Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (Zweite von rechts) war Hauptrednerin bei der gut besuchten Jahresversammlung de
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (Zweite von rechts) war Hauptrednerin bei der gut besuchten Jahresversammlung der Kreisbauernverbände Rottweil und Tuttlingen. Begrüßt wurde sie von den Kreisobmännern Wilhelm Schöndienst (vorne links) und Manfred Haas (vorne rechts), Grußworte sprachen unter anderem CDU-MdL Stefan Teufel und FDP-MdL Daniel Karrais (beide Bildmitte). (Foto: Michael Hochheuser)

Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, hat am Donnerstagabend bei der Hauptversammlung der Kreisbauernverbände Rottweil und Tuttlingen gesprochen. Mehrere hundert Landwirte aus den beiden Landkreisen hörten in der Aixheimer Festhalle zu, als sich Klöckner über Themen wie Pflanzenschutzmittel oder das angeschlagene Image der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit ausließ. Tenor: Der Dialog müsse sich beiderseits verbessern. Auffällig: nur einmal bekam die Ministerin Zwischenapplaus. Begeisterung sieht anders aus.

Kreisobmann Wilhelm Schöndienst hatte die Landwirte begrüßt: „Buhmann für fast alles zu sein, vom Insektensterben bis zur Feinstaubbelastung – das tut weh“, meinte er. Klöckner nahm den Faden auf: „Es kann nicht sein, das man eine Berufsgruppe hat, und die ist schuld.“ Sie beklagte die „Radikalisierung des Denkens“ im digitalen Zeitalter. „Mein Eindruck ist, dass Kompromisse aus der Mode gekommen sind – wir werden als Gesellschaft nicht weiterkommen, wenn sich einzelne Gruppen radikalisieren“, sagte die Agrarministerin. „Wir brauchen einen neuen Dialog“, verwies sie darauf, dass „wir davon ausgehen müssen, dass auch der andere Recht haben kann“. Klöckners Fazit: „Die Landwirte müssen mehr mit der Bevölkerung reden und die Bevölkerung mehr mit den Landwirten.“

„Stirbt die Landwirtschaft, stirbt der ländliche Raum“, meinte sie plakativ. Es gehöre dazu, „dass wir die Landwirtschaft wertschätzen“. Dies jedoch werde „immer schwieriger, wenn immer weniger Menschen in der Landwirtschaft arbeiten und davon erzählen können – ich will, dass die junge Generation Spaß hat an diesem Beruf.“

Bei den Sachthemen ging Klöckner unter anderem auf das Insektensterben und die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln ein. Zu ersterem kündigte sie an, dass ein bundesweites Insekten-Monitoring notwendig sei, das sie mit weiteren Bundesministerinnen angehe. Ausführlicher wurde sie bei der öffentlichen Diskussion über Pflanzenschutzmittel. Diese Debatte sei „unredlich“, sagte die Ministerin. Auch der Öko-Landbau verwende Pflanzenschutzmittel. „Wir werden diese brauchen, aber andere – wir entwickeln alternative Mittel, die nicht bienenschädlich sind.“ Wiederholt sei sie in Afrika gewesen: „Die größten Ernteverluste dort haben die Menschen durch Schädlinge.“

Die „innere Pflicht“, den Hof zu übernehmen

Die Aktivitäten der Landjugend Rottweil-Tuttlingen stellte deren Vorsitzende Jessica Bachmann vor. Mehrere junge Landwirte schilderten, warum sie diesen Beruf gewählt haben, ihre Probleme und Zukunftsängste. In der Regel war die Familie der Antrieb, die „innere Pflicht“, einen seit Generationen betriebenen Hof weiterzuführen. Auch, wenn sich bisweilen die Frage stelle: „Tue ich mir das weiter an, oder gehe ich lieber in der Fabrik arbeiten“, wie ein Junglandwirt meinte.

Lisa Guth, erst seit wenigen Monaten Geschäftsführerin der Kreisbauernverbände, stellte den Geschäftsbericht 2018 vor. Es sei ein „mageres Jahr“ gewesen, befand sie – unter anderem wegen der Kündigung ihrer Vorgängerin. „Ich hoffe, dass die Geschäftsstelle jetzt etwas zur Ruhe kommt.“

Kreisvorsitzende Esther Messner berichtete von der Kreislandfrauenarbeit. „Es läuft gut bei den Landfrauen“, resümierte sie. Mit knapp 200 Landfrauen sei deren Zahl 2018 nur leicht gesunken.

Aldingens Bürgermeister Ralf Fahrländer sagte, dass Aixheim mit seiner „für diesen Teil des Landes charakteristischen landwirtschaftlichen Struktur“ der geeignete Schauplatz für die Versammlung sei. Viel Beifall bekam er, als er sagte: „Die Wertschätzung der Landwirtschaft sollte den gleichen Stellenwert haben wie der von etwa Industrie oder Handel.“ Der Tuttlinger Landrat Stefan Bär dankte den Landwirten „für das, was sie mit ihrer Arbeit tun für die Wirtschaftsleistung der beiden Landkreise“.

MdL Stefan Teufel (CDU) dankte seinen Zuhörern ebenfalls – „für die Produktion guter und gesunder Lebensmittel“. MdL Daniel Karrais (FDP) sagte, dass „die Landwirte keine Umweltsünder sind – sie leben ja letztendlich von der Umwelt“. Kreisobmann Manfred Haas dankte den Akteuren des Abends wie dem Aixheimer DRK, das sich um die Bewirtung der Gäste kümmerte. Und er hatte mit seinem breitkrempigen Hut und einer kecken Krawatte mit Schweine-Motiven trotz Ministerinbesuchs klar das gelungenste Outfit des Bauerntags.

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