Badhaus? Waschhaus? Kulturdenkmal!

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 Bei diesem Objekt, das aussieht, wie ein Schuppen, handelt es sich um ein Kulturdenkmal. Darin soll sich das Waschhaus des Lokf
Bei diesem Objekt, das aussieht, wie ein Schuppen, handelt es sich um ein Kulturdenkmal. Darin soll sich das Waschhaus des Lokführers in Immendingen befunden haben. Es soll aber auch als Holzschuppen genutzt worden sein. (Foto: Christian Gerards)
Linda Seiss

Auf dem Immendinger Bahnhofsareal steht ein kleines, unscheinbares Gebäude. Es gleicht mehr einem Schuppen als einem Haus. Bezugnehmend auf unsere Berichterstattung darüber, dass es sich dabei vermeintlich um das ehemalige Badhaus handeln könnte und vom Denkmalamt geprüft werde, ob es sich um ein schützenswertes Gebäude handelt, meldeten sich einige Immendinger zu Wort.

Wie von einigen alteingesessenen Immendingern zu erfahren ist, steht das ehemalige Badhaus schon gar nicht mehr. „Das Eisenbahnerbad wurde bereits abgerissen“, berichtet Hubert Rapp. Er ist ehemaliger Bahnbeamter und verkaufte damals auch Karten für das Bad. „Da mein Vater Bahnbeamter war und ich in einer Wohnung ohne Bad groß geworden bin, haben wir diese Bademöglichkeit regelmäßig genutzt“, schildert eine weitere Person. An der Stelle, an der einst gebadet wurde, befinden sich mittlerweile Garagen. Die beiden Häuser gegenüber dienten, so berichtet der ehemalige Bahnbeamte weiter, als Wohnraum und als Bürogebäude für die Bahnmeisterei.

Diente das Gebäude nur als Holzschuppen?

„Das Gebäude dazwischen ist nur ein Schuppen“, ist aus einer anderen Quelle zu erfahren. Das kleine Gebäude diente demnach als Holz- und Kohleschuppen für die Wohnungen nebenan. „Ein Bad war da nicht drin. Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Rapp und verweist darauf, dass ein Bad damals ja angeheizt werden musste.

Auf Nachfrage beim Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart ist zu erfahren, dass im Mai dieses Jahres das Gebäude bei einer Begehung auf seine Kulturdenkmaleigenschaft geprüft wurde. Im Rahmen dieser Begehung wuchs die Erkenntnis, „dass es sich um ein Gebäude des Typus ,Waschhaus’ handelt.“ Weiter heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung, „dass es zu den Hochbauten des Bahnhofs Immendingen und damit der Schwarzwaldbahn, also um Teile der ,Sachgesamtheit Badische Schwarzwaldbahn’ gehört. Somit handelt es sich um ein Kulturdenkmal.“

Doch kann es sein, dass gegenüber des Badhauses noch ein Waschhaus stand? Licht ins Dunkel bringt die Auskunft einer weiteren Frau, die einmal selbst in einem der beiden Häuser gewohnt hat: „In der Mitte des Hauses war ein Waschraum, daneben befanden sich Holzschöpfe“, erklärt sie.

Ganz sachlich geht Ove Johannsen, Geschäftsführer des Projektentwicklers Adventus, der auf dem Gelände neben dem Immendinger Bahnhof ein Hotel errichten will (wir berichteten mehrfach), mit dieser Gegebenheit um. „Die Behörde hat die Stellungnahme abgegeben, um die wir sie gebeten hatten“, erklärt er. Bei den planerischen Überlegungen gehe es jetzt darum, zu erarbeiten, was dieser Sachverhalt für die Bebaubarkeit des Areals bedeute. Das Ziel müsse eine vernünftige Bebauung sein, betont er.

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