China wurde ihm zur neuen Heimat

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Über Leben und Wirken des Missionsbischofs Edgar Häring informierten sich viele Frittlinger.
Über Leben und Wirken des Missionsbischofs Edgar Häring informierten sich viele Frittlinger. (Foto: Fiedler)

Gut 50 interessierte Bürger haben im Pfarrer Häfner Haus vor der Landesverordnung zum Coronavirus dem Vortrag von Altbürgermeister Anton Stier über das Leben und Wirken von Missionsbischof Edgar Häring gelauscht. Die katholische Kirchengemeinde gedenkt 2020 des 100-jährigen Priesterjubiläums von Edgar Häring, der wohl zu den bedeutendsten Personen seiner Heimatgemeinde zählt.

Stier beschrieb das Leben von Edgar Häring als Missionsbischof in China, als Seelsorger und sein Leben nach der Vertreibung. Er wurde 1894 als Anton Häring in Frittlingen geboren und war das zweitjüngste von neun Geschwistern. Wohl unter dem Einfluss seines älteren Bruders, Pater Hugo, Direktor des Franziskaner-Seminars in Bamberg, kam er bereits mit 13 Jahren in das Seminar nach Landshut. Nach dem Abitur wurde er 1913 Novize und erhielt den Klosternamen Edgar. Im Ersten Weltkrieg diente er als Sanitäter und am 19. September 1920 wurde er in München von Kardinal Faulhaber zum Priester geweiht.

1922 reiste er als einer der ersten Franziskaner-Missionare nach China. Hier geriet er in eine ganz andere Welt. Er musste erst die Sprache lernen, wobei er begabt gewesen sein muss, denn er sprach neben Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch auch Chinesisch und Latein. Auch landschaftlich, klimatisch und kulturell unterschied sich sein neuer Wirkungskreis in der Region Shanxi, etwa 500 Kilometer westlich von Peking, nahe der chinesischen Mauer, von seiner Heimat. Aus bitterster Armut baute er im Laufe der Jahre eine Mission in einer riesigen Provinz auf. 1933 wurde er zum Missionsbischof geweiht, wogegen er sich wehrte, denn die Seelsorge war ihm am wichtigsten.

Ab Herbst 1941 nahmen die Überfälle der roten Partisanen zu, und im August 1946 wurden die Missionare aus diesem Gebiet vertrieben. Bis zum Sommer 1953 lebte er im Exil in Peking, dann bekam er den Ausweisungsbefehl. Fortan lebte er im Kloster in Ingolstadt als Bruder unter Brüdern. China war ihm Heimat geworden, und so fühlte er sich jetzt im Exil. Er war Teilnehmer am Zweiten Vatikanischen Konzil und auch öfter in Frittlingen zu Gast, unter anderem bei der Altarweihe 1953, war Festredner beim 50er Fest 1954 und 1964 und weihte 1968 in der Frittlinger Kirche Fritz Schaub zum Priester.

Sein ganzes Leben war er bescheiden geblieben. Anton Stier belebte seinen Vortrag mit vielen Anekdoten und Zitaten aus Briefen des Bischofs. Eine Bilderausstellung fand im Anschluss reges Interesse. Zahlreiche Verwandte unter den Besuchern, darunter seine 90-jährige Nichte Paula, hatten weitere Fotos dabei.

Jürgen Betting wies auf weitere Aktionen wie einen Ausflug nach Bamberg und einen Festgottesdienst am 20. September hin.

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