Wehinger sind sanierungslustig

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 Die Ortsmitte ist nun Sanierungsgebiet bis 2027 beziehungsweise 2029. Der Gemeinderat hat die Satzung beschlossen.
Die Ortsmitte ist nun Sanierungsgebiet bis 2027 beziehungsweise 2029. Der Gemeinderat hat die Satzung beschlossen. (Foto: Gerhard Plessing Flug & Bild)
Redaktionsleiterin

30 Prozent der Sanierungskosten als Zuschuss bei einer gedeckelten Zuschusssumme von 35000 Euro und mindestens 10 000 Euro Investition oder 100 Prozent der Abbruchkosten – darauf können sich im neuen Wehinger Sanierungsgebiet sanierungs- und bauwillige Hausbesitzer freuen. Die Räte beschlossen in ihrer jüngsten Sitzung die Rahmenbedingungen für das Gebiet, das bis 2027, verlängert bis 2029 als Sanierungsgebiet laufen soll. Der bewilligte Förderrahmen ist zwar nicht so hoch wie erhofft, aber man rechne mit Aufstockungen, so Karl-Christian Fock von der LBBW Immobilien Kommunalentwicklung in Donaueschingen im Rat.

Gut die Hälfte der Gebäudebesitzer, nämlich 56 Prozent, im Wehinger Ortskern haben sich an der Befragung durch die Kommunalentwicklung zum neuen Sanierungsgebiet beteiligt, davon planen rund 69 Prozent bereits konkrete Modernisierungs- oder Umbaumaßnahmen und rund 16 Prozent wollen ihr altes Gebäude abreißen und etwas Neues bauen. Das erfuhren Gemeinderat und Zuhörer in der jüngsten Wehinger Ratssitzung. Der Tagesordnungspunkt begann ein wenig kurios, denn sieben der 14 Räte mussten sichtbar vom Tisch abrücken und durften nicht mitsprechen, denn sie sind befangen.

Der Ortskern von Wehingen ist überwiegend mit historischer Bausubstanz bebaut, der Charakter der Sanierung soll erhaltend sein. Über ein Viertel der Gebäudebesitzer sagten, ihr Gebäude sei zwischen 1800 und 1900, 33 Prozent zwischen 1900 und 1948 gebaut.

Defizite bei der Gastronomie

Gefragt wurde auch nach Störendem und Wünschen. Dabei fühlten sich rund 67 Prozent durch Lärm, vor allem durch den Verkehr, beeinträchtigt, verbessert werden solle die Verkehrssituation samt Parken, mehr Wohnungen und Grünflächen wurden gewünscht und überhaupt das Aufwerten des Ortskerns etwa durch einen Wochenmarkt. Starke Defizite stellten die Befragten im Bereich der Gastronomie fest.

Die privaten Vorhaben sind mit einem Umfang von 1,5 Millionen Euro kalkuliert. Dazu kommen „Ordnungsmaßnahmen“, also Kosten der Gemeinde für das Bauser-Linse-Areal, das Rathaus, die Neugestaltung des Verkehrsknotens zum Kreisverkehr – so ist es angedacht – Seitenbereichsgestaltung, den Abbruch der alten Festhalle und vieles mehr mit 1,7 Millionen Euro. Die zugesagten Landeszuschüsse decken nicht den ganzen Umfang der geplanten Maßnahmen ab, aber die Räte verpflichten sich notfalls zur Eigenfinanzierung der Gemeinde von 170 000 Euro pro Jahr bis 2027, wobei aber mit Aufstockungen gerechnet wird.

Die Räte beschlossen formal die Sanierungsziele: Stärkung der Ortsmitte, Brachen beziehungsweise Leerstandsentwicklung, Schaffung von Barrierefreiheit, Modernisierung der Bestandsgebäude, Aufwertung des öffentlichen Raums und des Rathauses. Das Ganze soll im Vereinfachten Verfahren ablaufen, weil mit Bodenspekulationen oder großen sanierungsbedingten Bodenwertsteigerungen nicht gerechnet wird.

Wie alles genau funktioniert, wie Eigenleistungen einbezogen werden und mehr soll in einer weiteren Informationsveranstaltung vermittelt werden, so Bürgermeister Gerhard Reichegger.

Im selben Tagesordnungspunkt stimmten die Räte dafür, einen Architektenwettbewerb mit zehn Teilnehmern zu beauftragen. Architekt Thomas Hirte, der auch den Architektenwettbewerb für die Schlossberghalle organisiert hatte, wird auch diesen begleiten.

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