Thema Mobilfunk zieht viele Interessierte an

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120 Mühlheimer sind zum Informationsabend zum Thema Mobilfunk im Barocksaal im Vorderen Schloss gekommen. Hauptredner war Jürgen Anders, Professor für Kommunikations- und Nachrichtentechnik an der Hochschule Furtwangen. Unter seiner Federführung erarbeitet Mühlheim bis Ende Juli eine konkrete Ausbaustrategie für den künftigen Mobilfunkstandard 5G.

Weitere Referenten waren der Kommunalbeauftragte Mobilfunk der Telekom für die Region, Ingo Reinhard, Michael Frey, Leiter des Kehler Instituts für angewandte Forschung im Bereich der Bürgerbeteiligung und der Zivilgesellschaft, Philipp Hilsenbeck, Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, und Jörg Sattelmayer, Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung beim Landratsamt Tuttlingen.

Bürgermeister Jörg Kaltenbach sagte, dass Mühlheim als eine von vier Pilotkommunen im Landkreis im Rahmen der Digitalisierungsstrategie „Digitaler L@andkreis Tuttlingen“ ausgewählt worden sei. Anders wurde die Frage gestellt, was für 5G gebraucht werde, um mitmachen zu können. Und was 5G für die Gemeinde bedeute. Dass der Mobilfunk in diesem Volumen besonders für die Industrie wichtig sei, wurde von Versammlungsteilnehmern unterstrichen: „5G ist für die heimischen Unternehmen, zum Beispiel KLM, wichtig.“ Kaltenbach forderte die Mühlheimer auf, „den Kopf nicht in den Sand zu stecken“. Die digitale Welt werde kommen – in weiten Teilen sei sie heute bereits Realität.

Anders sieht die jetzige Versorgung des ländlichen Raums als ungenügend an. „Der ländliche Raum hinkt hinterher.“ Der Schritt von 4G auf 5G sei wichtig, vor allem auch darum, weil der Netzaufbau benutzerbezogen erfolge. Man wolle ganz einfach auch mitgestalten. Und dies sei nur möglich, wenn ein Schritt von 4G an 5G „möglich ist und auch verinnerlicht wird“. Der Professor riet der Versammlung, den Gebrauch des Handys zu minimieren. Das würde sich positiv auswirken.

Kaltenbach, Moderator des Abends, war sich sicher, dass große und weltweite Unternehmen die Digitalisierung bräuchten und „nur mit modernsten Netzen auf Augenhöhe mit anderen Unternehmen mithalten“ könnten. Der Vertreter der Telekom, Ingo Reinhard, setzte sich mit drei möglichen Standorten für die Mobilfunkmasten auseinander. Einer davon hätte der Kirchturm sein können. Für diesen Fall jedoch werde eine ebenso schlechte Qualität erwartet wie bei einem Standort Feuerwache. „Der Standort Griesweg ist der bessere“, war das Urteil des Telekom-Vertreters.

Der Vertreter der IHK, Philipp Hilsenbeck, war sich sicher, „dass etwas gehen muss“ und forderte dazu auf, „nach vorne zu denken“. Michael Frey wies darauf hin, dass die Handlungsmöglichkeit gering sei. Er regte an, im März nochmals einen Workshop über den Mobilfunk abzuhalten. Sattelmayer rief dazu auf, „die Gemeinde ins Boot zu holen“. Für ihn wäre es geradezu fatal, wenn man sich mit dem Thema Mobilfunk von 4G auf 5G nicht befassen würde. Man müsse fragen, wo Bedarf sei.

Der Mühlheimer Martin Kempf warnte, die Stadt nicht als Pilotprojekt herzugeben. Kempf, der in seiner Freizeit Bienen züchtet und Bienenvölker betreut, wies darauf hin, dass „Bienen durch Mobilfunkstrahlung ihre Orientierung verlieren“. Martin Keller, Chef eines Mühlheimer IT-Unternehmens, meinte, dass heute viele Maschinen in den Betrieben über Smartphones gesteuert gesteuert werden. Das sei inzwischen Normalität.

In einem Flugblatt, das einen Tag vor der Versammlung in den Briefkästen der Bewohner der Vorstadt lag, wurden Fragen gestellt: „Mühlheim als Versuchsgemeinde für 5G-Strahlung?“ oder „Wollen wir Mühlheimer uns als Versuchspersonen zur Verfügung stellen?“ Im Flugblatt hieß es, dass weltweit immer mehr Bedenken um die möglichen Gefahren durch Mobilfunkstrahlung entstünden.

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