Ortsumgehung: Planung schreitet voran

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 Die Ortsumgehung soll dem Ortskern von Immendingen eine Verkehrsentlastung bringen.
Die Ortsumgehung soll dem Ortskern von Immendingen eine Verkehrsentlastung bringen. (Foto: Archiv MIE)
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Seitdem die geplante Umgehungsstraße Immendingens im Frühjahr in die erste Prioritätsstufe des Bundes aufgestiegen ist, laufen die Planungen (wir berichteten). Jetzt kommt eine neue Variante ins Spiel: Sie soll nördlich von Immendingen mit Tunneln durch den Berg verlaufen.

Jürgen Kaiser ist Referatsleiter des Referats 44 – Straßenbau beim Regierungspräsidium Freiburg. Er erklärt, die Ortsumfahrung Immendingen sei ein etwas komplizierterer Fall. Denn: Für die Umgehung werde eine Ersatztrasse geplant, für die drei Brücken gebaut werden müssten. Die Trasse werde auch gebaut, damit die Landesstraße 225 während der Bauarbeiten weiter genutzt werden könne. „Es ist die Frage, ob dieser Teil vom Bund mit in die Umgehung aufgenommen wird.“ Die drei Brücken würden dann von der Gemeinde Immendingen über einen Bebauungsplan genehmigt. Bisher gebe es aber noch keine rechtskräftige Entscheidung des Bundes darüber, ob er die Kosten für die Quertrasse übernehme. An der Gemeinde bleiben die Kosten aber nicht hängen, meint Kaiser.

Bei Besprechungen mit dem zuständigen Ministerium in Stuttgart werde entschieden, welche Variante in Frage käme. Für die Ortsumgehung laufen laut Kaiser die Vorbereitungen für Vergaben, etwa für ein Verkehrsgutachten. Er bestätigt, dass sich bei einer südlichen Umgehung die Problematik von Hochwasser- und Schutzgebieten eröffne.

Doch warum kann die Ortsumfahrung für Immendingen eigentlich nicht nördlich um die Gemeinde verlaufen? Diese Frage kam bei einer Diskussion mit Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen) vor einigen Wochen in Tuttlingen auf. Tatsächlich wäre das wohl möglich, heißt es vor Ort. Nötig wäre aber ein Tunnel, wohl um die sechs Kilometer lang – und das bedeutet hohe Kosten. „Bei einem anderen Projekt haben zwei Kilometer Tunnel 130 Millionen Euro gekostet. Bei sechs Kilometern müssen wir mit 200 bis 300 Millionen Euro rechnen“, so Hermann. Aktuell gehe man von 8000 Fahrzeugen am Tag aus, die die Straße befahren. „Da muss man schon schauen, ob sich das überhaupt rechnet.“

Im Planfeststellungsverfahren müssten alle Varianten betrachtet werden, schildert Kaiser. „Es wird geprüft, ob es entweder so teuer ist, dass der Bund davon Abstand nehmen würde oder sich tatsächlich dafür entscheidet.“ Die Variante einer möglichen Route mit Tunneln durch den Berg sieht Kaiser skeptisch: „Bei einer Kostendifferenz vom Zehnfachen ist das wahrscheinlich relativ schnell abgehandelt.“

Die Umgehungsstraße ist mit Kosten in Höhe von knapp 20 Millionen Euro angesetzt. Es müssten nach wie vor mehrere Varianten gegenübergestellt werden, die ersten Vorüberlegungen würden auch im Zusammenhang mit der Querspange betrachtet werden.

Die Möglichkeit einer Nordumfahrung hält Immendingens Bürgermeister, Markus Hugger, für unrealistisch. Dazu müsste die Strecke mit Tunneln durch drei Berge, quere unter anderem das Tal von Bachzimmern: „Das ist wirtschaftlich in keiner Weise darstellbar.“ Laut Hugger müssten die Brücken der L 225 so oder so erneuert werden. Der Bau neuer Brücken könne Kosten von 35 bis 37 Millionen verursachen. Statt die Brücken neu zu errichten und weitere Bauten daran anzuschließen, könnte eine neue Brücke passend ausgerichtet und für die Umgehungsstraße verwendet werden, meint er. „Da hätten wir dann Synergieeffekte monetärer Art.“ Von den momentan drei Brücken könne man sich beim Neubau dann sogar eine sparen.

Für die Immendinger Bevölkerung würde ein Brückenneubau mit neuer Ausrichtung Sinn ergeben, findet Hugger. „Immendingen will eine echte Umgehung, die auch für die Bürger eine Entlastung bringt.“

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