Mühlheimer Felsenhöhle erkundet

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Simon Schneider

Im Rahmen der Sommeraktion „Die SZ öffnet Türen“ haben rund 20 Teilnehmer gemeinsam mit der Ortsgruppe Mühlheim des Schwäbischen Albvereins die Felsenhöhle erkundet und Wissenswertes über die Geschichte der Höhle erfahren.

Festes Schuhwerk und eine Jacke – diese Ausstattung war am Samstagvormittag für 20 Teilnehmer fast Pflicht. Der Schwäbische Albverein öffnete exklusiv für unsere Leser das Eisentor der Felsenhöhle. Sonst ist die Höhle nur an Christi Himmelfahrt beim Höhlenfest und beim Höhlentag zu besichtigen. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Mühlheim, Peter Glatz, begrüßte die Teilnehmer am Ausgangspunkt beim Mühlheimer Friedhof und stattete alle Teilnehmer mit einem Flyer und Infos zur Felsenhöhle aus.

Im Anschluss marschierten die Wanderfreudigen, begleitet von Klaus Leuser vom Albverein, 20 Minuten über die Felsenhalde auf einem schmalen Pfad bergauf bis zum Eingang der Tropfsteinhöhle. Übrigens: Die Felsenhalde ist für den Namen dieser Höhle verantwortlich. Oben angekommen tupfte sich so mancher bei herrlichem Sommerwetter die ersten Schweißperlen von der Stirn – und das war wichtig. Denn schweißgebadet sollte niemand in die Höhle eindringen, da dort Temperaturen von neun Grad herrschen, sagte Thomas Waizenegger vom Albverein, der die Teilnehmer in Empfang nahm und sie mit Helmen ausstattete.

Höhle wurde erstmals 1912 zugänglich gemacht

Angeführt von Höhlenführer Waizenegger ging es in die naturbelassene Höhle hinein, alle liefen hintereinander. Schnell merkten die Teilnehmer, dass festes Schuhwerk unverzichtbar ist, denn durch die Feuchtigkeit besteht erhöhte Rutschgefahr. Jeder Schritt musste gut überlegt sein. Zur Hilfe gab es meist eine Kette, die als Geländer fungierte. Über eine Leiter stiegen die Höhlenforscher immer weiter in das Innere der insgesamt 134 Meter langen Höhle.

Mittendrin befand sich Gränzbote-Leserin Uschi Kattler aus Tuttlingen. „Mir gefällt es, dass die Höhle naturbelassen ist. Ich bin beeindruckt von der Höhle. Man spürt, wie es gewesen sein muss, als sie früher die Höhle entdeckt haben. Das ist in den Schauhöhlen nicht mehr so der Fall“, findet Kattler. Vom Schwäbischen Albverein wurde die Höhle erstmals 1912 zugänglich gemacht, 65 Jahre später wurde sie mit Ausbauarbeiten für eine sichere Begehung neu erschlossen.

Immer wieder stoppte Thomas Waizenegger die Gruppe und erklärte Wissenswertes zur Höhle. Wie aus dem Nichts flog sogar eine Fledermaus durch die Höhle. Zum Schutz dieser Tiere bleibt die Höhle von Ende Oktober bis Ende März geschlossen.

Schritt für Schritt führten enge, breite und rutschige Gänge, mehrere Stufen und eine Brücke, unter der es 25 Meter in die Tiefe geht, zu einer zweiten Leiter. Mehr als acht Meter stiegen die Besucher hinab und gelangten in die Endhalle. Dort wies Waizenegger auf die Spuren der Höhlenzerstörung aus früheren Jahren hin, als sie noch frei zugänglich war, und erklärte, dass ein Tropfstein nur einen Zentimeter in 100 Jahren wächst.

An den Wänden ist Fackelruß zu sehen

Auf einem der Steine in der Endhalle ist das Datum vom 6. Dezember 1813 eingraviert. „Wer sich da verewigt hatte, wissen wir nicht. Damals waren die Befreiungskriege von Napoleon, und da auch Mühlheimer in den Kriegsdienst mussten, haben sie sich wohl in der Höhle vor dem Einrücken zum Militär versteckt“, vermutet der Höhlenführer. Zusätzlich sind an den Wänden schwarze Stellen zu entdecken, was Fackelruß sein müsse. „Das kommt aus der Zeit, in der die Höhle noch ohne elektrisches Licht begangen wurde“, sagte er. Nach der Beantwortung der Fragen der Teilnehmer ging es für alle wieder zurück ans Tageslicht, das alle zufrieden und ohne Stürze erreichten.

So auch Uschi Kattler. „Ich habe mich über die Sommeraktion sehr gefreut und ich fand sie wunderbar, genauso das Engagement des Schwäbischen Albvereins. Die Infos von unserem Höhlenführer waren sehr interessant. Ich bin froh dabei gewesen zu sein“, so das Fazit der Tuttlingerin.

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