„Musikalische Sternstunde“ in Stetten

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Das Bläserensemble aus Tuttlingen begeisterte die Zuhörer in Stetten.
Das Bläserensemble aus Tuttlingen begeisterte die Zuhörer in Stetten. (Foto: RA)
Schwäbische Zeitung

Ein raumfüllendes Klangerlebnis haben die Besucher eines winterlichen Konzertes in der Stettener Pfarrkirche St. Nikolaus gehabt. Das siebenköpfige Bläserensemble aus Tuttlingen hatte sich im gesamten Chorraum verteilt und ihre Musik modern und fein zu Gehör gebracht.

Das Konzert im gut besuchten Gotteshaus begann mit dem Choral „Tochter Zion, freue Dich“. Das bekannte Lied wurde zunächst in der üblichen Intonation vorgestellt, ehe es über drei Strophen kunstvoll variiert vorgetragen wurde. Die meisten Werke des Programms hatte Matthias Schneider, der Leiter und Posaunist des Ensembles, für die eigene Besetzung bearbeitet. Sein Bruder, der Trompeter Jonas Schneider, führte jeweils kurz und durchaus lustig in die zu spielenden Werke ein. Als klangliche Spitze der Trompeter erwies sich Johannes Elsässer. Die weiteren Trompeten- und Flügelhornspieler des Ensembles waren Manuel Hellmann und Andreas Pfitscher. Den Bass-Part spielte Peter Roth auf dem Euphonium – einer kleinen Tuba – sowie Fabian Zepf an der Tuba.

Auf diese Eröffnung folgte das Lied „Maria durch ein Dornwald ging“ in einem weichem Klanggewand, ansprechend arrangiert von Peter Lawrence. Danach kam die Arie „Bereite Dich, Zion“ aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach zur Aufführung. Ursprünglich komponiert für eine Altstimme, Streichorchester, Oboen und Cembalo erklang nun eine Bearbeitung des Werks für Blechbläser, die Matthias Schneider eigens für sein Ensemble geschrieben hatte. Den Solopart übernahm der 18-jährige Andreas Pfitscher auf dem Flügelhorn. Er meisterte die schwierige Aufgabe mühelos.

Für die Aufführung von Johann Pachelbels berühmten „Kanons“ wurden die sieben Musiker mit besonders langen Beifall bedacht. Es folgte mit Michael Kamens „Quintet“ ein bewegendes zeitgenössisches Werk. Einen Höhepunkt stellte die Filmmusik aus „Kevin allein zu Haus“ des vierfachen Oscar-Preisträgers John Williams dar, aufgeführt in einem viersätzigen Arrangement von Matthias Schneider. Auf die temporeiche, raffinierte Einleitung, die ein wenig an Peter Tschaikowsky erinnerte, folgte das von Williams eigens für diesen Film komponierte Lied „Star of Bethlehem“. Dessen melancholisch anmutende Melodie, die anfangs nur verhalten und in diskreter Begleitung erklang, steigerte sich langsam durch das Einsetzen aller Instrumente zu einem harmonisch und abwechslungsreichen Choral mit klingenden Gegenmelodien.

Aufgeführt wurde danach „Have Yourself A Merry Little Christmas“, welches 1943 von Hugh Martin und Ralph Blane komponiert und mittlerweile zu den bekanntesten modernen Weihnachtsliedern gehört. Mit „Fairytale of New York“, das 1987 veröffentlicht worden und im englischen Sprachraum ein Klassiker ist, begeisterten die sieben Bläser das Publikum in Stetten.

Mit zahlreichen, bekannten Liedern aus Deutschland, Frankreich, Portugal, Siebenbürgen und Österreich fand das Konzert seinen flotten Schlusspunkt. Da von den sieben Musikern schon vorauszusehen war, dass das große Publikum sie ohne eine Zugabe nicht gehen lassen würde, hatten sie noch „Christmas Lullaby" von John Rutter vorbereitet.

Nach diesem gut klingenden Auftritt soll es auf jeden Fall ein Wiedersehen mit dem Bläserensemble in Stetten geben. Ortsvorsteher Emil Buschle, der in Personalunion auch der Vorsitzende des Fördervereins „Stetten – Begegnungen im Dorf“ und Kirchengemeinderat ist, sprach von einer musikalischen Sternstunde, die man in der Kirche St. Nikolaus erlebt habe und damit den Besuchern aus dem Herzen. Die freiwilligen Spenden am Ausgang werden die Musiker an das Hospiz am Dreifaltigkeitsberg in Spaichingen und an die Lebenshilfe Tuttlingen weitergeben.

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