Geht es nach Umweltministerin Svenja Schulze, könnte ein Liter Benzin bald zwei Euro kosten.
Geht es nach Umweltministerin Svenja Schulze, könnte ein Liter Benzin bald zwei Euro kosten. (Foto: Symbol: Christophe Gateau/dpa)
Linda Seiss

Die Fahrt zur Tankstelle ist derzeit ein teurer Spaß. Benzinpreise von über 1,60 Euro pro Liter sind momentan an der Tagesordnung und machen den hiesigen Tankstellenbetreibern zu schaffen. Wie die „Bild“ und „RTL“ berichten, könnten die Spritpreise aber bald ein noch höheres Level erreichen.

Denn um die Klimaziele 2030 zu erreichen, liebäugelt Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) laut den Berichten mit einer „CO2-Steuer“ für Benzin und Heizöl. Mit dieser Sondersteuer könnte der Spritpreis demzufolge auf zwei Euro pro Liter ansteigen.

„Der Sprit ist teuer genug. Ich denke, die Politik sollte hier an einer anderen Schraube drehen“, erläutert Elke Leiber-Börsig, Betreiberin der 24-Stunden-Tankstelle in Emmingen. „Ich denke, es wird schon bewusst gefahren und nicht aus Jux und Tollerei. Eben dann, wenn man es braucht – gerade im ländlichen Raum, wo die Anbindungen doch nicht immer so gut sind“, schildert sie. „Da sollte sich die Politik etwas anderes einfallen lassen, denn letztendlich trifft es den Endverbraucher“, so Leiber-Börsig.

Auch Leonie Kunz, Junior-Chefin der Shell-Tankstelle in Geisingen, zeigt sich im Gespräch mit unserer Zeitung nicht sonderlich begeistert von den Plänen der Umweltministerin. „Ich denke, dass wir dann noch mehr Ärger der Kundschaft abbekommen“, befürchtet sie, sollte diese Zusatzbesteuerung tatsächlich kommen. Denn wegen der derzeit angezogenen Preise bekämen sie bereits jetzt – als erste und direkte Anlaufstelle der wütenden Kunden – täglich den Frust der Autofahrer ab.

„Ich kann’s ein Stück weit auch verstehen“, sagt Kunz. „Man braucht den Sprit. Gerade wenn man auf dem Land wohnt, ist man auf ein Auto angewiesen.“ Beispielsweise, um zur Arbeit zu kommen oder um zum Arzt zu fahren. „Das ist in gewisser Weise auch unfair“, findet Kunz. Sie selbst wohne im Geisinger Ortsteil Kirchen-Hausen, müsse zwangsläufig nach Geisingen oder Immendingen fahren, wenn sie einkaufen wolle. „Und je älter man wird, desto mehr ist man darauf angewiesen.“

Kunden kündigen an, künftig in der Schweiz zu tanken

Sollte die Sondersteuer kommen, rechnet Junior-Chefin Kunz damit, dass einige Leute nicht mehr bei ihr tanken. Ein Kunde habe jüngst angekündigt, nur noch in die Schweiz zum Tanken zu fahren, weil es dort billiger sei, schildert sie. Leiber-Börsig wagt keine Prognose. „Ich kann nicht abschätzen, wie viel Einfluss die äußeren Umstände auf das Fahrverhalten auf dem Land haben. Ob die Leute dann eher sagen, dann laufe ich, oder dann eben den höheren Preis in Kauf nehmen müssen“, sagt sie.

Von den deutschlandweiten Lieferengpässen von Benzin und Diesel wegen Niedrigwassers im Rhein und einem Großbrand einer Raffinerie in Bayern seien beide Tankstellen nicht direkt betroffen. „Bis jetzt sind wir immer beliefert worden und haben auch noch Sprit im Angebot“, teilt Leonie Kunz auf Nachfrage mit. Elke Leiber-Börsig, die die Emminger Tankstelle in dritter Generation betreibt, ist nur ein Stück weit tangiert. Weil sie Stammkundin bei ihrem Großlieferanten sei, werde sie glücklicherweise beliefert, schildert Leiber-Börsig. Dennoch kalkuliere sie mit mehr Vorlaufzeit, weil die Planung aufgrund der Engpässe auch für die Lieferanten schwieriger werde, sagt sie. „Das muss logistisch eben optimal geplant sein.“

Auswirkungen hätte eine Erhöhung der Spritpreise beispielsweise auch auf Spediteursdienstleistungen. Christian Keller, Geschäftsführer von Keller Transporte in Immendingen-Hintschingen, teilt auf Nachfrage mit, dass die Kosten auf die Dienstleistung, also auf die Kunden umgelegt würden.

Auf unsere Anfrage bei Daimler, welche Auswirkungen eine solche Mehrbesteuerung für das Testzentrum in Immendingen haben könnten, teilte man unserer Zeitung knapp mit: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns grundsätzlich zu Spekulationen nicht äußern.“

Info: Mehrkostenberechnung, ein Beispiel

Hier eine kurze Rechnung: Bei einer jährlichen Laufleistung von 20 000 Kilometern und einem Verbrauch von sieben Litern auf 100 Kilometer, belaufen sich die Kosten bei einem Spritpreis von 1,60 Euro pro Liter auf 2240 Euro im Jahr. Steigen die Preise tatsächlich auf zwei Euro pro Liter, dann wären das bei diesem Beispiel jährliche Mehrkosten von 560 Euro. (lise)

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