Hechelnder Bürgermeister, huschende Gazelle

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 Bürgermeister André Kielack wird von den Zuschauern angefeuert.
Bürgermeister André Kielack wird von den Zuschauern angefeuert. (Foto: Richard Moosbrucker)
Richard Moosbrucker

Zum „Rennen der Generationen“ herrscht am Samstagnachmittag auf dem Biathlon-Gelände des Skiclubs Gosheim noch eifrige Betriebsamkeit. Erwartungsvoll bereiten sich die Teilnehmer beiderlei Geschlechts auf ein spannendes Rennen vor, in dem sie beweisen können, dass sie noch fit für einen Wettkampf sind, bei dem es um gute Laufleistungen, vor allen Dingen aber auch um Treffsicherheit beim Schießen auf die kleinen, schwarzen Scheiben in 50 Meter Entfernung geht.

In leichte Bedrängnis war die seelenruhig am Rande des Schießstands stehende Vorsitzende des Skiclubs Gosheim, Juliane Hermle, noch gekommen, als feststand, dass es Christoph Bode nicht gelingt, rechtzeitig in den Flieger zu kommen, der ihn von Washington nach Deutschland zurückbringen sollte. Aber sie findet guten Ersatz: Bürgermeister André Kielack springt für ihn ein, obwohl er noch nie in dieser Kombinations-Sportart aktiv geworden war. „Bis zum Halbmarathon habe ich es geschafft, und jetzt wollen wir mal sehen, was beim Schießen rauskommt“, meint er, hoffnungsvoll gestimmt. Mutmaßlich wird er durch eine gute Laufleistung seinem leichtgewichtigen Körper alles abverlangen. Doch auch die Probeschuss-Serie lässt hoffen: Der Bürgermeister trifft alle Scheiben, liegend und mit Auflage versteht sich.

Den erfahrenen Athleten, unter ihnen Simone Hauswald, Miriam Zeimet und Tanja Bauer, und den jungen Nachwuchstalenten des SC Gosheim, an der Spitze Marvin Schumacher, sieht man an, dass sie durch ihre Erfahrungen im Wettkampfsport nicht aus der Ruhe zu bringen sind. Dies gilt auch für die abgeklärten Oldies, wie die sonnengebräunten Holger Weber und Gunther Martin, sowie den mit erweiterter Taille antretenden Andre Baldauf. Auch sie sind in die Jahre gekommen, aber bereit, mit den jungen Nachwuchsläufern beiderlei Geschlechts den Kampf um die Gesamtwertung aufzunehmen.

Planmäßiges Probeschießen

Vor dem Wettkampf laufen die Teilnehmer noch den Rundkurs unter Führung von Christian Hermle ab und vermitteln den Eindruck einer Öschprozession durch das feuchte Grün des Heubergs. Das Probeschießen verläuft planmäßig. Die Athleten sind mit den Ergebnissen zufrieden, so dass es losgehen kann. Zunächst geht es darum, die Startreihenfolge mit einer Schießrunde festzulegen. Dann wird entsprechend den Schießergebnissen gestartet. Jetzt rächt es sich, wenn man den Winterspeck mit auf die Strecke nehmen muss, und dieser eben bei jedem Laufschritt auf die Hüften schlägt. Aber es wird gekämpft und jeder gibt sein bestes.

Simone Hauswald huscht wie eine Gazelle über die Strecke. Auch der Bürgermeister gibt eine gute Figur ab und nimmt, leicht hechelnd, den finalen Anstieg vor dem Schießgelände mit Elan. Andere haben da beim Anstieg etwas mehr zu kämpfen, aber ihr Biathlon-Herz treibt sie doch zu Höchstleistungen. Am Schießstand geht es jetzt um volle Konzentration, denn bei erhöhtem Puls erweist es sich, dass wissen selbst die fachkundigen Zuschauer, als äußerst schwierig, die Kimme ins Korn zu bringen, um den Schuss möglichst zentral zu platzieren. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen und hier müssen auch wegen der Schießfehler die Athleten auf der Ruhebank ihre Strafzeit absitzen und nicht, wie im richtigen Wettkampf, eine oder mehrere Strafrunden drehen. So gesehen verdient die Ruhebank ihren Namen voll und gibt den Sportlern ihre Kraft für die nächsten Runden wieder zurück.

Mit stoischer Ruhe verfolgt Rudi Denkinger, der einstige große Macher des Skiclubs, das Rennen. Völlig gelassen können er und seine Frau Kye Soon zusehen, wie ihre Tochter leichtfüßig über die Strecke pirscht und auch beim Schießen die Ruhe bewahrt. Ihre Wettkampferfahrung und die ihrer beiden Partnerinnen geben am Ende den Ausschlag für den Gesamtsieg, der allerdings recht knapp ausfällt, denn die „Sunnyboys“, Michael Weber, Jan Steyrer und Philipp Schuler, landen mit nur geringem Zeitabstand vor dem Damentrio. Auf dem dritten Platz landen Michel Herr, Klaus Löffler und Silvia Petzold mit ihrer „Erfahrung aus Winter und Sommer“.

Auf den weiteren Rängen folgen die „Jungspunde und Jungspundinnen“ Tim Rauchfuß, Marvin Schumacher und Lisa Hermle vor „Hermle Power 1“ mit Christoph, Dominik und Anna Maria, „Hermle Power II“ mit Hendrik, Dennis und Martin, sowie Florian Pfeffer, Dennis Baldauf und Christian Hermle, die als „Straftrainig Buddys“ angetreten waren. Und der Bürgermeister? In seiner „Pferdestall-Gang“ reicht es ihm und seinen Kollegen Gunther Martin und Holger Weber nur zum 8. Platz vor Schlusslicht „Gasthaus Krone Gedächtnis-Team“ mit Andre Baldauf, Thorsten Bayer und Martin Eberhard. Spaß gemacht aber hat es allen: und zwar generationenübergreifend. Optimal war auch das organisatorische Zeitmanagement, denn kurz nach Ende des Rennens setzte wolkenbruchartiger Regen ein.

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