Lehrreiche Geschichtsstunde für Frauen und auch ein paar Männer

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 Die Theatergruppe „Rolle vorwärts“ beeindruckte das Publikum im Schafstall.
Die Theatergruppe „Rolle vorwärts“ beeindruckte das Publikum im Schafstall. (Foto: Winfried Rimmele)
Winfried Rimmele

Die Theatergruppe „Rolle vorwärts“ hat das Publikum im Schafstall im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck beeindruckt. Die Theaterpädagogin und Regisseurin Lilo Braun hatte mit der Revue „Damenwahl“ Entwicklung und Selbstverständnis der Frauen seit der Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren aufgezeigt. „Will ich eine emanzipierte Prinzessin sein?“, stellte Braun die Frage an sich selbst und an das Publikum.

Informativ und unterhaltsam stellten die zwölf Schauspielerinnen auf ihrer Zeitreise an verschiedenen Stationen die Geschichte der Frau in den letzten 100 Jahren vor. Mit Gesang, einem Rap sowie einem Tanz wurden ganz im Sinne einer Revue die Errungenschaften der Frau, aber auch die Hindernisse, Barrieren und Umleitungen dargestellt. Gleich zu Beginn stießen zwei Welten aufeinander: Hier drei „Schickimicki-Girls“, für die es nur um die Einkäufe und Modetrends ging, dort die Frauen, die vor 100 Jahren für das Frauenwahlrecht kämpften. Auf der Zeitreise begegnete das überwiegend weibliche Publikum mit Elisabeth Selbert eine der vier Mütter des Grundgesetzes, die 1949 für die Formulierung „Männer und Frauen haben die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten“ in das Grundgesetz kämpfte und erheblichen Widerstand überwand. „Ich lasse nie wieder einen Mann über mein Leben bestimmen“, untermauerten die Darstellerinnen den harten Kampf, den die Frauen damals ausfechten mussten.

In den 1950er Jahren schien die Emanzipation der Frau jäh wieder zu Ende zu sein. Das Idealbild der Hausfrau mit Kittelschürze sollte als verführerische Frau dem Mann ein gemütliches Zuhause bescheren, war wieder ins Bewusstsein gerückt. Doch Ende der 60er Jahre kehrte mit der „Pille“ die sexuelle Befreiung und die Selbstbestimmung der Frau zurück. Gerade die sexuelle Befreiung sei ein grundlegender Teil der Frauenbewegung von damals wie auch heute.

„Seid nicht so verklemmt wie die Frauen vor hundert Jahren“, appellierten die Darstellerinnen an das Publikum. „Seid den Frauenrechtskämpferinnen der letzten hundert Jahre dankbar für das Erreichte und ruht euch nicht auf dem Erfolg aus.“ Denn selbst heute, wo das Land von einer Kanzlerin Angela Merkel regiert werde, sei zwar viel, aber noch längst nicht alles erreicht. „Deshalb kämpft weiter und hört nicht auf, für eure Rechte einzutreten“, lautete das Fazit. Nach einer unterhaltsamen, informativen und für die wenigen männlichen Besucher lehrreichen Geschichtsstunde wurden die zwölf Frauen mit viel Beifall für ihre Darbietungen belohnt. Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage blieb unbeantwortet.

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