Das haben sie sich anders vorgestellt: Oswald und Emil erfahren an der Bushaltestelle, dass ihre Frauen Helga und Betty mit zur
Das haben sie sich anders vorgestellt: Oswald und Emil erfahren an der Bushaltestelle, dass ihre Frauen Helga und Betty mit zur Kur fahren. (Foto: Simon Schneider)
Simon Schneider

Der Alltag, die Liebe und Eifersucht sowie eine Reise ins Ungewisse – all das hat die Laienbühne Hattingen in den zurückliegenden Tagen im Stück „Wenn einer eine Reise tut“ von Regina Rösch in mehreren Aufführungen mit vielen Lachern eindrucksvoll in Szene gesetzt.

Die Zuschauer in der vollbesetzten Hattinger Witthohhalle waren am vergangenen Freitagabend gespannt, wohin die Reise des Lustspiels führen wird, denn schließlich kann auf so einer Reise viel Unvorhergesehenes passieren. Tut es auch: Vor allem für die Ehemänner Oswald (Christian Westhoff) und Emil (Herbert Hensler), die seit vielen Jahren ohne ihre Frauen zur Kur nach Bad Füssing fahren.

Blöd nur, dass sie ihre Schweine abschafften, auf die die treudoofen Ehefrauen Helga (Sandra Giner) und Betty (Britta Benat) aufpassten. Die haben andere Urlaubspläne. An der Bushaltestelle morgens um halb sechs stellt sich lautstark und somit zum Leidwesen von Anwohnerin Marie (Lisa Egloff-Ley) heraus, dass ihre Männer doch wie gewünscht nach Bad Füssing in die alljährliche Kur fahren dürfen. Die Freude hält nur kurz, denn dieses Mal sind auch ihre Damen im Schlepptau.

Dort angekommen sucht man sich bekanntlich einen Kurschatten: „Und was haben wir dabei? Trockenobst!“, stellen die beiden fest und meinen damit ihre Ehefrauen. Da kommen die aufgetakelten Tussis Chantal (Lisa Benat) und Jaqueline (Anna-Lena Sterk) gerade recht. Auf die beiden Männer wirken sie wie „ein kühles Bier mit Schaum“. Das Publikum amüsierte sich und lachte. Doch die beiden haben es faustdick hinter den Ohren: „Wir finden doch jedes Jahr zwei so blöde Kerle, die uns die Kur finanzieren“. Ihr Plan geht auf, Oswald und Emil beißen an und zahlen den teuren Schampus.

Und auch Helga und Betty scheinen sich mit den zwei „schicken und kultivierten“ Männern Ferdinand von Cartier (Tobias Bräunlinger) und Adalbert Baron von und zu Stadelhofen (Maik Petrowski-Benat) zu amüsieren. „Sie sind etwas Besseres“, so die Einschätzung der Ehefrauen, denn „so schick sah meiner nicht mal bei der Silberhochzeit aus“, stellte eine der beiden fest. Weit gefehlt: Ihre beiden angeblichen Verehrer haben es auf das Geld der Damen abgesehen.

Hauptakteure beschließen, Ehe während der Kur zu vergessen

Alle vier glauben, ihren Kurschatten gefunden zu haben. Somit beschließen sie kurzerhand, sich während der Kur aus dem Weg zu gehen und ihre Ehe solange zu vergessen. Gesagt, getan. Der Spaß beginnt in der Witthohhalle. Aber nicht für Oswald, denn er erfährt von Kur-Mitarbeiterin Susi (Diana Di Simio), dass er wohl ihr Erzeuger ist.

Trotz allem: Oswald und Emil verabreden sich mit den Tussis und müssen nach einer Nacht feststellen: „So teure Weiber hatten wir noch nie“. Sie drehen ihnen den Geldhahn zu und vergraulen sie mit einem vorgetäuschten Magen-Darm-Virus.

Ihre Ehefrauen „holen zum Gegenschlag“ aus und sind derweil mit den „Besseren“ zugange. Oswald und Emil stellen dabei fest: „Unsere Frauen sind im zweiten Frühling“. Die Eifersucht hält Einzug, die Kur wird zum Albtraum.

Immer wieder vermitteln die Kur-Mitarbeiter Susi und Harry (Markus Sterk) und öffnen den Vieren die Augen über die vermeintlichen Verehrer. Dann lacht ganz Hattingen: Oswald und Emil verkleiden sich als reiche Damen um ihre Ehefrauen vor den falschen Verehrern zu schützen. Ihr Plan geht auf: Sie verführen die Angeber, die finden: „Ein Segen, dass die dummen Weiber nie aussterben“.

Für die Zuschauer gab es obendrauf ein Ende das nicht abzusehen war, bei dem die beiden Kur-Mitarbeiter in den Mittelpunkt des Geschehens rückten, denn vielleicht war die angeblich uneheliche Tochter von Oswald nur ein hinterlistiger und für Oswald angsteinflößender aber kluger Schachzug seiner Frau Helga. Und als das Rätsel um Helgas wahren Kurschatten gelüftet wurde, zog sich der Vorhang nach einer dreistündigen Aufführung zu. Eins ist gewiss: Schweine werden wieder angeschafft – nur diesmal passen die Männer darauf auf.

Als Dank für eine durchweg eindrucksvolle schauspielerische Leistung, bei der kein Auge trocken blieb, gab es von den Zuschauern minutenlangen Applaus. Der Vorsitzende der Laienbühne, Horst Leiber, kündigte an, dass auch im kommenden Jahr vor Ostern wieder bei einer Theateraufführung der Laienbühne gelacht werden darf.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen