Jörg Bach erschafft „Neuland“ in Celle

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Jörg Bach in seinem Atelier in Mühlheim vor seiner Abreise nach Celle. Während seines Aufenthalts in Celle arbeitet er an einer
Jörg Bach in seinem Atelier in Mühlheim vor seiner Abreise nach Celle. Während seines Aufenthalts in Celle arbeitet er an einer Skulptur für einen prägnanten Ort im Stadtgebiet. (Foto: Kornelia Hörburger)
Kornelia Hörburger

Zur Person

Im Jahr 1964 in Wolgast an der Ostsee geboren, fand Jörg Bach im Haus Roland Martins Zugang zur Bildhauerei und die Motivation für sein Studium an der Akademie in Karlsruhe. Seine Lehrtätigkeit an der Jugendkunstschule Tuttlingen gab Bach 2001 zugunsten seiner eigenen künstlerischen Arbeit auf. Heute arbeitet und lebt der Künstler mit seiner Familie in einem ehemaligen Fabrikgebäude in Mühlheim, umgeben von einem Skulpturengarten, in dem auch Bachs Werkstatt steht. Die Aufzählung seiner Ausstellungen füllt inzwischen ganze Seiten, Bachs Werke waren schon in Bologna, London und Toronto zu sehen. Zwei Tage nach seiner Rückkehr aus Celle – die Ausstellung ist bereits gepackt – fährt er zur Vernissage nach Wien. Ab Oktober stellt er in Offenburg aus. (hör)

Der Anruf kam aus heiterem Himmel. Ob Jörg Bach damit einverstanden wäre, eine Auszeichnung der Heitland Foundation anzunehmen? Er war einverstanden. Vor einer Woche hat sich der Bildhauer aus Mühlheim zum mit dem Preis verbundenen Arbeitsaufenthalt nach Celle aufgemacht.

Drei mit „Heitland Honneur“ ausgezeichnete Bildhauer realisieren während der „Celler Skulptur Wochen“ vom 31. August bis 16. September jeweils eine Skulptur für einen prägnanten Ort im Stadtgebiet von Celle: Jörg Bach aus Mühlheim, Hermann Grüneberg aus Halle und Herbert Nouwens aus dem niederländischen Slochteren. Schon im Entstehungsprozess der Werke sollen Besucher mit den Künstlern ins Gespräch kommen und ihnen bei der Arbeit über die Schulter schauen dürfen.

Kräne und Schweißgeräte sind vor Ort

Bachs Skulptur wird überwiegend aus vierkantigem Stahlblech bestehen und sowohl Statik als auch Gestik zeigen. So stellte er sein künstlerisches Konzept bei der Auftaktveranstaltung in Celle vor. Kräne und Schweißgeräte stehen ihm vor Ort zur Verfügung. Auf einen Teil seines persönlichen Equipments kann Bach jedoch bei seiner Arbeit nicht verzichten, um widerspenstigen Stahl in anmutige Bewegung zu versetzen und in die elegant verschlungenen und gleichzeitig monumentalen Kunstwerke zu transformieren, die von ihm bekannt sind.

Bachs Werke entstehen ohne Entwurfsskizzen. Er arbeitet auf der Grundlage seiner Erfahrung mit Material und Form. In Gedanken hat er die Idee seiner Skulptur schon mehrfach umkreist, hat Ein- und Durchblicke bereits von allen Seiten studiert, bevor er, mit einem dreidimensionalen Bild vor dem geistigen Auge, seine Bleche ausschneidet, sie biegt, verwindet, verschweißt und verschleift. Der Künstler betont die Dynamik seiner Arbeitsweise: „Meine erste Idee und deren Konzeption wird nicht selten von einer spontanen Reaktion während des Entstehungsprozesses verändert und immer wieder überarbeitet.“

Alte Skulpturen zersägt und neu zusammengefügt

Der Künstler schätzt dabei einen großen Vorteil seines Ausgangsmaterials gegenüber Stein: „Bei Metall kann ich Material wegnehmen, aber auch wieder hinzufügen.“ Einige Skulpturen, die seiner kritischen Betrachtung nach einiger Zeit nicht mehr standgehalten hatten, hat Bach gar zersägt, um die Einzelteile danach wieder neu zusammenzufügen.

„Der Versuch, eine Idee neu aufzugreifen endet oft in einer Vielzahl von Varianten, die dann ganze Serien bilden“, erklärt der Künstler. Serien-Titel wie „Bodenfrüchte“ oder „Zankapfel“ tauchen auch nach Jahren immer wieder für neu gestaltete Kunstwerke auf – und dokumentieren den veränderten Umgang mit demselben Thema im Verlauf von Dekaden.

Bach: „Titel sagen alles und nichts“

Kann ein Bildhauer bei dieser Arbeitsweise überhaupt ein Werk in den zur Verfügung stehenden 17 Tagen fertigstellen? „Manchmal brauche ich ein halbes Jahr für eine Skulptur, doch hier habe ich alles so vorbereitet, dass ich weiß, dass die Arbeit gut wird“, hat Bach noch kurz vor seiner Abreise verraten. „Neuland“, der Arbeitstitel der Skulptur, die gerade in Celle entsteht, ist gleichzeitig ein Serientitel: Ob damit das Stilisieren einer unbekannten Landschaft als Skulptur oder vielleicht die Entdeckung von Neuland im Denken gemeint sein könnte -– die Deutung seiner Werke überlässt Bach bewusst dem Auge und der Fantasie des jeweiligen Betrachters: „Titel sagen alles und nichts.“ Bach hat allerdings erzählt, er hätte sich noch nie für einen Wettbewerb oder einen Preis beworben. Diese Auszeichnung sei ganz überraschend gekommen: als „Neuland“ in Celle.

Zur Person

Im Jahr 1964 in Wolgast an der Ostsee geboren, fand Jörg Bach im Haus Roland Martins Zugang zur Bildhauerei und die Motivation für sein Studium an der Akademie in Karlsruhe. Seine Lehrtätigkeit an der Jugendkunstschule Tuttlingen gab Bach 2001 zugunsten seiner eigenen künstlerischen Arbeit auf. Heute arbeitet und lebt der Künstler mit seiner Familie in einem ehemaligen Fabrikgebäude in Mühlheim, umgeben von einem Skulpturengarten, in dem auch Bachs Werkstatt steht. Die Aufzählung seiner Ausstellungen füllt inzwischen ganze Seiten, Bachs Werke waren schon in Bologna, London und Toronto zu sehen. Zwei Tage nach seiner Rückkehr aus Celle – die Ausstellung ist bereits gepackt – fährt er zur Vernissage nach Wien. Ab Oktober stellt er in Offenburg aus. (hör)

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