1985/86: Brandserie erschüttert Immendingen

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Simon Schwörer

In der Nacht auf den 17. August 1985 leuchtet über Immendingen der Himmel blutrot. Wie schon zwei Wochen zuvor, steht die Immendinger Gießerei und Maschinenfabrik in Flammen. Entdeckt wird der Brand von einer Streife der Polizei Tuttlingen, die um 2.40 Uhr morgens an dem Areal vorbeifährt.

Die Beamten setzen einen Notruf ab. Nach sieben Minuten ist die Immendinger Feuerwehr vor Ort. Doch kaum beginnt die Feuerwehr, den Brand zu löschen, ereilt sie der zweite Alarm: Brand im Betonwerk. Es rücken weitere Feuerwehren aus, aus Hattingen und Zimmern. Schließlich sind an diesem Samstagmorgen 65 Wehrmänner im Einsatz.

Als wäre es gestern gewesen, so erzählt Franz Dreyer von den Bränden. Der heute 73-Jährige war damals Hauptamtsleiter in Immendingen. Die Brände richteten wirtschaftliche Schäden von etwa 14 Millionen D-Mark in der Maschinenfabrik an und auch im Betonwerk Schäden in Millionenhöhe. Doch die Brände in der Maschinenfabrik und im Betonwerk waren keine Einzelfälle. Sie waren Höhepunkte einer Serie von Bränden in Immendingen. Zwischen dem 16. März 1985 und dem 22. Juli 1986 tobte in der Gemeinde ein Feuerteufel. In den Jahren 85 und 86 sei Immendigen von einer noch nie dagewesenen Brandserie heimgesucht worden, erinnert sich Dreyer.

„Löwen“ brennt nieder

Begonnen hatte alles mit dem Brand eines Ersatzteillagers in einem Autohaus. Besonders im Gedächtnis geblieben ist Dreyer aber bis heute auch der 4. August 1985, an dem das Gasthaus „Löwen“ vollständig niederbrannte. Es hätten gerade die Glocken zum Gottesdienst geläutet, da habe das Gasthaus in Flammen gestanden. Das Gebäude konnte nicht mehr gerettet werden und brannte aus.

Die Brände hätten viel Unruhe unter den Bürgern von Immendingen ausgelöst. „Es ging der Bevölkerung sehr nahe“, erinnert sich Dreyer. „Viele konnten nicht mehr ruhig schlafen.“ Das auch deshalb, weil die Brandstellen in der gesamten Gemeinde verteilt waren. Auch der Feuerwehr hätten die Brände viel abverlangt: Egal ob Kellerbrand, der Brand in einem Vereinsheim oder das letzte Feuer, das der Brandstifter am 22. Juli 1986 in einem Rohbau legte. „Diese Brandserie war eine noch nie gekannte Katastrophe“, sagt der ehemalige Hauptamtsleiter.

Brandstifter kann nicht gefunden werden

Trotz intensiver Ermittlungen konnte die Polizei damals den Brandstifter nicht dingfest machen. Auch die erhöhte Präsenz vor Ort mit Streifen führte nicht zum Täter. Bis heute sei der Feuerteufel nicht ermittelt, sagt Dreyer. Positiv sei immerhin, dass bei der Brandserie keine Menschen zu Schaden gekommen seien. „Der Brandstifter ging vorwiegend an Objekte, die nicht bewohnt waren.“

Die Maschinenfabrik erlitt nach dem Brandschaden einen Produktionsausfall. 1989 meldete sie Konkurs an, laut Dreyer aber nicht aufgrund des Brandes. Von der mehrere Hektar großen Fläche, auf der die Fabrik stand, ist heute nur noch das Verwaltungsgebäude, das „Untere Schloss“, übrig. Der Rest der Anlage wurde zurückgebaut. Dort stehen heute Mehrfamilienhäuser.

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