SVG braucht Zeit, aber es wird auch Zeit

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Zum Niederknien? Bisher mussten die meisten Gegner in der Bezirksliga die Überlegenheit des SC 04 Tuttlingen (Carlos Hehl und Jo
Zum Niederknien? Bisher mussten die meisten Gegner in der Bezirksliga die Überlegenheit des SC 04 Tuttlingen (Carlos Hehl und Joshua Woelke, von links) anerkennen. Der SV Gosheim ist zwar noch ohne Sieg, will dies im Kreisduell mit den Donaustädtern aber ändern. (Foto: HKB)

Die Tabelle lügt nicht: Stimmt diese Fußball-Floskel, dann sind die Kräfteverhältnisse in der Fußball-Bezirksliga Schwarzwald zwischen dem Drittletzten SV Gosheim und dem SC 04 Tuttlingen (Sonntag, 15 Uhr) klar verteilt. Gäste-Trainer Ertan Tasdemirci traut dem Ganzen allerdings nicht.

„Das wird ein schweres Spiel. In Gosheim war es nie leicht, zu gewinnen. Und es wird auch nie leicht werden“, sagt Tuttlingens Coach, der davor warnt, den SVG zu unterschätzen. Zwar haben die Heuberger unter dem neuen Trainer Adem Sari noch kein Ligaspiel gewonnen. In den vergangenen beiden Partien gegen Bochingen und Bösingen/Beffendorf (jeweils 1:1) reichte es zweimal zu einem Punktgewinn. „Gosheim wird Schritt für Schritt stärker. Ich sehe den SVG verbessert gegenüber den ersten Spielen. Unter einem neuen Trainer braucht es eine gewisse Zeit“, erklärt Tasdemirci und erinnert sich an die Vorsaison.

Tasdemirci bemängelt Tuttlinger Chancenverwertung

Nach dem Abstieg aus der Landesliga hatte er die Donaustädter auch neu übernommen und war mit drei Punkten aus vier Spielen ebenfalls eher mäßig in die Saison gestartet. Ein Jahr später läuft es beim SC 04 rund. Mit 16 von 18 möglichen Punkten führt Tuttlingen nicht nur unbesiegt die Tabelle an, sondern stellt auch den treffsichersten Sturm und – zusammen mit dem SV Seedorf – die sicherste Abwehr. Trotz der Top-Werte ist Tasdemirci nur bedingt zufrieden. „Die Automatismen gegen den Ball funktionieren. Für unser Spiel müssten wir aber mehr Tore schießen“, sieht er in der Chancenverwertung das Hauptmanko.

Nur beim SV Bubsheim (8:1) habe Tuttlingen seine Chancen auch in Treffer umsetzen können. „Wir verpassen es, das zweite oder dritte Tor nachzulegen und machen es uns dann selbst schwer“, moniert Tasdemirci und denkt an die knappen Siege gegen Seedorf (1:0) und Winzeln (3:2). Dort wäre das Auslassen guter Gelegenheiten fast mit Punktverlusten bestraft worden.

Die Konsequenz im Abschluss ist für Tasdemirci auch ein Schlüssel, um in Gosheim zu gewinnen. Er erwartet einen Gegner, der zunächst versucht, sicher in der Abwehr zu stehen. „Nach vorne hat der SVG mit Sebastian Nann, Ali Sari und vielleicht auch Adem Sari genug Qualität, um uns weh zu tun. Gosheim ist immer für Tore gut.“ Personell steht hinter Florin Ionel Tirca (Erkältung) noch ein Fragezeichen. Kevin Switalla hat sich im Pokal beim SV Tuningen (2:1) am Knie verletzt. Ihm droht eine längere Pause. „Wir hoffen, dass es nicht so schlimm ist“, sagt Tasdemirci.

SV Gosheim will sich nicht nach Gegner richten

Auch der SV Gosheim war unter der Woche im Pokal im Einsatz, unterlag dem SV Seedorf 0:2. „Die Leistung war in Ordnung. Wir haben aber zuviele Fehler gemacht. Deshalb ist der Seedorfer Sieg verdient“, meinte SVG-Spieler Dominik Klemm, dessen Einschätzung sein Trainer Adem Sari teilte. „Ich war mit der Leistung zufrieden“, sagte der Ex-Profi, der gegen Seedorf Spieler, die bisher nicht so zum Zug gekommen waren, auflaufen ließ. „Es war ein Test für das Tuttlingen-Spiel“, meinte Sari. Weil für die Partie gegen die Kreisstädter einige Akteure fraglich wären, hat der SVG-Coach gegen Seedorf Akteure auf neuen Positionen ausprobiert.

Eine Abkehr von seinem System wird es nicht geben. „Ich vertraue der Qualität meiner Spieler und bin kein Fan davon, mich nach dem Gegner zu richten“, sagt Sari. Gosheim werde sein Spiel durchziehen. Dies sei, so Klemm, offensiver ausgerichtet. „Unter Markus Federle waren wir eher auf Konter ausgerichtet. Jetzt gehen wir früher ins Gegenpressing, wollen den Gegner gar nicht so weit in unsere Hälfte kommen lassen.“ Mit der Systemumstellung habe sich Gosheim schwer getan, räumt Klemm ein. Zudem habe es einen Umbruch in der Mannschaft gegeben. „Aber so langsam greift ein Rad ins andere. Wir spielen besser“, ist der Gosheimer Kicker optimistisch, dass es bald häufiger Zählbares gibt. „Bei einem neuen Trainer braucht es seine Zeit. Aber es wird auch Zeit für den ersten Sieg“, sagt Sari. Damit würde sein Team die Tabelle Lügen strafen und Tasdemirci Recht geben. In Gosheim sei es nie leicht, zu gewinnen.

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