Brötchentüten gegen Trickbetrüger

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Bettina Rommelfanger (rechts) stellt die Tütenaktion vor.
Bettina Rommelfanger (rechts) stellt die Tütenaktion vor. (Foto: herlinde Groß)
Herlinde Groß

Landesweit verursachten allein Betrugsdelikte durch sogenannte „falsche“ Polizeibeamte 7,5 Mio. € Schaden, der höchste Schaden betrug hier in einem Fall sogar 750 000 €, wobei die Geschädigte eine gutgläubige 85jährige Seniorin war. Der Kampf gegen solche Betrüger ist für die Polizei mühsam. Jetzt sollen Papiertüten in Bäckereien helfen.

„Auf den neuen Wegen zur Aufklärung und Verbreitung der neuen anlaufenden Kampagne „Vorsicht Abzocke“ werden wir insbesondere von der Bäckerinnung Tuttlingen/Rottweil und dem Förderverein Kriminalitätsvorbeugung des Landkreises Tuttlingen begleitet“, freute sich Polizeioberrätin Bettina Rommelfanger. Ab sofort warnen 100 000 Bäckertüten in 31 Bäckerfilialen in den Landkreisen TUT und RW bereits beim morgendlichen Brötchenkauf vor betrügerischen Anrufen durch falsche Polizeibeamte.

Die Tüten informieren über das Phänomen und geben Tipps, wie Angerufene richtig reagieren können. Die Erreichbarkeiten besonders geschulter Polizisten sind ebenso abgedruckt wie Links zu den Seiten der Landesprävention, um sich gezielt informieren zu können. Rommelfanger stellte die Aktion am Dienstag an der Aldinger Bäckerei Link vor, die auch an der Aktion teilnimmt.

13 572 Mal fielen angerufene Mitbürger nicht auf die Masche herein. Doch 307-mal waren die perfide vorgehenden und psychologisch geschulten Täter erfolgreich. Auch im ersten Halbjahr 2020 seien die Fallzahlen im Zuständigkeitsbereich des PP Konstanz hoch, während im Landkreis Rottweil ein Rückgang um ca. 30 % zu beobachten sei, stiegen die erfassten Fälle von Telefonbetrügern im Landkreis Tuttlingen um 300 % an, informierte die erfahrene Polizistin.

Dieser Umstand war für das Referat Prävention des PP Konstanz Grund genug die Aufklärungsarbeit nicht nur im direkten Kontakt mit der Zielgruppe der Senioren zu betreiben, sondern vor allem auch in Zeiten der pandemiebedingten Kontaktsperre Wege zu suchen, ohne Ansteckungsgefahr vor den Unholden zu warnen. Hierfür habe man nicht nur eigene Medien und Flyer entwickelt, sondern binde auch Branchen und Institutionen ein, die in Interaktion mit den älteren Mitbürgern stehen. Banken, Fahrdienste und Taxen, Essen auf Rädern, Pflegedienste, Kirchen und Diakonien seien alle Teil der Kampagne zur Verhinderung weiterer Schäden durch Telefonbetrüger.

„Vorsicht, Abzocke!“ mit dieser eindrücklichen Warnung werden die gekauften Backwaren derzeit eingepackt. Besonders Senioren seien am Telefon gefährdet auf Betrüger hereinzufallen. Die wichtigsten Tricks, Lügen und Täuschungsmanöver zeigte die Leiterin der Präventionsstelle auf, denn nur wer Bescheid wisse, könne sich wehren. Falsche Polizisten rufen an und machen Druck, Geld zu überweisen, Enkel sind angeblich in Not und brauchen dringend finanzielle Unterstützung, oft gepaart mit einer manipulierten Telefonnummer, dem sogenannten Call-ID-Spoofing, die mittels Ortsvorwahl in Kombination mit dem Polizeinotruf 110 den Anschein erwecken, die örtliche Polizei sei tatsächlich am Apparat.

Der genannte Personenkreis sei meist sehr gutgläubig, hilfsbereit, habe Respekt vor Amtspersonen und lasse sich einfacher einlullen, sagte Bettina Rommelfanger. „Bei solchen Anrufen bitte sofort auflegen und die Polizei anrufen“ appellierte sie. Zu dem erlittenen materiellen Schaden, komme oftmals ein Gefühl von Scham, Angst und Verunsicherung. Mit der Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ sei hier ein starker und verlässlicher Netzwerkpartner vorhanden, der sich hingebungsvoll und professionell um die Geschädigten kümmere.

„Es bleibt mir nur, unserer Kampagne viel Erfolg und den Bäckertüten samt Inhalt reißenden Absatz zu wünschen. Wir haben alle zusammen Energie und Herzblut in die Aktion gesteckt. Es werden allerdings weitere Aufklärungskampagnen folgen müssen, da der Kreativität der dunklen Seite scheinbar keine Grenzen gesetzt sind“ wünschte am Ende der Auftaktveranstaltung die Leiterin der Präventionsstelle Polizeioberrätin Bettina Rommelfanger.

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