„Achtet auf eure Emotionen“

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 Paul Lücke (links) und $ick, alias Andre Welter, die die Youtube-Serie „Shore, Stein, Papier“ gestalten, sprachen am Dienstag i
Paul Lücke (links) und $ick, alias Andre Welter, die die Youtube-Serie „Shore, Stein, Papier“ gestalten, sprachen am Dienstag in der Aldinger Erich-Fischer-Halle mit etwa 180 jungen Menschen. (Foto: Lothar Dittes)
Lothar Dittes

„Shore Stein Papier“ heißt der Informationsabend über das Thema Drogen und Kriminalität, der am Dienstagabend in der Erich-Fischer Halle in Aldingen stattfand. Schirmherr und Veranstalter war die N! Region mit den Gemeinden Denkingen, Aldingen, Frittlingen, Deißlingen und Wellendingen. Über 180 junge Menschen im Alter von 13 bis 25 Jahren erlebten die Veranstaltung.

In seiner Youtube-Serie „Shore, Stein, Papier“ und dem gleichnamigen Buch hat $ick, der mit bürgerlichem Namen Andre Welter heißt, sein Leben „zwischen Heroin und Haft“ dargestellt. „Shore“ ist dabei der Straßenname für Heroin, „Stein“ steht für Koks und „Papier“ für Geld. In seinem Youtube-Kanal hat $ick schon über 380 Folgen eingestellt und den Verein „Stigma e. V.“ gegründet. Mit dem Konzept „Lernen aus Lebenserfahrung“ will er Jugendliche und junge Erwachsene anregen, bewusster mit ihrem Konsum umzugehen.

Schonungslos und offen referierte „Andre“ über seine Sucht und Abhängigkeit durch die Drogen. Drogen hätten mit Freisetzung von Glücksgefühlen zu tun. Es verändere das Gefühl und führe zur Abhängigkeit. Mit der Zeit könne man dann nicht mehr selbst entscheiden, sondern werde nur noch durch die Sucht gesteuert.

Doch wie fing alles an? Andre Welter wuchs in einem sozialen schwierigen Umfeld auf. Seine Kindheit erlebte er in Stuttgart. Als er 15 Jahre alt war, zog die Mutter „auf Knall und Fall“ von einem Tag zum anderen nach Hannover. Dort in der Schule wurde er gleich gemobbt. Er suchte sich einen neuen Freundeskreis – und der war nicht der beste.

Man vertrieb sich die Zeit auf Spielplätzen und „kiffte“ mit Haschisch. „Am Anfang schmeckte das Zeug schrecklich, aber beim dritten Mal hatte ich einen Rausch, der es in sich hatte“, sagte Andre. Nach zwei Jahren stieg er auf Heroin um. Es habe sich so gut gefühlt, dass er jeden Tag das Zeug konsumieren musste. Ein Freund von ihm fing mit 14 Jahren an und mit 17 Jahren war er tot.

Seinen Drogenkonsum finanzierte er sich durch Ladendiebstähle, klauen und dealen. Mit 19 Jahren kam er zum ersten Mal ins Gefängnis. Dort erfolgte der erste „kalte Entzug“. Er versuchte einen Ausbruchsversuch aus der JVA, was beim dritten Mal auch gelang. Kaum in Freiheit, ging der Teufelskreis von vorne los. – Und die Drogen wurden stärker und teurer. Kokain und Crack wurde jetzt konsumiert. das Ganze zu einem Preis von 30 000 Euro pro Monat. Jetzt mussten Juwelierläden herhalten, um mit der Beute die Sucht zu finanzieren.

Wieder wurde er in Haft genommen. Entgiftung, Therapie, immer wieder von neuem ... Wieder raus aus dem Knast, ging es nach Holland, wo er im großem Stil mit dem Handel von Cannabis begann. Mit 30 bis 40 Kilo wurde gedealt. Bei der dritten Haft hatte er in dieser Zeit eine neue Partnerin. Sie bekam von ihm ein Kind und dies machte auch „einen Klick“ in seinem Gehirn aus.

Auch der Kontakt zu seiner Mutter half ihm, aus dem Teufelskreis herauszukommen. Letztendlich fand er die Erlösung durch Redakteur und Regisseur Paul Lücke und sein Projekt „Shore Stein Papier“. „Achtet auf eure Emotionen“, ermahnte er die jungen Leute. „Es liegt an einem selbst, ob man aus der Sucht heraus kommt oder nicht“, sagte er ermahnend an die jungen Leute. Denn Kiffen sei auch in der N! Region und dem Umland nichts unbekanntes.

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