Irndorf steht vor Herausforderungen

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 Nur 30 Zuhörer waren in die Eichfelsenhalle gekommen, um dem Vortrag von Landrat Stefan Bär zu hören und ihm Fragen zu stellen
Nur 30 Zuhörer waren in die Eichfelsenhalle gekommen, um dem Vortrag von Landrat Stefan Bär zu hören und ihm Fragen zu stellen. (Foto: Kornelia Hörburger)
Kornelia Hörburger

Im Rahmen seiner Tour durch die Landkreis-Gemeinden hat Landrat Stefan Bär am Donnerstag Irndorf besucht. Pflege, Gemeinde-Entwicklung und Breitbandausbau sieht Bär als große Herausforderungen auf Irndorf zukommen. Zudem hat er die auch Irndorf betreffenden bevorstehenden Veränderungen in der Forstwirtschaft und beim ÖPNV vorgestellt.

Enttäuscht zeigte sich Bürgermeister Jürgen Frank, dass nur etwa 30 Zuhörer zu Bärs öffentlichem Vortrag und der anschließenden Fragerunde in die Eichfelsenhalle gekommen waren.

Mit 62 Millionen Euro fließe derzeit schon beinahe die gesamte Kreisumlage in den Bereich „Soziales“, erklärte Bär. Besondere Sorge bereite ihm aber die immer schneller zunehmende Zahl an Pflegebedürftigen bei gleichzeitig rasant steigenden Kosten. Bär sagte Irndorf einen zehnprozentigen Anstieg der Zahl der 60- bis 85-Jährigen von 2017 bis 2035 voraus: „Das ist spitze im Kreis.“ Deshalb müsse sich Irndorf in besonderem Maß die zentrale Frage stellen: „Wie gehen wir in Zukunft mit unseren Senioren um?“

Bär drängte, bereits bestehende Strukturen wie die Nachbarschaftshilfe schnell auszubauen, damit Pflegebedürftige möglichst lange daheim leben könnten: „Ins Heim will keiner, und wir können es uns auch nicht mehr leisten.“ Beratend begleite der Kreis durch den Pflegestützpunkt, doch die finanzielle Verantwortung für die Versorgung der Senioren liege, vergleichbar mit der Kinderbetreuung, bei den Kommunen.

Bei der Ortsbegehung am Nachmittag waren dem Landrat 30 leerstehende Häuser ins Auge gefallen. Deren Ausbau sieht er – angesichts des Mangels an Wohnraum – als großes Potential für die Entwicklung der Gemeinde. Viele Menschen wollten nicht mehr in den Städten leben, und in Irndorf könnten Einrichtungen wie Schule und Kindergarten nur durch mehr junge Familien vor Ort erhalten werden. „Mit den derzeit vier Geburten pro Jahr werden Sie da nicht viel ausrichten“, sagte Bär.

Glasfasernetz endet an Ortsgrenze

Die vom Landkreis finanzierte „Glasfaser-Daten-Kreisstraße“ endet am Ortseingang. Ab da müsste Irndorf für ein innerörtliches Glasfasernetz 1.9 Millionen Euro investieren, abzüglich etwa 800 000 Euro zu erwartender Zuschüsse. Bär zeigte Verständnis, dass die Gemeinde diesen Betrag nicht auf einen Schlag aufbringen könne: „Dass die Gemeinde finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, wissen wir alle.“ Das vom Gemeinderat beschlossene Telekom-Vectoring sei ein „guter Zwischenschritt“. (Beim Vectoring erfolgt die Datenübertragung per Glasfaserkabel bis zu Verteilerkästen im Ort und von dort über Kupferleitungen zum Hausanschluss.) In Anbetracht steigender Datenmengen empfahl Bär jedoch dringend, bei allen anfallenden Straßenarbeiten zumindest Leer-Rohre für Glasfaserkabel zu legen.

Große Veränderungen kündigte Bär im ÖPNV ab 2019 an. Die Neuausschreibung der Busverträge, besonders aber die einstündige (statt bisher zweistündige) Taktung der Zugverbindungen von Fridingen und Beuron nach Tuttlingen und Sigmaringen werden aber auch mehr kosten. Auf Nachfrage eines Zuhörers räumte Bär ein, dass direkte Busverbindungen, etwa von Irndorf nach Tuttlingen, entfallen könnten, falls sie ein Parallel-Angebot zur Zugverbindung seien. Wo es die Kapazität der Züge zulasse, strebe man den Bus zum Zug an. Bis zur Landkreisgrenze sollen die Busse aber auch weiterhin fahren. Werktags sei geplant, den ÖPNV von 5 bis 23 Uhr, samstags von 6 bis 24 Uhr und sonntags bis 21 Uhr zu bedienen. Untertags orientiere man sich am Schüler- und Pendlerverkehr, ab 21 Uhr seien Rufbusse angedacht.

Handel mit Öko-Punkten

Als Folge des BGH-Urteils zum Bundeswaldgesetz kommen laut Bär neben dem Neuzuschnitt der Forstreviere durch den Wegfall der kartellrechtlich verbotenen Subventionen jährliche Mehrkosten von etwa 10 000 Euro zu. Höher als die wirtschaftliche Bedeutung schätzt er das Potential der Gemeinde durch den Handel mit Öko-Punkten ein. Dabei bietet eine Gemeinde einer anderen Kommune Ausgleichsflächen für deren Bauprojekte an.

Zum Abschluss appellierte Bär an die „lebendige, diskussionsfreudige und streitbare Gemeinde“, ihre Potentiale, auch an großem bürgerschaftlichem Engagement, zu nutzen.

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