Gemeinde betreut Wald ab 2020 selbst

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Die Naherholungsfunktion ist eine von vielen Aufgaben des Gemeindewaldes, die in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen wird.
Die Naherholungsfunktion ist eine von vielen Aufgaben des Gemeindewaldes, die in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen wird. (Foto: Jutta Freudig)
Jutta Freudig
Redakteurin

Die Gemeinde Immendingen wird ab dem Jahr 2020 ihren 1600 Hektar großen Gemeindewald wieder selbst betreuen. Die Aufgabe übernimmt zu diesem Zeitpunkt ein Revierleiter, für den eine neue Beamtenstelle in der Gemeindeverwaltung geschaffen wird. Derzeit sind die Revierleiter beim Landkreis Tuttlingen beschäftigt.

Die Gemeinde hat mit dem Kreis einen Dienstleistungsvertrag, der unter anderem den Holzverkauf beinhaltet. Dass sich der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung mehrheitlich für die Eigenbeförsterung entschieden hat, liegt an verschiedenen Gründen. Unter anderem will man mehr Entscheidungshoheit über den Gemeindewald haben.

Ins Rollen gebracht wurde die anstehende Veränderung durch ein Kartellverfahren. Das Bundeskartellamt war einer Klage von Sägewerksbesitzern nachgekommen, denen die gemeinsame Vermarktung von Holz in Baden-Württemberg nicht wettbewerbskonform erschien. Daraufhin hatte das Land Baden-Württemberg beim zuständigen Oberlandesgericht Düsseldorf einen Antrag zur Aussetzung des sofortigen Vollzugs des Bundeskartellamts-Beschlusses gestellt. Inzwischen ist dieser Beschluss vom Bundesgerichtshof gekippt worden. Das Land hat dann entschieden, den Staatswald selbst zu beförstern. Für die Kommunen stand daraufhin ebenfalls eine Entscheidung über das weitere Vorgehen an.

„Die Gemeinde Immendingen ist einer der fünf großen Waldbesitzer im Landkreis Tuttlingen“, betont Bürgermeister Markus Hugger. Während Tuttlingen und Geisingen ihre Stadtwälder schon immer in Eigenregie betreuen, hatte Immendingen ebenso wie Mühlheim und Fridingen in den vergangenen Jahren einen Dienstleistungsvertrag mit dem Landkreis. Die Immendinger Revierleiter arbeiten beim Kreisforstamt, das zudem die Aufgabe der Vermarktung der Holzernte aus dem Gemeindewald übernimmt. „Bei der künftigen Organisation der Beförsterung eröffnen sich einem großen Waldbesitzer mehrere Möglichkeiten“, so Hugger.

Der Gemeinderat hat sich für eine Eigenbeförsterung entschieden. Hier kümmert sich ein Förster um den Gemeindewald. Er wird als Beamter bei der Gemeinde angestellt und übernimmt den Holzverkauf. Einen Zusammenschluss der Kreisgemeinden und die Bildung eines kommunalen Kreisforstamts lehnte das Gremium ab. Hier wären im Kreis Tuttlingen 16 Waldreviere geschaffen worden, zwei davon auf Immendinger Gebiet. Alle angeschlossenen Kommunen hätten gleiches Stimmrecht gehabt, unabhängig von der Größe ihrer Wälder. „Wir wollen aber lieber eigener Herr des Verfahrens sein und selbst entscheiden“, so Hugger.

Die Entscheidung des Gremiums zugunsten der Eigenbeförsterung könne Vor- und Nachteile bringen, räumt er ein. Laut einer Gegenüberstellung werde sie wohl etwas günstiger sein, zumal man die Fördermittel selbst erhalte. Zu den Nachteilen zählt die neue Pensionslast und noch offene Fragen der Urlaubs- und Krankheitsvertretung für den Gemeindeförster. „Angesichts der wachsenden Bedeutung des Waldes über den Holzverkauf hinaus, zum Beispiel bei der Naherholung oder der Gewinnung von Ökopunkten, haben wir mit der Eigenbeförsterung nun aber wieder mehr Entscheidungshoheit.“

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