Maschinenfabrik Hermle solide aufgestellt

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Die weitläufigen Betriebsgebäude inmitten der Wohnbebauung zeugen von der enormen Expansion der Hermle AG.  Fotos: Franz Dreher
Die weitläufigen Betriebsgebäude inmitten der Wohnbebauung zeugen von der enormen Expansion der Hermle AG. Fotos: Franz Dreher (Foto: Fotos: Franz Dreher)
Franz Dreher

Tausende Besucher aus der ganzen Welt sind derzeit bei der Hermle AG in Gosheim zu Gast. Anlass ist die aktuelle Hausausstellung. Im Pressegespräch und dem anschließenden Rundgang ging es einerseits um die jüngst vorgestellten Zahlen, andererseits aber auch um neuer technische Entwicklungen und den Blick in die Zukunft.

Mit Stolz präsentiert Vorstandsmitglied Franz Xaver Bernhard der versammelten Fachpresse die führende Stellung im Bereich der Fünf-Achs-Bearbeitung. Mit großem Aufwand zeigen die Techniker im Vorführzentrum im Rahmen der Hausausstellung komplexe Fräsarbeiten, demonstrieren die weit fortgeschrittene Digitalisierung und Roboterbestückung in der Serienproduktion. Darüber hinaus wird die additive Fertigung mit einem Metallpulverauftrag neu ins Angebot aufgenommen. Ein echter „Hingucker“ ist ein aus einem Alublock heraus gefräster Bulle, wodurch der enorme Fortschritt der CAD-CAM Technik beispielhaft gezeigt wird.

Das Unternehmen konnte sein Betriebsergebnis um 13 Prozent steigern. Doch für die Zukunft fürchten die Gosheimer Fräsmaschinenhersteller einen drastischen Auftragsrückgang.

Hermle konnte sein Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern im vergangenen Jahr rund 112 Millionen Eurosteigern – eine Plus von 13 Prozent. Auch der Konzernumsatz wuchs parallel dazu auf den neuen Rekordwert von knapp 453 Millionen. Die Exportquote steigerte sich leicht auf 58,8 Prozent, wobei das Unternehmen künftig die Märkte in Asien und Südamerika verstärkt ins Visier nehmen möchte.

Die Kapazität im gesamten Berichtsjahr 2018 sei bis „zum Anschlag“ ausgelastet gewesen, so die Geschäftsführung. Diese volle Auslastung und ein technisch hochstehender Produktmix hätten sich positiv auf die Ertragslage ausgewirkt. Somit konnten die gestiegenen Rohstoffkosten ausgeglichen werden.

Ein weiteres Plus habe sich durch Währungsgewinne ergeben. Ein weiterer Sondereffekt ergab sich aus der im vergangenen Jahr vollzogenen Übernahme der restlichen 51 Prozent am gemeinsamen Unternehmen Hermle-Leibinger Systemtechnik GmbH (HLS), die eine Neubewertung der bereits im Besitz der Hermle AG befindlichen übrigen Anteile erforderlich machte. Der Konzern-Jahresüberschuss ohne den Bewertungseffekt sei von 73,3 Millionen auf 82,5 Millionen Euro angewachsen, teilt die Hermle-AG mit.

Mitarbeiterzahl ist weiter angestiegen

Angesichts dieser Gewinne werden Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung am 3. Juli eine unverändert hohe Dividende von 15,05 Euro je Vorzugsaktie und 15 Euro für eine Stammaktie vorschlagen. In die Rücklage wurden bereits 7,5 Millionen Euro eingestellt. Außerdem hat Hermle im letzten Jahr knapp 12 Millionen Euro in zwei größere Bauprojekte investiert, parallel dazu konnten die Blechbearbeitung und die spanende Fertigung modernisiert und ausgeweitet werden.

Zum Jahresende hat der Konzern 1251 Menschen beschäftigt, wobei der Anstieg hauptsächlich durch die Übernahme der HLS-Belegschaft und durch den Ausbau des Servicepersonals verursacht worden ist. Auf eine leicht erhöhte Prämie können sich die Beschäftigten nach der Dividendenausschüttung freuen.

China und Brexit bringen Unsicherheit

Dass es im laufenden Geschäftsjahr auf dem bisherigen Niveau nicht weitergehen kann, zeigen die verhaltenen Auftragseingänge im rauer gewordenen Geschäftsklima. Angesichts der Unsicherheiten des Handelskrieges zwischen den USA und China sowie dem Brexit kalkuliert die Geschäftsführung mit einem Rückgang des Auftragseinganges von rund 20 Prozent. Trotzdem hält man es für möglich, dass es wegen dem hohen Auftragsbestand aus dem Vorjahr noch eine stabile Umsatzentwicklung geben könnte.

Doch das Unternehmen sei darauf vorbereitet: Die Mitarbeiter seien mit entsprechenden Zeitkonten ausgestattet. Denn getreu der schwäbischen Maxime, würde man bei Hermle sagen: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.“ Benedikt Hermle erläuterte die technischen Neuerungen in der Produktion, der Materialwirtschaft und im Service, welcher im Konzern stark gewichtet ist. Im nun fertig gestellten Werk in Zimmern können nun alle benötigten Mineralgussteile selbst hergestellt werden.

Das junge Vorstandsmitglied gab bekannt, dass man die Fertigungstiefe steigern wolle, um von den Lieferanten unabhängiger zu werden. Ebenso plane man die Qualität noch mehr zu steigern und außerdem die Wertschöpfung zu erhöhen.

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