Zwei große Ehrungen für Eduard Spreitzer

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Redaktionsleiterin

Gleich zwei große Ehrungen hat der Seniorchef der Gruner AG, Eduard Spreitzer, am Freitag entgegen nehmen können: Die Staufer-Medaille des Landes Baden-Württemberg und die Ehrenbürgerwürde seiner Heimatgemeinde Wehingen. Und man konnte sich im Verlauf der Reden und Gratulationen nicht so recht entscheiden, was höher wiegt: die Achtung vor dem Lebenswerk, vor dem gesellschaftlichen Engagement, dem Mäzenatentum, oder die Wertschätzung der uneitlen, freundlich-selbstbewussten Persönlichkeit.

Einer war jedenfalls restlos begeistert, und die Reden waren ihm egal: Moritz, der kleine Enkel, setzte mit einem begeisterten „Opa!“ an, zum Rednerpult zu laufen, als der Geehrte sein Schlusswort sprach. – Um dann aber wegen eines lauten Beifalls doch neben seiner großen Schwester Charlotte schnell wieder in Deckung zu gehen.

Hohe Voraussetzungen

Zahlreiche Ehrengäste waren in die Aula der Schlossbergschule gekommen, darunter auch Familienangehörige, Wegbegleiter, Mitarbeiter, Freunde. Die Staufermedaille überreichte Justiz- und Europaminister Guido Wolf (CDU). Die Voraussetzungen, diese Ehre als Anerkennung der Verdienste um das Gemeinwohl zu erhalten, seien sehr hoch sagte er. „Es scheint, als hätte man diese Voraussetzungen eigens für Sie geschrieben.“

Wolf vollzog Spreitzers Leben nach, im Krieg geboren, geflohen, als begnadeter Ausbilder tätig, angestellter Geschäftsführer und schließlich als Firmenchef. Damals einer Firma, die zehn Millionen DM Umsatz hatte, heute liegt dieser bei 100 Millionen Euro und Gruner hat weltweit 1200 Mitarbeiter. „Verantwortung zu übernehmen, das ist Ihr Markenzeichen.“

Auch Bürgermeister Gerhard Reichegger ging darauf ein, dass Spreitzer Gründungsmitglied des Fördervereins Fronhofer Kirche war, des Tennisclubs Heuberg, durch große Spenden an dem Projekt zur Erhaltung der Urkirche des Heubergs teil hatte, ebenso am Hochschulcampus Tuttlingen, der die Wehinger Vereine unterstützt, das Kunstwerk von Gabi Weiss in der Schlossberghalle ermöglichte und jetzt auch noch ein Hotel baut - aus purer Einsicht in die Notwendigkeit. Spreitzer habe, so Wolf, „eine persönliche Leidenschaft fürs Möglichmachen“ und er sei - auch im Hinblick auf seinen europäischen Geist - „dem Ideal des Staatsbürgers gerecht und somit auch ein Vorbild geworden.“

„Es trifft wahrhaft den Richtigen“

„Da trifft es wahrhaftig einen Richtigen“, sagte Volker Kauder in seinem Grußwort und zitierte Erwin Teufel, der einmal gesagt habe, es gebe nichts Größeres, als Ehrenbürger zu werden, wo einen alle kennen und doch der Gemeinderat einstimmig dafür stimmt. Spreitzer sei auch bei Anliegen stets ansprechbar gewesen. „Er hat es nie als selbstverständlich betrachtet, dass er es so weit gebracht hat.“ – „Ich bin dankbar, dass es dich gibt, als Unternehmer, Bürger und Freund.“

Der frühere Sparkassenchef Ortwin Guhl hielt ein Referat über den Zerfall der marktwirtschaftlichen Moral, den Verlust des Leitbilds des ehrlichen Kaufmanns und zeichnete Spreitzer quasi als Gegenbild zu den Automobiltricksern und Bankenzockern. „Wirtschaft ist auch ein Kulturgut“, sagte Guhl. Über diese tieferen Grundlagen des eigenen wirtschaftlichen Handelns sei er mit Spreitzer des Öfteren im Austausch gewesen in den Jahrzehnten der Zusammenarbeit.

In seiner Dankensrede erinnerte Spreitzer an die Anfänge, als er in der Gruner AG eingestiegen ist, und die wegweisenden Weichenstellungen. Damals habe es noch 14 Relaishersteller gegeben, heute nur noch einen – gegen den technischen Wandel. Und das durch eine konsequente Einstellung auf zukunftsweisende Nischen hin zur Weltmarktführerschaft in Zukunftstechnologien. Er dankte allen, die gekommen waren, und mit ihm feierten. Er dankte der Pianovirtuosin Henriette Gärtner, die mit ihrem meisterhaften Spiel dem Klassikliebhaber eine ganz besondere Freude machte und dem Abend einen besonderen Glanz verlieh.

Er dankte aber vor allem seiner Frau Maja, die stets an seiner Seite gewesen war und auf vieles verzichtet habe.

Maja Spreitzers Wirken war auch zuvor immer wieder Thema gewesen - und gleich mehrere Blumensträuße der sichtbare Ausdruck der Würdigung.

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