – es sei denn, man lebte im Konvikt und besuchte dann das Albertus-Magnus-Gymnasium in Rottweil. Da die Konvikte ursprünglich gegründet wurden, um Priesternachwuchs zu generieren, war das Leben dort lange Zeit stark religiös geprägt. Diese strenge religiöse Prägung wirke noch das ganze Leben nach, so Mattes.

Auch Ortwin Guhl, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Tuttlingen, denkt gerne an seine vier Jahre im Konvikt zurück. Der zum Teil vorhandene Drill habe Kreativität erzeugt, Durchsetzungsvermögen und Zusammengehörigkeitsgefühl wie auch Rücksichtnahme seien Eigenschaften gewesen, die ihn für sein weiteres Leben prägten. Die Konviktszeit war ein bedeutender Baustein für seine weitere Entwicklung, sagt Guhl – gerade als Vorstandsvorsitzender eines Finanzinstitutes zehrte er von diesen Jahren und der ihm vermittelten humanistischen Bildung.

Zu den jüngeren Konviktoren aus der Raumschaft gehört Till Hötzel aus Tuttlingen, der heute als Frater Meinrad Maria im Kloster Einsiedeln lebt und derzeit in Rom Theologie studiert. Er kam 2005 ins Konvikt – ohne den Wunsch, Priester zu werden, doch viele Diskussionen und Auseinandersetzungen mit dem Glauben und unterschiedlichsten Vorstellungen legten die Grundlage für die Entscheidung, ins Kloster zu gehen. Das Konvikt sei ein Ort gewesen, um erwachsen zu werden. „Man lernte Toleranz, da man mit Schülern aus unterschiedlichstem Milieu zusammenlebte und nicht die Rückzugsorte wie zuhause hatte.“ Er wurde aber bedingungslos angenommen und entwickelte so Selbstbewusstsein. Es wurden Freundschaften geschlossen, die andauern und das mit Menschen, mit denen er es sich vorher nicht vorstellen konnte. Im Lateinaufbauzug lernte Till Hötzel durch die lateinische und griechische Grammatik das analytische Denken und das Verstehen wollen, wie Dinge funktionieren. Dieses „Lernen lernen“ helfe ihm im Studium.

Konviktor bleibt man ein Leben lang, war am Samstag immer wieder zu hören, und hier geschlossene Freundschaften hielten für immer. Trifft man Jemand, der auch im Konvikt war, ist sofort eine emotionale Bindung da. Dazu nennt Fritz Mattes zum Beispiel Freundschaften mit Fritz Fuchshuber, Mathelehrer am Gymnasium Spaichingen, Pfarrpensionär Michael Klop oder Wolfgang Bühler, ehemaliger Studiendirektor an der Berufsschule Spaichingen.

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