Ein Theater in der Bahnhofs-Wartehalle

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 Nachhaltige Ernährung, CO2-Einsparung und Müllvermeidung – Cécile Legrand und Martin Bachmann verpacken ernste Themen für Kinde
Nachhaltige Ernährung, CO2-Einsparung und Müllvermeidung – Cécile Legrand und Martin Bachmann verpacken ernste Themen für Kinder in ein buntes Theaterstück. (Foto: Linda Egger)
crossmedia Volontärin

Die Theatertickets gibt’s am ehemaligen Bahnhofsschalter, die Stühle für die Zuschauer stehen an der Stelle, wo einst Passagiere auf ihren Zug warteten – Der Bahnhofscharakter ist noch immer allgegenwärtig, auch wenn im Theaterbahnhof Mühlheim längst Requisiten und Puppen anstatt von Koffern und Bahnreisenden eingezogen sind. Zehn Jahre ist es her, dass Martin Bachmann und Cécile Legrand das historische Gebäude restauriert und neu eröffnet haben. Zum Jubiläum hat sich das Ehepaar ein buntes Programm überlegt.

Die Fassade des alten Bahnhofsgebäudes ist denkmalgeschützt. Auch innen ist noch vieles im Originalzustand. „Hinter den Tapetenschichten im Obergeschoss kamen Amtsblätter aus dem Jahr 1882 zum Vorschein“, sagt Martin Bachmann, der sich noch gut an die Renovierungsarbeiten erinnern kann. Funde wie dieser ließen auch das ungefähre Alter des Bahnhofs erahnen. Heute spaziert dort mal Michael Kohlhaas, mal ein lispelnder Hase oder auch „Mister Erde“ höchstpersönlich über die knarrende Holzbühne. Etwa 50 Vorstellungen spielen Bachmann und Legrand pro Jahr. „Wir machen alles selbst – wir spielen, verkaufen die Tickets und putzen hinterher die Toiletten“, sagt Bachmann schmunzelnd.

Theater ist live, lebendig und 3D"

40 Erwachsene oder 60 Kinder finden Platz im Zuschauerbereich des Theaterbahnhofs. Meist bleiben nicht viele Stühle frei. Etwa drei Jahre habe es gedauert, bis sich nach und nach eine immer größere Zuschauerschaft aufgebaut habe, erzählt Legrand. „Wir haben mittlerweile viel Stammpublikum“, sagt sie. Eine Echte Konkurrenz zum Theater sehen die beiden in Fernsehen, Internet und anderen Medien übrigens nicht: „Theater ist live, lebendig und 3D“, meint Legrand und beschreibt ein „gemeinsames Erleben“ zwischen Schauspielern und Publikum, das während eines Theaterstücks entstehe.

Zum Jubiläum kommt ein "Überraschungskünstler"

Viele ihrer Stücke schreiben sie selbst – das neueste Werk ist eine Auftragsarbeit des Landratsamts, das Kinder über das Thema Klimaschutz aufklären soll. In den kommenden Wochen werden sie das Stück in verschiedenen Kindergärten und Schulen in der Region aufführen. Ein besonderes Programm haben sich die beiden auch für das Wochenende vom 19. bis 21. Juli überlegt: Dann wollen sie ihr Zehnjähriges mit einem besonderen Theaterprogramm gebührend feiern. Unter anderem soll es einen Puppen-Bastelworkshop für Kinder, eine Spezial-Aufführung mit einem Überraschunskünstler und eine Matinee mit Konzert geben. Zusätzlich werden die beiden Theaterkünstler im Erwachsenen-Stück „Amors Pfeile“ natürlich auch selbst auf der Bühne stehen.

Der Zuschauer erweckt die Puppen erst zum Leben

Martin Bachmann stammt ursprünglich aus Lörrach, Cécile Legrand aus dem französischen Orléans. In Stuttgart studierten sie beide Figurentheater – und lernten sich dort auch kennen. Oftmals kombinieren sie in ihren Stücken Puppenspiel mit Schauspiel. „Das besondere am Puppenspiel ist, dass der Zuschauer eine eigene Fantasieleistung erbringen muss und die Puppen dadurch erst lebendig werden“, erklärt Bachmann. Zusätzlich zu ihren Tätigkeiten in Mühlheim sind die beiden in ganz Deutschland unterwegs und geben Theaterworkshops, bauen Kulissen für andere Theaterensembles oder führen Regie.

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