Wehingen: Partnerschaftsjubiläum stärkt auch Europa

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2 Männer im Anzug halten eine Skulptur in der Hand
Yannik Borde überreicht eine Plastik eines Künstlers, der im neu geschaffenen Kulturzentrum in St. Berthevin arbeitet. (Foto: Richard Mossbrucker)
Schwäbische Zeitung

Wehingen war vor 50 Jahren die erste Gemeinde im Kreis Tuttlingen, die eine Partnerschaft mit einer französischen Gemeinde, St. Berthevin, eingegangen ist. Am Wochenende wurde das Jubiläum in Wehingen groß gefeiert.

Unser Mitarbeiter Richard Moosbrucker hat einigen verantwortlichen Franzosen und dem Vorsitzenden des Partnerschafts-Komitees, Thomas Dietmann, zwei Fragen zum Thema „Vereintes Europa“ gestellt.

Die erste Frage war: "Was meinen Sie: Kann die Partnerschaft zwischen Wehingen und St. Berthevin zu einem geeinten Europa beitragen?"

Die zweite Frage war: "Macht ein vereintes Europa überhaupt noch Sinn?"

Das sagten die Befragten dazu:

Yannick Borde - Bürgermeister von St. Berthevin

 Yannick Borde
Yannick Borde (Foto: Richard Moosbrucker)

1. Dieses Jubiläum erlaubt uns festzustellen, dass sich die Bürger auf beiden Seiten immer näher kommen. Das ist gut für die europäische Konstruktion. Die Partnerschaft ist ein gutes Mittel für uns alle, ein gemeinsames Europa zu stärken.

2. Wir müssen lernen, alle Unterschiedlichkeiten zwischen den europäischen Ländern in unsere Arbeit miteinzubeziehen und nach gemeinsamen Lösungen suchen. Das gilt für wirtschaftliche wie auch für soziale Themen. Dies alles bereichert uns und gibt uns Kraft.

Jean Chauvin - einer der aktivsten Mitglieder der Franzosen hinsichtlich seiner Bemühungen um die Partnerschaft.

 Jean Chauvin
Jean Chauvin (Foto: Richard Moosbrucker)

1. Wenn ich das nicht meinen würde, wäre ich nicht seit 48 Jahren aktives Mitglied im Partnerschafts-Komitee und hätte ich nicht 28 Jahre lang den Schüleraustausch geleitet.

2. Ein vereintes Europa ist mehr denn je nötig, weil die Nationalisten wieder an Einfluss gewinnen.

Camille Monier - einer der eifrigsten Förderer der deutsch-französischen Freundschaft, der unermüdlich für die Jumelage arbeitet.

 Camille Monier
Camille Monier (Foto: Richard Moosbrucker)

1. Ich bin mir ganz sicher, dass diese Jumalage zwischen St. Berthevin und Wehingen einen wichtigen Beitrag für Europa leistet.

2. Ein vereintes Europa zu schaffen ist ein hoch gestecktes Ziel. Aber wir müssen uns anstrengen und uns ständig annähern, dass wir erreichen, was wir uns vorgenommen haben.

Didier Maignan - Bruder von Nicole Denkinger, die als erste Frau aus St. Berthevin mit Erwin Denkinger in den Ehestand getreten ist.

1. Ich glaube schon, aber es ist nur ein kleiner Schritt.

2. Ich bin zu hundert Prozent ein überzeugter Europäer.

Joseph Moussu - der Kameramann der Franzosen, der alles mit seiner Kamera festhält.

 Joseph Moussu
Joseph Moussu (Foto: Richard Moosbrucker)

1. Ich bin absolut überzeugt, dass sich die Menschen in Europa näherkommen und sich besser kennen lernen. Diese Erfahrung durfte ich persönlich bei meinen Reisen nach Wehingen machen.

2. Man muss den europäischen Prozess fortsetzen. Dazu sind Menschen erforderlich, die die europäische Idee noch mehr unterstützen.

Thomas Dietmann - ist Vorsitzender des Wehinger Partnerschaftskomitees.

 Thomas Dietmann
Thomas Dietmann (Foto: Richard Moosbrucker)

1. Die Partnerschaft zwischen St. Berthevin und Wehingen Begegnungen findet auf verschiedenen Ebenen statt - insbesondere im sportlichen und musikalischen Bereich. So kann eine breite Bevölkerungsgruppe erreicht werden. Dabei denke ich vor allem an jüngere Teilnehmer, die im Alltag oftmals kaum Berührungspunkte mit der Geschichte Europas oder Europapolitik haben. Partnerschaften wie diese bilden Brücken zu unseren europäischen Nachbarn.

2. Es gibt viele gute Gründe für ein vereintes Europa. Der bedeutendste Grund ist die Tatsache, dass wir dank der Europäischen Union seit 70 Jahren in Frieden leben dürfen. Ein geeintes Europa stärkt zudem die Wirtschaft, die EU setzt sich für eine saubere Umwelt ein und erleichtert das Reisen. Besonders den letztgenannten Aspekt weiß ich sehr zu schätzen. Ein Europa ohne Grenzkontrollen war ein lange gehegter Traum, der 1995 realisiert wurde und es uns allen ermöglicht, die kulturelle Vielfalt unseres Kontinents zu entdecken.

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