Bald gibt’s wieder Glanz im Gloria

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Seit vielen Jahren steht das ehemalige Lichtspielhaus Gloria im Immendinger Ortskern leer. Das wird sich nun ändern. Denn: Das Kleinod, das in den 50er-Jahren von einer Scheune zu einem Kino umgebaut wurde, wird nun eine Veranstaltungslocation.

Ein süßer Duft von frischem Popcorn erfüllt das Gloria. Im Eingangsbereich hängen noch alte Filmplakate. Der Ticketverkaufsschalter, an dem mehr als ein viertel Jahrhundert Eintrittskarten verkauft wurden, ist verwaist. Im ehemaligen Kinosaal berichten die Eigentümer Ove Johannsen und Gerd Paul vom Projektentwickler Adventus sowie der künftige Betreiber, Dirk Hetzer, was sie mit dem denkmalgeschützten Gebäude vorhaben.

Eines der ersten Themen in Immendingen, das Adventus beschäftigte, sei das Bahnhofsquartier gewesen, erinnert sich Johannsen. Bald darauf stellte sich eine entscheidende Frage. Gibt es Räumlichkeiten, die beispielsweise im Hotelbetrieb für Tagungen oder Veranstaltungen genutzt werden können? „So kamen wir zum Gloria“, fasst er zusammen.

Auch Bürgermeister Markus Hugger ist anwesend. „Seit acht Jahren begleitet mich das Gebäude in gewisser Weise schon“, erzählt er. Die Frage, die sich immer wieder aufs Neue stellte war: „Wie kann eine Revitalisierung gelingen?“ Er erinnert an Walter Kaiser. 1954 eröffnete dieser das Lichtspielhaus Gloria. Bis 1980 war das Kino in Betrieb. Auch danach hatte Kaiser Vorstellungen. „Herr Kaiser war ein leidenschaftlicher Tänzer“, sagt Hugger. Er hat die Räumlichkeiten zu einem Tanzlokal umgebaut. Zur Eröffnung kam es nie, da Kaiser verstarb.

Vereine und Firmen können Räumlichkeiten mieten

„Eine leerstehende Immobilie im Ortskern ist immer eine Herausforderung“, betont Hetzer. Es habe eine gewisse Zeit gedauert, ein Konzept zu erarbeiten. „Wir wollen verschiedene Handlungsbereiche abdecken“, sagt Hetzer, der auch die beiden Hotelneubauten in Immendingen und in Wehingen betreiben wird.

Zum einen sollen Vereine und Privatleute die Räumlichkeit für Versammlungen oder Jubiläen mieten können. Zum anderen sei geplant, dass Firmen das Gebäude nutzen, etwa für Hausmessen oder Meetings, sagt Hetzer. Als weiteres Standbein wolle man Veranstaltungen organisieren und abwickeln.

„Wir sind dabei, ein Kulturprogramm zusammenzustellen“, schildert Hetzer. Ab Herbst soll dieses anlaufen. Vorgesehen sind Genres von Theater über Kino und Buchbesprechungen bis hin zu Konzerten und Poetry-Slams, erklärt Betriebsleiterin Mona-Lisa Müller. Sie wird unter anderem die Organisation des Gloria übernehmen und Ansprechpartnerin für Künstler und Gäste sein. „Wir versuchen, jedem etwas zur Verfügung zu stellen. Die Kultur soll alle erreichen“, sagt sie.

Zwei bekannte Künstler gestalten Eröffnung mit

„Der Anteil an Vermietungen wird vermutlich höher sein“, schätzt Hetzer die Lage ein. Aus Erfahrung wisse er, dass die Nachfrage nach Räumlichkeiten in der Größenordnung des Gloria – bis 120 Personen – sehr gefragt sei. Was die Verpflegung angeht hat der Hotel- und Gastronomiefachmann ebenfalls vorgesorgt. „Es wird eine Empfehlungsliste von Caterern geben“ – sowohl für „einfache als auch gehobenere“ Küche. Auch die Hirsch-Brauerei aus Wurmlingen sei mit an Bord.

„Ab September wollen wir die Kulturlandschaft im Kreis Tuttlingen erweitern“, erläutert Stefan Fennrich. Er ist Kulturbotschafter im Team von Dirk Hetzer. Er befinde sich in Gesprächen mit zwei bekannten Künstlern, die die Eröffnungsveranstaltung mitgestalten werden, sagt Fennrich und nennt die Namen Berivan Kaya (Tatort-Schauspielerin) und Wolfgang Gleixner (Blue Man Group).

Als Nächstes soll der Fassade des Gloria zu neuem Glanz verholfen werden. Johannsen erklärt, dass der obere Teil – der jetzt rosa und verblichen wirkt – mit einem dunklen Rot angestrichen werden soll. Die Leuchtschrift „Gloria“ erstrahlt nach Möglichkeit wieder in blau, so wie damals. Im Inneren wird derzeit an einer Künstlergarderobe gearbeitet. Außerdem befinde man sich in Gesprächen mit dem Nachbarn, sagt Paul. Denn: Bisher ist der Eingang zum Gloria nicht barrierefrei. Im Eingangsbereich sei eine Rampe schwer umzusetzen, da diese ein bestimmtes Gefälle voraussetze, erläutert er. Denkbar sei es, seitlich bei den Notausgängen eine Rampe einzurichten.

Bevor im Herbst das Kulturprogramm startet, soll das Gloria im Mai eröffnet werden. „Für Immendingen hat das Lichtspielhaus eine große Bedeutung“, betont Hugger und ergänzt: „Viele Immendinger haben viele Erinnerungen an dieses Gebäude. Ich bin gespannt, wie den Räumlichkeiten Kultur und Leben eingehaucht wird.“

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