Ein Badhaus unter Denkmalschutz?

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 Ist das kleine Gebäude neben dem Immendinger Bahnhof ein altes Badhaus, das zu erhalten ist? Das prüft derzeit das Denkmalamt.
Ist das kleine Gebäude neben dem Immendinger Bahnhof ein altes Badhaus, das zu erhalten ist? Das prüft derzeit das Denkmalamt. (Foto: Christian Gerards)
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Der Projektentwickler Adventus feiert am Freitag, 19. Oktober, um 16 Uhr mit mehr als hundert geladenen Gästen die Einweihung seines neuen Standorts in Immendingen. Das Unternehmen, das das Bahnhofsareal überplanen möchte, hat das alte Daimler-Forum an der Bachzimmerer Straße übernommen (wir berichteten). Aktuell muss sich Adventus aber auch mit dem Denkmalamt beschäftigen.

Adventus hat bereits sein Wohnbauprojekt in Hintschingen vorgestellt. Dort soll auf dem Gelände des ehemaligen „Hirschen“ ein Mehrfamilienhaus mit 17 Wohneinheiten entstehen (wir berichteten ebenfalls). In Sachen „Quartier Bahnhofstraße“ laufen derzeit die Planungen im Hintergrund auf Hochtouren. Das Areal soll ein Hotel, Gastronomie, Nahversorger, Ladenflächen, Büros, Praxen und betreutes Wohnen mit gesamt rund 10 000 Quadratmetern an Wohn- und Nutzfläche erhalten.

Allerdings hat sich nun das Denkmalamt des Regierungspräsidiums Freiburg eingeschaltet. Zwischen den beiden Häusern, die Adventus bereits links vom Bahnhof erworben hat, steht möglicherweise ein altes Badhaus, das erhaltenswert ist. „Es geht nun darum, dies zu verifizieren“, sagt Adventus-Geschäftsführer Ove Johannsen im Gespräch mit unserer Zeitung am Donnerstag.

Sollte das Denkmalamt zu dem Ergebnis kommen, dass das kleine Gebäude bestehen bleiben soll, dann würde es die Fläche, auf der ein Hotel entstehen soll (wir berichteten), deutlich verkleinern. „Der Denkmalschutz hat seine Bedeutung. Das ist kein Grund für uns, zu schimpfen. Wir müssen mit den Rahmenbedingungen umgehen“, sagt Johannsen. Wenn das Ergebnis negativ ausfalle, dann sei Adventus allerdings in der Gestaltung des Grundstücks freier. Aktuell muss der Projektentwickler nach den neuen Erkenntnissen auf das Denkmalamt zugehen. Erst dann ist ersichtlich, wann mit einer Entscheidung zu rechnen sein wird.

Vor Ort Präsenz zeigen

Das hindert Adventus aber nicht daran, die Planungen für das Quartier weiter voranzutreiben. Schließlich soll an der Bahnhofstraße ein Ensemble entstehen, das in sich stimmig ist und das Straßenbild belebt. Dazu müssen die Nutzungskonzepte austariert werden: „Das fällt in der Öffentlichkeit nicht immer auf, und man kann es auch nicht immer offen erklären. Aber wir sind dran“, sagt Johannsen.

Mit der Eröffnung des Büros in Immendingen geht Adventus derweil einen neuen Weg. Schließlich ist es das erste jenseits des Stammsitzes in Bühl. „Wir wollen damit zeigen, dass wir vor Ort präsent sind und das Büro als Kontaktpunkt für die Bevölkerung nutzen“, sagt Johannsen. Damit steht es in guter Tradition zum Daimler-Forum, in dem der Sindelfinger Automobil-Konzern Daimler in den vergangenen Jahren kontinuierlich über die Entwicklung seines Prüf- und Technologiezentrums auf dem Gelände der ehemaligen Oberfeldwebel-Schreiber-Kaserne informiert hat. Bei der Eröffnung werden auch Immendingens Bürgermeister Markus Hugger und Philipp Hilsenbek, Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik bei der IHK, sprechen. „Es ist schon eine Herausforderung, einen zweiten Standort aufzubauen und ans Laufen zu bringen“, sagt Johannsen.

Personelle Aufstockung

Aktuell versucht Adventus seine Infrastruktur in Immendingen aufzubauen. Dazu zählen auch die Mitarbeiter, von denen schon zwei angestellt werden konnten. Aber damit soll nicht Schluss sein. Der Projektentwickler sucht noch Bauingenieure und technisches Personal, um für die zukünftigen Aufgaben gerüstet zu sein. „Wir sind daran interessiert, neben dem Quartier und dem Wohnhaus in Hintschingen weitere Projekte in der Region zu verwirklichen.“ Dazu habe es bereits unterschiedliche Gespräche, etwa in Radolfzell und Engen, aber auch in Tuttlingen, gegeben.

Auch sei ein Car-Sharing-Modell für Gewerbetreibende mit E-Autos denkbar. Schließlich würden die meisten Fahrten nur eine kurze Strecke überbrücken, was für die E-Mobilität auch aus finanziellen Gründen spreche. Johannsen denkt dabei an Tuttlingen, den Daimler-Standort und an das Immendinger Gewerbegebiet Donau-Hegau.

Förderung vom Bundeswirtschaftsministerium

Der Projektentwickler Adventus hat eine Förderung vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen des Förderprogramms „Wärmenetzsysteme 4.0“ erhalten. Damit werden Machbarkeitsstudien zu innovativen Gesamtsystemen im Bereich der Wärmeinfrastruktur unterstützt. Das Unternehmen, das ursprünglich aus dem Energiesektor kommt, möchte in Zusammenarbeit mit dem Energieversorger Eon in dem Projekt „Nachhaltige Stadtquartiere Immendingen“ eine Energielösung erarbeiten, die auf erneuerbaren Energien basiert und diese effektiv verknüpft.

„Das geplante Leuchtturmprojekt soll die Transformation einer Gemeinde zu einem bundesweit bekannten Technologiestandort demonstrieren und zu einem Modell für die urbane Energiewende werden“, steht in der aktuellen Adventus-Broschüre zum „Quartier Bahnhofstraße“. Die Idee besteht aus der wissenschaftlichen Untersuchung zu sogenannten bidirektionalen Niedrigtemperatur-, Wärme und Kaltnetzen.

Diese seien laut Adventus-Geschäftsführer Ove Johannsen in Schweden als Insellösungen bereits in Betrieb. Für Immendingen sollen solche Inseln miteinander verbunden werden. Vor vier Wochen sei der Kick-off mit Eon für die Machbarkeitsstudie gewesen. Mit einem Ergebnis rechnet Johannsen frühestens für Mitte des kommenden Jahres.

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