Pfarrer Uwe Stier.
Pfarrer Uwe Stier. (Foto: Markus Ulmer)
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„Wer macht denn heute noch so was?“ Das Thema beim Männervesper in Tailfingen ist ebenso ungewöhnlich gewesen wie der Vortrag von Pfarrer Uwe Stier, der sehr persönlich darüber berichtete, wie er zum Pfarrer wurde.

Wer sich zum 41. Männervesper des ökumenischen Arbeitskreises der Kirchen von Tailfingen im Foyer der Zollernalbhalle einfand, der erfuhr aus dem so persönlichen und zeugnishaften (Lebens-)Bericht von Stier, wie Gott auch heute Menschen in den Vollzeit-Dienst der Kirche führt.

Uwe Stier, geboren 1967 und aufgewachsen im Schatten der Kirche von Egesheim auf dem Großen Heuberg, ist seit Ende November 2018 Pfarrer an der Kirche St. Josef in Ebingen und zuständig für die Seelsorgeeinheit Ebingen-Lautlingen-Margrethausen.

Wenn in Deutschland seit 2010 die Zahl der Priesterweihen pro Jahr im Bundesgebiet unter 100 liegt und selbst die Zahl der Diakone und Pastoralreferenten stagniert, obwohl diese heiraten dürfen, so ist sein Weg ins Amt der katholischen Kirche geradezu gegenläufig dazu. Verfolgt man seinen Werdegang, so mag der Kundige Parallelen zu dem des Heiligen Augustinus (354-430) feststellen, den der Kirchenvater in seinen weltbekannten, autobiografischen „Bekenntnissen“ festgehalten hat: Uwe Stier erlebte zusammen mit drei Geschwistern eine nie langweilige Kindheit und Jugend und vor allem eine tiefgehende kirchliche Sozialisation. Zum frühesten möglichen Zeitpunkt wurde er Ministrant in Egesheim und tat diesen Dienst bei jeder werktäglichen Frühmesse.

Bereits im Alter von sechs Jahren stand für ihn fest: Ich werde Pfarrer. Überraschend erklärte sein fünf Jahre älterer Bruder nach dem Abitur, ebenfalls Pfarrer werden zu wollen.

Daher nahm Uwe Stier schließlich Abstand davon, diesen Beruf anzustreben, leistete stattdessen Wehrdienst, studierte – durchaus mit Interesse – Jura, war nach dem Examen Referendar, sammelte in zwei Anwaltskanzleien Erfahrungen, fand aber keine Befriedigung. Auch als selbstständiger Anwalt war er nicht glücklich.

Die Wende für Uwe Stier brachte eine Wallfahrt nach Lourdes, von der er als völlig anderer Mensch zurückkehrte: Nun war ihm vollkommen klar, dass er „umsatteln“ musste. 2003, im Alter von 36 Jahren, hängte er seinen Beruf an den Nagel und tat das, was er seit seiner Kindheit wollte: Er studierte katholische Theologie, wurde 2012 zum Diakon geweiht, war für ein Jahr im Zabergäu, feierte anschließend in seiner Heimatgemeinde mit viel öffentlicher Aufmerksamkeit seine Primiz, war danach zwei Jahre Vikar in Ulm und anschließend in Bad Schussenried. Mit seiner Versetzung nach Ebingen ist auch seinem Wunsch, wieder näher bei der Familie zu sein, entsprochen worden.

Im Rückblick auf seinen Werdegang vom Ministranten über den Juristen zum Priester ist Uwe Stier deutlich geworden, „dass es Gott war, der mich immer wieder kräftig durchgeschüttelt hat“, bis er auf der Spur gewesen sei, auf der Gott ihn haben wollte.

Seinen Lebensbericht schloss Stier mit der Ermahnung zur Selbstprüfung, unabhängig von der Konfession: Wenn jemand Pfarrer werden wolle, habe dieser als erstes zu fragen: Will Gott das? Will ich es, oder bin ich von Gott berufen?

Nach diesen so persönlichen Ausführungen waren die Zuhörer sichtlich bewegt – auch von der Musik, mit der Kirchenmusikdirektor Rudolf Hendel am Keyboard und Bernd Vosseler am Saxofon den Abend umrahmten.

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