Rathaussanierung wird teuer

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Rund 75 Minuten nimmt die Vorstellung des Sanierungskonzepts zur Instandsetzung der Rathaus-Fassade im Mühlheimer Gemeinderat in
Rund 75 Minuten nimmt die Vorstellung des Sanierungskonzepts zur Instandsetzung der Rathaus-Fassade im Mühlheimer Gemeinderat in Anspruch. (Foto: Wilfried Waibel)
Wilfried Waibel

Im Mittelpunkt der jüngsten öffentlichen Sitzung des Mühlheimer Gemeinderats hat die Vorstellung des Sanierungskonzepts und die Kostenkalkulation über die Instandsetzung der Rathaus-Fassade gestanden. Dazu waren neben dem Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, auch Verbandsbaumeister Aldo Menea und der Restaurator Jürgen Schulz-Lorch (Sigmaringen) gekommen.

Das die Mühlheimer Oberstadt prägende Rathaus-Gebäude in der Hauptstraße ist seit 1928 denkmalgeschützt und wurde in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals renoviert und saniert. Im Rahmen einer umfassenden Instandsetzung und Modernisierung wurde 1965 der Farbanstrich erneuert. Das Fachwerk erhielt Ende der 1970er-Jahre einen ochsenblutfarbenen Anstrich. Die letzte, umfassende Renovierung datiert aus dem Jahr 2001.

Erste größere Schäden im Jahr 2015 festgestellt

Nicht das ganze Haus, sondern nur Teile sind historisch, sagen die Experten. Vor allem die Balustrade hat hohen historischen Wert, wie Schulz-Lorch und Mühlheims Bürgermeister Jörg Kaltenbach mehrfach betonen. Alle zwei Jahre wurden unter der Regie von Menean von einem auf Restaurationsarbeiten spezialisierten Unternehmen Schadstellen an der Außenfassade ausgebessert. Gerade durch diese regelmäßigen Überprüfungen konnten kleinere Schäden umgehend beseitigt werden.

Erstmals 2015 stellte die Firma größere Beschädigungen des Fachwerks an verschiedenen Stellen fest. Als Ursache wird vor allem der deckende Farbanstrich, der mehr als 50 Jahre alt ist, ausgemacht. Er lässt eindringende Feuchtigkeit nicht entweichen. Dadurch entsteht Fäulnis. Wie stark das Gebäude davon befallen ist, hat Menean zusammen mit einem Spezialisten über Bohrwiderstandsmessungen ermittelt. Zwar geben die vorliegenden Messergebnisse ein positives Gesamtbild ab: „Es liegt keine Gefahr in Verzug“, sagte Kaltenbach.

Die Tragkonstruktion des Rathauses ist stabil. Die stärksten Beschädigungen weist der mittlere Tragebalken an der Giebelseite Richtung Rathausbrunnen auf. Dieser muss in den kommenden Jahren zum Teil erneuert werden. Schwieriger als erwartet gestaltet sich die Entfernung von mehreren Schichten der Acrylfarbe. Aus Sicht der Denkmalschutzbehörde erwies sich das Niederdruck-Partikelstrahlverfahren mithilfe von Glasmehl als richtiges Verfahren. Im Rahmen eines Kultursponsorings wird die Firma Kärcher das Entfernen der Farbschichten zu großen Teilen übernehmen.

Fast schon sprachlose Gesichter im Gemeinderat

Im Hinblick auf die zu erwartende Bauzeit von rund einem halben Jahr und der Tatsache, dass im kommenden Jahr wieder ein Stadtfest stattfindet, und der komplexen Abstimmung mit den Spezialisten vom Regierungspräsidium Freiburg schlugen die übergeordneten Behörden und Kaltenbach dem Gemeinderat die bauliche Umsetzung für das Jahr 2020 vor.

„Mich haben die Zahlen nicht erschreckt“, war die Aussage von Menean zu seiner Kostenanalyse. Bei einer Gesamtsumme von 618 000 Euro waren schon einige sprachlose Gesichter zu sehen. Gemeinderat Rainer Buschle sah dies als eine verhältnismäßig hohe Summe und enthielt sich bei der sonst einstimmigen Abstimmung. Im Frühjahr 2020 soll die Baustelle eingerichtet werden, sagte Kaltenbach.

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