Winfried Rimmele

Der Fuhrmannstag im Freilichtmuseum hat auch bei seiner 31. Auflage nichts an Attraktivität eingebüßt. Und die Popularität ist ungebrochen: So strömten mehr als 3700 Besucher ins Museumsdorf. Denn die Vorführungen und Wettbewerbe mit 23 Fuhrmännern und drei Fuhrfrauen mit über 40 „vierbeinigen Kraftprotzen“ versprachen nicht nur eine Leistungsschau der Kaltblutpferde, sondern auch Nostalgie pur im weiten Rund des Musemsdorfes.

Ein Höhepunkt war die Vorführung von Robert und Joshua Pritzi aus Aichstetten. Vater Robert und Sohn Joshua hatten mit ihren Holländischen Kaltblütern Mala und Emil einen „Pas de Deux“ einstudiert. Ein Pas de Deux ist eine Formation, die eigentlich aus dem Dressur- und Quadrillereiten kommt, die sich wiederum an französischen Tanzformationen orientiert. Zur Musik von „Conquest of paradise“ marschierten die beiden schwergewichtigen Kaltblüter mit ihren Reitern wie Gladiatoren in die Arena ein und verließen im Galopp als Sieger diese wieder, begleitet vom stürmischen Beifall der Besucher. Zwei Pferde zogen das Mähwerk und zeigten, wie arbeits-, kraft- und zeitaufwendig das Mähen damals war.

Drei Wettbewerbe standen im Blickpunkt, die nahezu zeitgleich abliefen. Auf der Wiese vor der Seilerei bildete der erste von drei Wertungsdurchgängen zu den Baden-Württembergischen Meisterschaften im Holzrücken den Höhepunkt. Auf einem als anspruchsvollen und schwierig eingestuften Parcours mit 13 Stationen war von den „Holzrückern“ und ihren vierbeinigen Partnern vor allem gegenseitiges Vertrauen gefragt, um möglichst ohne Punktabzug ans Ziel zu kommen. Dabei kam es weniger auf die Kraft als auf das punktgenaue Zusammenspiel zwischen Fuhrmann und Pferd, auf die Geschicklichkeit und das „Mitdenken“ der intelligenten Vierbeiner an, denn gerade bei der täglichen Arbeit war es wichtig, die stehenden Bäume nicht zu verletzen. Bei diesem „Slalom“ war die Anspannung von Mensch und Tier deutlich zu spüren und die Geschicklichkeit wurde auf eine harte Probe gestellt, ehe ein Tagessieger ermittelt werden konnte.

Geballte Kraft und Formschönheit traf auf die Pferde beim Zugleistungswettbewerb zu, sagte Elmar Stertenbrink von der IG Zugpferde, der die Veranstaltung moderierte. Es war beeindruckend, wie die Pferde, ein- und auch zweispännig, einen ihrem jeweiligen Gewicht angepassten Zugschlitten in zwei Wertungsdurchgängen über die 45 Meter lange Strecke zogen. Das Hindernisfahren mit einem Original-Leiterwagen war nicht weniger attraktiv und wie in „alten Zeiten“. Mitten durch das Museumsdorf und nicht irgendwo „abseits auf der grünen Wiese“ war eine Strecke mit 20 „Schikanen“ zu absolvieren. Bei dieser Disziplin war Genauigkeit und exaktes Jonglieren gefragt, denn das Berühren oder gar Umfahren eines aufgestellten Kegels führte unweigerlich zu Punktabzügen.

Viel Beachtung fand der vierspännig gezogene Brauereiwagen, der stets von einer Menschentraube umringt war und vor allem als Fotokulisse diente. Zudem gab es eine Reihe von Vorführungen. Außerdem konnten die Besucher dem Sattler und dem Wagner beim Vorführen ihres Handwerks zuschauen. Die kleinen Besucher fühlten sich beim Ponyreiten hoch im Sattel gut aufgehoben. Während die Besucher an den verschiedenen Ständen mit Maultaschen, Schupfnudeln oder Salaten und Getränken Hunger und Durst stillten, war der Dorfbrunnen vor allem für die Hunde und Pferde eine erfrischende Abkühlung und Durststiller. Museumsleiterin Almut Grüner sagte, dass das „Fest der Kaltblutpferde“ gut und ohne Schaden für Pferd, Fuhrleute und Besucher über die Bühne gegangen sei. Die Fuhrleute seien verantwortungsvoll mit ihren Pferden umgegangen und hätten die Belastungen immer im Auge behalten.

Bild: Das perfekte Zusammenspiel von Pferd und Mensch war beim Fuhrmannstag zu sehen.

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