Rathaus-Sanierung kostet 700 000 Euro

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Die Balustrade am Mühlheimer Rathaus aus dem Jahre 1416 gehört nicht zum Original. Künftig soll auf die Balustrade verzichtet we
Die Balustrade am Mühlheimer Rathaus aus dem Jahre 1416 gehört nicht zum Original. Künftig soll auf die Balustrade verzichtet werden. (Foto: wlw)
Wilfried Waibel

In der ersten öffentlichen Sitzung des Mühlheimer Gemeinderats nach der Sommerpause ist das aktualisierte Sanierungskonzept mit Kostenkalkulation für die Instandsetzung der Rathausfassade vorgestellt worden. Beim historischen Rathaus, das prägend für das ganze Stadtbild ist, ist oberstes Ziel, für einen dauerhaften und denkmalschutzgerechten Erhalt des Gebäudes zu sorgen. Bereits im Jahre 1928 ist das Mühlheimer Rathaus im Denkmalbuch des Landes Baden-Württemberg als „besonders erhaltenswertes Kulturdenkmal“ eingetragen.

Vor dem Zweiten Weltkrieg, in der Zeit zwischen 1933 und 1936, ist das Gebäude unter der Regie des Mühlheimer Ehrenbürgers Alois Leibinger umfassend renoviert worden. Bei weiteren umfassenden Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen wurde das Fachwerk erstmals mit brauner, deckender Ölfarbe gestrichen, und Ende der 70er-Jahre erhielt das Rathaus den heutigen ochsenblutfarbenen Anstrich mit deckender Ölfarbe. Diese wurde auch bei den weiteren Arbeiten im Jahre 2001 verwendet.

Unter der Regie des Leiters der Unteren Denkmalschutzbehörde, Verbandsbaumeister Aldo Menean, werden alle zwei Jahre durch das auf Restaurationsarbeiten spezialisierte Malerunternehmen Kretzler aus Egesheim Schadstellen an der Außenfassade ausgebessert. Dadurch sollen kleinere Schäden erkannt und umgehend ausgebessert werden.

Im Jahre 2015 stellte die Firma erhebliche Schäden am Fachwerk an verschiedenen Stellen fest. Als Ursache der Beschädigung wurde hauptsächlich der dicke und deckende Farbanstrich, der das historische Gebäude umgibt, ausgemacht. Der Farbanstrich lässt die eindringende Feuchtigkeit nicht entweichen. Dadurch entstehen Fäulnisschäden. Es wird also unabdingbar sein, den aktuellen Farbanstrich abzunehmen und durch Leinölfarbe zu ersetzen. Eine entsprechende Empfehlung hat das Landesdenkmalamt bereits vor 18 Jahren gegeben. Mehrere Experten haben inzwischen herausgefunden, wie stark die Fäulnis die tragenden Balken befallen hat. Die Tragkonstruktion des Rathauses ist stabil. Der mittlere Tragebalken an der Giebelseite in Richtung Rathausbrunnen ist am stärksten beschädigt und muss in den kommenden Jahren teilweise erneuert werden. Inzwischen wurde mit der Firma Kärcher ein Unternehmen gefunden, das mit Hilfe von Glasmehl für eine gute und schonende Entfernung der Farbe sorgen kann.

Während Bauzeit kein Betrieb im Rathaus

Eine weitere Überlegung ist die Frage der Beibehaltung oder Verzicht der Balustrade in Richtung Rathausbrunnen. Dazu nahm auch Stadtarchivar Ludwig Henzler Stellung. Die Balustrade gehört nicht zum Grund-inventar, sondern soll bei den Sanierungen in den 1930er-Jahren eingefügt worden sein. Auf die Balustrade soll in Zukunft auf Empfehlung der Oberen Denkmalschutzbehörde verzichtet werden mit dem Hinweis, den gestalterischen Zustand des Rathauses von 1416 bis Mitte 1930er-Jahre wiederherzustellen.

Verbandsbaumeister Aldo Menean und Gottlieb Riedinger vom Verbandsbauamt schätzen die Renovierungskosten auf fast 700 000 Euro. Dabei dürften rund 400 000 Euro für den städtischen Haushalt verbleiben. Zu rechnen ist mit einer Bauzeit von sechs Monaten. In dieser Zeit wird kein Betrieb im Rathaus möglich sein. Die gesamte Verwaltung wird also umziehen müssen. Laut Bürgermeister Jörg Kaltenbach soll die Verwaltung im Erdgeschoss in der Hauptstraße 18 sowie im Barocksaal im Vorderen Schloss entsprechend untergebracht werden.

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