Rein optisch ist die Musik Helene Fischers in Ordnung

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 Rolf Miller in Aktion.
Rolf Miller in Aktion. (Foto: Moosbrucker)

Rund 250 Zuhörer haben am Samstagabend in der Schlossberghalle schon mächtig die Ohren spitzen müssen, um dem munteren Geplauder von Rolf Miller folgen zu können. Während einige über seine Kunst des Weglassens noch nachdenken mussten, um es zu kapieren, lachten andere frei heraus und freuten sich über das quirlige sprachliche Durcheinander dieses Dampfplauderers.

Die Spontanlacher müssen diejenigen gewesen sein, die seine schnoddrige Art schon adaptiert haben, andere lernten im Laufe des Abends, sich an den Schnellschwätzer zu gewöhnen – und so ließen auch sie sich von der Spontanität und seinem Sprachwitz anstecken. Seine Themen schlängeln sich durch die Erfahrungswelt eines guten Beobachters, die entsteht, wenn er bestimmte Mitmenschen und ihre Aussagen durch die Mangel nimmt, sie anspricht, um am Ende spitze Bemerkungen abzusondern, die teilweise recht skurril sind und durch leichte Wortmodifikationen auch lustig anmuten.

So kommt er beim Thema „italienische Küche“ auf mafiöse Strukturen zu sprechen, erkennt, dass Helene Fischers Musik rein optisch in Ordnung ist, oder identifiziert Justin Bieber als Bruder von Kevin Wiesel. Mario Gomez bekommt den Titel „Luftloch-Mario“ und Thomas Müller wird zum „Stocher-Thomas“ stilisiert. Seine Weisheit: Man darf nicht immer glauben, was man denkt. Leicht fußball-lastig nimmt er den Wunderdoktor Wohlfahrt auf die Schippe, dem man nachsage, dass er einen Rollstuhl nur durch Berühren repariert habe.

Seine Globuli-Interpretation als Pelikan-Patronen-Kügelchen sind Ausdruck seiner fantasiereichen Betrachtungsweise. Die Kanzlerin – „lebt sie noch?“ – bekommt ihr Fett weg und ihren möglichen Nachfolger Merz bezeichnet er als „Ratte, die zum sinkenden Schiff hinschwimmt“. Brexit sei ein Katzenfutter und die Titanic „sinks positiv“.

So reiht sich eine Pointe an die andere. Miller streift die E-Mobilität, lässt sich über Udo Lindenberg und Karl Lagerfeld aus, macht sich über die „Öko-Ingwer-Umwelt-Vegan-Gesichter“ lustig und spricht „fließend Blödsinn“. Über die Schweiz lästert er ab: „Ein Schritt über die Grenze, schon schmilzt der Geldbeutel“, und auch Bobbele Becker bekommt sein Fett ab, wegen seines „Besenkammer-Produkts“ und seiner Botschaftertätigkeit in Afrika. So quirlt es kurzweilig aus ihm heraus.

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