Aldinger Begräbnischor begleitet Trauernde seit 100 Jahren

 Historisches Bild: Der Aldinger Begräbnischor mit Erich Vosseler (hinten links) vor rund 20 Jahren.
Historisches Bild: Der Aldinger Begräbnischor mit Erich Vosseler (hinten links) vor rund 20 Jahren. (Foto: Privat)
Schwäbische.de

Nach dem 300-jährigen Jubiläum der Mauritiuskirche steht das nächste Jubiläum an: Der Aldinger Begräbnischor wird 100 Jahre alt. Das Jubiläum soll am kommenden Samstag um 19 Uhr im Rahmen der Geistlichen Abendmusik durch Bezirkskantor Christof Wünsch und Pfarrer Oliver Helmers gewürdigt werden.

Während andernorts Begräbnischöre mangels Nachwuchs verschwunden sind, singt der Aldinger unter der jahrzehntelangen Leitung von Erich Vosseler auf bis zu 50 Beerdigungen im Jahr.

„Der Gesang erreicht Menschen noch einmal anders als gesprochene Worte es tun könnten“, meint Pfarrer Oliver Helmers und spricht vom großen Glück, dass der Begräbnischor überhaupt existiert, „Nur durch den unermüdlichen Einsatz von Erich Vosseler und seinen Sängerinnen und Sängern können wir dieses Jubiläum feiern“.

Dass die Gründung auch 1922 schon nicht selbstverständlich war, belegen Kirchengemeinderatsprotokolle der damaligen Zeit, auf die die Gemeindemitarbeiterin Anne Fischer bei ihren Recherchen gestoßen ist. Vor der Gründung eines sogenannten „Leichenchors“ sorgten Schülerinnen und Schüler der 6. und 7. Klasse für den Gesang auf dem Friedhof.

Als der damalige Chorleiter Oberlehrer Holtz wegen einer schulischen Neuordnung fortan Drittklässler zugewiesen bekam, war der Kirchengemeinderat unter Zugzwang. Eine Grundsatzentscheidung musste zügig getroffen werden: Sollte man einen anderen Lehrer um die Leitung des Schülerchors bitten oder zukünftig ganz auf den Gemeindegesang setzen? Man entschied sich für eine dritte Variante: Ein nicht altersgebundener „besonderer Leichenchor aus freiwilligen Sängern und Sängerinnen, aus dem gemischten Chor oder Jünglingsvereinsquartett“ sollte gegründet werden, so das Protokoll aus der Kirchengemeinderatssitzung im Mai 1922. „Dabei wäre zu wünschen, dass namentlich die Choräle der Evangelischen Kirche für den Leichengesang Verwendung finden sollten.“

Die Bestrebungen des Kirchengemeinderats führten zum Erfolg. So begleitet noch 100 Jahre später ein Chor aus Freiwilligen die Aldinger Trauergemeinde, dessen treuer Dienst von den Trauerfamilien gern in Anspruch genommen wird.

Zum Glück, so der seit 43 Jahren an der Spitze stehende Vosseler, habe seine Schulleiterin hier mitgespielt. Denn der Realschullehrer habe wegen des Beerdigungschors keine sechste Stunde halten müssen und war so immer um 12.30 Uhr parat, wenn um 13 Uhr dann die Beerdigung los ging. Er schätzt, dass immerhin noch 75 bis 80 Prozent der Beerdigungen von den derzeit zehn bis zwölf Sängerinnen und Sängern begleitet werden.

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen

Persönliche Vorschläge für Sie