Die Zimmerer Teufel zu Beginn der 1960er-Jahre mit der „Hölle“ auf einem Wagen, in die die Damen gesteckt wurden.
Die Zimmerer Teufel zu Beginn der 1960er-Jahre mit der „Hölle“ auf einem Wagen, in die die Damen gesteckt wurden. (Foto: Repro/Dietmar Reithinger)
Schwäbische Zeitung

Der Immendinger Dietmar Reithinger hat einen historischen Bildband über die Zimmerer Fasnet zusammengestellt und in kleiner Auflage drucken lassen. In dem 200 Seiten starken Band mit dem Titel „Die Zimmerer, der Teufel und ihre Fasnet – 1948 bis 1970“geht es vor allem um die Gründungsjahre der Zimmerer Teufel nach dem Zweiten Weltkrieg. Redakteur David Zapp sprach mit Dietmar Reithinger über die Geschichte der Teufel, Traditionen und was sich bis heute an der Fasnet in Zimmern verändert hat.

Worum geht es in Ihrem Bildband?

Es geht um die Zimmerer Fasnet und die Teufel: Die Geschichte beginnt 1948 nach dem Krieg. Man kann sehr gut erkennen, mit welchen einfachen Mitteln damals trotz der schwierigen Zeiten Fasnet gemacht wurde. Und das auch schon im professionellen Rahmen unter Nutzung der begrenzten Möglichkeiten. Heute wird immer noch am Fasnets-Montag der Umzug veranstaltet, genauso wie er schon 1946 gemacht wurde. Als alles noch in Schutt und Asche lag, hat man hier in Zimmern schon Fasnet gefeiert.

Wann ging es mit den Teufeln dann los?

1955 fing es dann mit den Zimmerer Teufeln an, die aus dem Musikverein hervorgegangen sind. Da hatte jeder Teufel einen Namen, mit Bezeichnungen, die man heute gar nicht mehr verwenden würde: Flammenschwanz, Frauenschänder, Untermensch. Die Teufelsbrut ist später dann daraus entstanden. Damals war die Figur des Teufels mit Gummimaske und rotem Pullover, roter Hose und schwarzem Lendenschurz. Heute bei der neuen Figur ist es ein Fell. Nur, um das Neue geht es mir gar nicht, denn das Buch hört ja 1970 auf.

Wie sind Sie zu der Idee gekommen, dieses Buch über die Zimmerer Fasnet aufzulegen?

Die Ausuferungen der Fasnet heutzutage sind nicht so meine Sache. Ich bin da etwas konservativer von der schwäbisch-alemannischen Fasnet geprägt. Ich war bis 2006 bei der Fasnet aktiv. Mich hat immer gestört, dass immer mehr Zünfte dazugekommen sind. Die Umzüge sind zunehmend überfüllt. Auffällig war auch, dass an Fasnet Gaststätten geschlossen haben. Gaststätten gehören zur Fasnet dazu. Da habe ich mit zunehmendem Alter gemerkt, dass das nicht mehr so passt.

Sind Sie also erst nach Ihrer aktiven Narrenzeit zu der Buchidee gekommen...?

Ja. Ich bin eigentlich aus Immendingen und durch meinen Freundeskreis nach Zimmern gekommen und dort dann auch zur Fasnet. Nachdem ich dann nicht mehr beansprucht war, aktiv mitzumachen, hat sich durch einen Zufall ergeben, dass mir Friedhelm Gut diese Unterlagen und Aufzeichnungen gegeben hat. Ich habe das alles gesichtet, durchgelesen und fand das unheimlich spannend, da ich mich auch sonst für historische Themen interessiere, nicht nur für die Fasnet. Ich hab das dann eingescannt und bearbeitet und von einem Verlag drucken lassen.

Kann man das Buch irgendwo erwerben?

Das ist keine kommerzielle Geschichte. Wir haben eine Auflage von 50 Exemplaren gemacht und an Interessenten verteilt. Im Moment wird aber nicht diskutiert, eine weitere Auflage drucken zu lassen.

Wo haben Sie das Material für das Buch hergenommen?

Ich habe Leute angesprochen, aber es sind auch Leute auf mich zugekommen. In der Hauptsache sind die Unterlagen von Friedhelm Gut. Der hat natürlich auch ein Interesse daran gehabt, dass etwas von seinem Vater in Erinnerung bleibt, der in den Anfängen der Fasnet eine treibende Kraft war. Dieser Robert Gut taucht auch im Buch immer wieder auf. Und von diesen Personen habe ich auch die vielen Bilder bekommen. Zwei Jahre lang habe ich gesammelt, alles gesichtet und gebraucht, das Buch auf die Beine zu stellen.

Wenn Sie sich für das Historische und Traditionelle der Zimmerer Fasnet interessieren – was ist denn das typische Merkmal der Fasnet in Zimmern?

Die heutige Zeit möchte ich nicht bewerten. Das, was mir hier an dieser Historie gefällt, ist: Die Fasnet wurde ausschließlich im Ort gemacht, mit Ausnahmen. Dann ging man noch nach Immendingen und sonst nirgendwohin. Vielleicht mal nach Möhringen. Und es waren weniger Leute involviert, aber das ganze Dorf war dabei – jung und alt. Die Fasnet hatte damals schon ein hohes Niveau ohne technische Mittel. Und das ohne E-Mail und Telefon. Die Leute mussten in die Gaststätten kommen, um sich über den Ablauf der Fasnet zu informieren.

Gibt es einen bestimmten Brauch in der Zimmerer Fasnet, den es sonst nirgendwo gibt?

Die Vorführungen auf dem Rathausplatz gab es damals schon und sind auch heute noch so. Das Fasnets-Antrommeln am Fasnetmontag morgens um vier in der Frühe hat es lange gegeben, wird aber heute nicht praktiziert.

Aus welchem Grund reicht der Bildband nur von 1948 bis 1970 und nicht darüber hinaus bis heute?

Weil ab 1970 Schluss war mit den Zimmerer Teufeln und es erst 1980 wieder weiter ging. Das habe ich auch schon im Computer drin, aber dann wäre das Buch doppelt so dick geworden. Das ist eine andere Geschichte.

Hat die Fasnet in Zimmern zwischen 1970 und 1981 geruht?

Nein. Nicht die Fasnet, nur die Teufel. Das war 1970 fertig. Dann gab es zehn Jahre keine Teufel, weil es in Zimmern einfach kein Interesse mehr daran gab. Und 1980 wurde dann die Teufelsbrut gegründet, da war ich sogar Gründungsmitglied.

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