Denkingen gedenkt der Corona-Opfer

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Als Zeichen der Solidarität mit den Opfern der Pandemie und gleichzeitig aber auch als Zeichen der Hoffnung und des Vertrauens pflanzten Bürgermeister Rudolf Wuhrer (links) gemeinsam mit den drei Kirchenvertretern Pastor Christian Haas, Pfarrer Oliver Helmers und Pater Sabu Palakkal (von links)einen Baum auf dem Friedhof. (Foto: Alois Groß)
Herlinde Groß

Auch in Denkingen ist am Sonntag der Opfer der Corona-Pandemie gedacht worden. Alle Kirchenglocken der Gemeinde läuteten und auf dem Friedhof fand eine Gedenkfeier statt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte die Menschen um Anteilnahme mit den Angehörigen gebeten und der Deutsche Städte- und Gemeindebund hatte in einem Rundschreiben dazu aufgefordert, dass sich die Kommunen ebenfalls mit in dieses Gedenken einbringen.

Und so fand am Sonntag auf dem Denkinger Friedhof eine eindrucksvolle Gedenkfeier mit einem begrenzten Personenkreis statt, unter Mitwirkung der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden mit Pater Sabu Palakkal, Pfarrer Oliver Helmers, und Pastor Christian Haas von der ETG. Der Posaunenchor Aldingen unter der Leitung von Christian Vosseler eröffnete mit der „Andagio“ von Telemann die Feier. Innehalten und gemeinsam aller Menschen gedenken, die an oder mit Corona ihr Leben verloren haben, und derer, die wegen des Virus nicht Abschied von einem Verstorbenen nehmen konnten und derer, die um ein verstorbenes Familienmitglied oder einen lieben Bekannten trauern: Dies, sagte Bürgermeister Rudolf Wuhrer, sei Inhalt der Feier. Er machte auch auf Folgen der Pandemie wie Einsamkeit und Kontaktbeschränkungen aufmerksam, vor allem aber auf ein einsames Sterben ohne Abschied.

Viele Patienten seien einen solchen einsamen Tod gestorben; Angehörige konnten und durften sie wegen der Ansteckungsgefahr nicht auf ihrem letzten Weg begleiten. Kein stiller Händedruck, kein gemeinsames Gebet. Beerdigungen nur im kleinen Kreis. Viele Angehörigen, so Wuhrer, litten unter diesen Erfahrungen, machten sich Sorgen wegen einer möglichen Infektion. Anderen mache die Last der wirtschaftlichen Not und Bedrohung zu schaffen, die Furcht vor der Zukunft.

„Corona ist für uns alle eine Her-ausforderung und Prüfung, doch viele resignieren daran, leiden, werden depressiv und hoffnungslos oder flüchten sich in wirre Querdenker-pphantasien“, sagte Wuhrer. Auch wenn das Virus eines Tages beherrschbar sein werde, würden die Folgen der Pandemie und die seelischen Verletzungen noch lange Begleiter der Menschheit sein und das alltägliche Leben bestimmen.

„Wenn wir nach unserem gemeinsamen Gedenken im Anschluss einen Baum auf dem Friedhof pflanzen, so wollen wir erinnern und ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern dieser Pandemie setzen. Gleichzeitig wollen wir aber auch ein Zeichen der Hoffnung und des Vertrauens setzen, dass am Ende dieses langen Leidenswegs auch die Einsamkeit ein Ende findet, dass unsere gespaltene Gesellschaft wieder zueinander findet“, stellte Wuhrer fest.

Der Posaunenchor spielte im Anschluss „Amazing Grace“, zu Deutsch „O Gnade Gottes wunderbar“. Die beiden Geistlichen Pater Sabu und Pfarrer Helmers trugen abwechselnd eine tiefgründige Meditation zu Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“ vor. In die Worte des Psalmisten bettenden sie anschließend entsprechende Fürbitten ein, die im “Vaterunser“ endeten.

Pastor Christian Haas erinnerte in seinen Worten an den Karfreitag. Hier habe Jesus eine Dornenkrone getragen. Das lateinische Wort Corona bedeute „Kranz, Krone“. Mit dieser Krone auf seinem Haupt sei Jesus am Kreuz gestorben. Doch mit seiner Auferstehung am dritten Tage habe er den Tod, die Sünde - und sinnbildlich auch Corona - besiegt. Dass Gott den Menschen durch diese Pandemie etwas wichtiges zeigen wolle, im Glauben an Jesus Christus nicht die Hoffnung zu verlieren, sondern gefestigt, geerdet und gestärkt werden, könne ein Gedanke Gottes sein, so Haas. Warum Gott die Pandemie zulasse, könne niemand wissen. „Aber eines wissen wir gewiss, Gott lässt uns nicht im Stich.“ Mit einem persönlichen Gebet für die Toten und Lebenden schloss Pastor Haas seinen Impuls.

Auf einem freien Platz im Friedhof pflanzten Bürgermeister Rudolf Wuhrer und die drei Kirchenvertreter als Abschluss der Feier eine Platane.

„Wer einen Baum pflanzt, der will etwas Gutes bewirken. Wer einen Baum pflanzt, der weiß, dass er zwar pflanzen, gießen und düngen kann, aber wachsen lassen, das kann er ihn nicht. So steht jeder Baum, der gepflanzt wird, auch für Demut und Vertrauen und später vielleicht auch zur Erinnerung“, sagte Bürgermeister Wuhrer, bevor die Geistlichen gemeinsam an die Teilnehmer ihren Segen spendeten. Dazu spielten die Musiker „Bleib bei mir Herr, denn der Abend bricht herein“.

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