„Kultband im Kernland“

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Markus Stricker im Einsatz.
Markus Stricker im Einsatz. (Foto: Wendrsonn)
Schwäbische Zeitung

Die schwäbische Folk-Rock-Band Wendrsonn spielt am Samstag, 23. April, um 20 Uhr in der Jurahalle Gosheim. Veranstalter ist der Musikverein Gosheim. Redakteurin Regina Braungart sprach vorab mit Sänger und Multiinstrumentalist Markus Stricker, dem „kreativen Motor“ der Band.

Herr Stricker, wer Konzerte beobachtet und auch Ihren Erfolg in Radio-Abstimmungen, der gewinnt den Eindruck, dass Wendrsonn nicht nur Musik, sondern ein bestimmtes Lebensgefühl, eine Befindlichkeit vieler Menschen zwischen Erdverbundenheit und Freigeist verkörpern. Und was ist mit den Neig‘schmeckten?

Ja, das stimmt absolut. Es war uns immer wichtig, ein Lebensgefühl zu transportieren, das sich natürlich auch immer wieder neu definiert. Heimat, die eigene Identität, die verschiedenen Sprachen und Dialekte und die historische und kulturelle Vergangenheit des Südwesten. Sprache ist sicherlich der größte alle Indikatoren und aus diesem Grund singen wir auch im Dialekt. In meinen Texten bin ich immer auf der Suche nach meinen und unseren eigenen Wurzeln. Um die schwäbischen Eigenarten zu verstehen und natürlich auch als Kulturgut zu vermitteln. Eigentlich ideal für alle Neig‘schmeckten. Ein Autor schrieb mal, „Die Texte von Wendrsonn verraten dem Nichtschwaben mehr über die Eigenarten der Ureinwohner als so manches schlaue Buch“. Wir grenzen definitiv nicht aus, sondern sehen uns als kulturelle Botschafter.

Sind Sie die Band der Babyboomer im Südwesten?

Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht und das ist vielleicht auch unfair, denn unser Drummer ist Jahrgang 1985 und außer mir ist keiner in der Band ein Babyboomer. Vom Durchschnittsalter unseres Publikums kommt das auch nicht hin. Wir stellen fest, dass wir immer mehr junge Fans begeistern und es ist erstaunlich, dass wir mit unseren Songs und Texten generationsübergreifend Leute ins Konzert ziehen. Auch Kinder, die es lieben, dass eine Band so singt, wie sie au schwätzat.

Sie finden in unterschiedlichen Regionen noch unterschiedliche Resonanz, wohl weil Sie unterschiedlich bekannt sind. Wie ist es in Ihrem Kernland?

In unserem Kernland werden wir bereits als Kultband bezeichnet, wobei ich bei solchen Formulierungen immer vorsichtig bin. Es ist unglaublich schwierig, sich einen Bekanntheitsgrad und einen Namen zu erspielen, wenn die Medien nicht zu 100 Prozent mitspielen und anstatt schwäbischer Mundart lieber bayrische, kölsche oder österreichische Bands protegieren. Wendrsonn existiert jetzt seit elf Jahren, und egal, wo wir gespielt haben, waren die Zuschauer und die Veranstalter begeistert. Wir sind auf einem guten Weg, aber es gibt noch viel zu tun, um in allen Regionen nicht nur als Geheimtipp zu gelten.

In Gosheim hat der Musikverein nach der Erfahrung vom ersten Konzert 2014, bei dem es sehr eng geworden ist, die neu renovierte Jurahalle als Veranstaltungsort ausgesucht. Lässt sich auch in einer Halle die typische Wendrsonn-Erfahrung machen?

Auf jeden Fall. Wir kommen mit einer großen Anlage, die es uns erlaubt, auch die leisen und feinen Töne zu zelebrieren, und mit viel mehr Licht. Wir spielen sehr oft in großen Hallen oder bei großen Open-Airs, und auch da ist es uns jedes Mal gelungen, das wendrsonntypische Gefühl zu transportieren. Eigentlich ist die Größe einer Location zweitrangig. Wichtig ist die Energie, die von der Bühne ausgeht – und da geben wir immer alles.

Wie ist die Reaktion des Publikums jenseits der Mainlinie?

Absolut positiv. Das negative Bild der Schwaben hat sich definitiv positiv verändert – auch in Berlin. Diese Erfahrung haben wir auch in der Hauptstadt gemacht. Selbst im Badnerland erspielen wir uns eine immer größere Fangemeinde. Unser Schwäbisch wurde in Sachsen recht gut verstanden, in Hamburg gar nicht, da waren wir Exoten und eine Dame meinte, „Die Sprache, die sie singen, ist das Hebräisch?“. Grundsätzlich ist die Musik aber die wichtigste emotionale Komponente, und da habe ich das große Glück, absolute Ausnahmemusiker in der Band zu haben. Wenn Klaus Marquardt seine Finger über die Geige fliegen lässt, oder Biggi Binder die schwäbische Janis Joplin gibt, ist Gänsehaut angesagt, und das versteht jeder.

Wodurch wird sich Ihr Programm und Ihre Show im Vergleich zum letzten Mal unterscheiden? Die Band ist ja gleich geblieben, oder?

Logisch sind noch alle Wendrsonnler an Bord, aber wir haben eine ganze Ladung neuer Songs unserer im November 2015 erschienenen CD „Geile Zeit“ im Programm. Auch solistisch haben wir das eine oder andere Bombole für die Zuschauer vorbereitet.

Welches ist Ihr Lieblingslied? Und welches Ihre Lieblingsgegend (weltweit) jenseits des Schwabenländles?

Mein Lieblingslied ist zur Zeit definitiv „Dr letzte Rock ’n’ Roller“. Das ist ein sehr persönliches Lied, und wir haben da erst vor kurzem ein Video gedreht, das in den ersten beiden Wochen mehr als 10 000 Mal angesehen wurde. Meine Lieblingsgegend? Das ist schwierig. Ich reise für meine Leben gerne und war bereits in Grönland, Tibet, Nepal, Peru, USA, Kanada, Mexiko, Thailand, Malaysia, Hawaii. Ich liebe einsame Gegenden. Das Hochland von Tibet, genau so wie die stürmische Küste Neufundlands. Die Anden, die Eisberge Westgrönlands, die langen Strände der Normandie oder die stillen Gipfel im Lechtal. Da kann und will ich mich nicht festlegen...Gosheim, dr Lemberg und die Schwäbischen Highlands gefallen mir fei au sauguat.

Karten im Vorverkauf zu 15 Euro gibt es bei der Kreissparkasse Gosheim. Außerdem können Karten unter www.mvgosheim.de reserviert werden. Es ist freie Platzwahl.

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